Welche Technologien bei kommunaler Wärmeplanung das Rennen machen, zeigt unsere Umfrage.

Welche Technologien bei kommunaler Wärmeplanung das Rennen machen, zeigt unsere Umfrage.

Bild: @ AdobeStock/bluedesign

Fern- und Nahwärmenetze werden in vielen Kommunen langfristig eine wichtige Rolle spielen. Vor allem in Städten rechnen 60 Prozent der Befragten mit einem massiven Ausbau. Zugleich zeigt eine ZFK-Umfrage unter 49 Teilnehmer:innen: Wärmenetze gelten nicht als alleinige Lösung der Wärmewende. In kleineren und ländlichen Kommunen entscheidet stärker die Wirtschaftlichkeit, ob ein Netz oder eine dezentrale Versorgung mit Wärmepumpen zum Einsatz kommt.

Netzauslastung als zentrale Hürde

Bei der Dekarbonisierung bestehender Wärmeinfrastrukturen ist die Netzauslastung die größte technische Herausforderung. Ein Drittel der Antworten nennt eine zu geringe Auslastung als Hauptproblem. 29 Prozent sehen das begrenzte Angebot geeigneter Wärmeerzeugungstechnologien als wichtigste Hürde. Weitere Herausforderungen sind die Netztemperaturen (22 Prozent) und Schnittstellen zwischen verschiedenen Netzabschnitten (16 Prozent).

In Wärmenetzen sehen die meisten Befragten die zentrale Lösung für die Herausforderungen der Wärmewende.Bild: @ ZFK

Damit hängt der Erfolg der Transformation nicht allein vom Austausch einzelner Erzeugungsanlagen ab. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Wärmequellen, Netztemperatur, Abnehmerstruktur und vorhandener Infrastruktur. Sinkende Wärmebedarfe können die Umstellung erleichtern, zugleich aber die Auslastung und Wirtschaftlichkeit bestehender Netze schwächen.

Wärmepumpen und Netze: Kein Entweder-oder

Bei der Wirtschaftlichkeit zeigt sich keine klare Präferenz. 51 Prozent machen die Kosten im Vergleich von Wärmepumpen und leitungsgebundener Wärmeversorgung vor allem vom Gebäudebestand abhängig. Knapp 30 Prozent halten gut ausgelastete Wärmenetze für unschlagbar günstig, rund 15 Prozent sehen Wärmepumpen vorn.

Auch die Nachfrage ist nahezu ausgeglichen: Von 41 Antwortenden berichten 22 von einer überwiegenden Nachfrage nach Netzanschlüssen, 19 beobachten einen Wunsch nach einer eigenen Wärmepumpe. Für Versorger bedeutet das: Ausbaupläne allein garantieren noch keine ausreichende Anschlussdichte. Investitionen müssen lokale Gebäude- und Nachfrageprofile berücksichtigen.

Wärmeplanung gibt Orientierung, schafft aber noch keine Sicherheit

Die kommunale Wärmeplanung wird mehrheitlich als hilfreich bewertet. 24 von 46 Antwortenden sehen darin Leitlinien, an denen sich ihr Stadtwerk gut orientieren kann. Gleichzeitig halten zwölf die Planung noch nicht für weit genug fortgeschritten, zehn stufen die Vorgaben als unrealistisch ein.

Das Thema Akzeptanz von Fern- und Nahwärmenetzen gegenüber Wärmepumpen bleibt kontrovers.Bild: @ ZFK

Die Wärmeplanung erfüllt damit eine wichtige Orientierungsfunktion, liefert aber noch nicht überall die nötige Investitionssicherheit. Entscheidend sind belastbare Daten und langfristig verlässliche Regeln für Genehmigungen, Geschäftsmodelle und Kostenverteilung.

Technologiemix statt Einzellösung

Als wichtigste Bausteine klimaneutraler Wärmenetze nennen die Befragten Wärmepumpen und Abwärme – jeweils 14-mal. Geothermie folgt mit zehn Nennungen. Wasserstoff und Bioenergie spielen mit vier beziehungsweise zwei Nennungen eine deutlich kleinere Rolle. Wärmepumpen werden dabei sowohl dezentral als auch als Großwärmepumpen in Wärmenetzen verstanden.

Die Ausbauperspektiven sind verhalten optimistisch: 17 Teilnehmer:innen halten einen Ausbau in den kommenden fünf bis zehn Jahren für sehr wahrscheinlich, fünf weitere sehen klare Vorplanungen. 17 bewerten die Aussichten als mittel und machen sie von politischen oder finanziellen Rahmenbedingungen abhängig. Sieben erwarten einen geringen oder sehr geringen Ausbau.

Branche fordert politischen Kurs

Bei den Investitionsbedingungen ist die Botschaft eindeutig: 24 von 33 Antwortenden setzen klare politische Leitlinien und langfristige regulatorische Planungssicherheit auf Platz eins. Verlässliche Fördermechanismen und transparente Förderkonditionen folgen auf Rang zwei. Eine bessere Datenbasis durch Wärmeplanung und Bedarfsanalysen wird am häufigsten auf Rang drei genannt.

Die zentrale Forderung lautet somit nicht nur "mehr Förderung", sondern vor allem ein verlässlicher politischer und regulatorischer Kurs. Viele Akteure wollen investieren, warten aber auf Bedingungen, unter denen sich Projekte belastbar rechnen lassen.

Das Interesse an Austausch ist groß: 44 von 47 Antwortenden können sich eine Teilnahme an einer geplanten ZFK-Wärmewende-Community vorstellen. 16 möchten sich aktiv einbringen, 28 eher mitlesen oder zuhören.

Die Umfrage zeigt eine Branche mit Ausbauwillen, aber ohne ausreichende Planungssicherheit. Wärmenetze, Wärmepumpen, Abwärme und Geothermie werden zunehmend als Bausteine eines vielfältigen Versorgungssystems verstanden. Damit aus Ausbauplänen investitionsreife Projekte werden, braucht es neben geeigneten Wärmequellen und belastbaren Daten vor allem langfristig verlässliche Rahmenbedingungen.

Methodischer Hinweis: Die Auswertung basiert auf 49 anonymen Antworten. Nicht alle Fragen wurden von allen Teilnehmer:innen beantwortet; Prozentangaben beziehen sich jeweils auf die gültigen Antworten. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, geben aber Einblick in aktuelle Einschätzungen und Prioritäten der teilnehmenden Akteure.

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