Mit mehr als 500 Solarparks und 380 Beschäftigten gilt Enerparc als Schwergewicht der europäischen Solarbranche. Am 7. September 2026 stellte der Vorstand beim Amtsgericht Hamburg nun einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das Gericht bestellte noch am selben Tag den Hamburger Rechtsanwalt Stefan Denkhaus von der Wirtschaftskanzlei BRL zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Der Betrieb soll zunächst fortgeführt werden.
"Das Insolvenzantragsverfahren hat heute begonnen. Ich führe bereits erste Gespräche mit dem Vorstand, den Beratern des Unternehmens und den Finanzierern, um das Unternehmen zu stabilisieren", wird Denkhaus in einer Mitteilung zitiert. Zu seinen ersten Aufgaben gehöre die Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und der Konzerngesellschaften.
Weitere Insolvenzanträge möglich
Denkhaus schloss nicht aus, dass auch Schwestergesellschaften Insolvenzanträge stellen könnten. Für eine abschließende Einschätzung sei es jedoch zu früh.
Enerparc gilt als einer der größten unabhängigen Eigentümer und Betreiber von Solarparks in Europa. Das Portfolio umfasst Solarparks mit rund 5,5 Gigawatt (GW) installierter Leistung, von denen etwa 3,8 GW am Netz sind. Zum Kerngeschäft gehören Entwicklung, Bau und Betrieb von Solaranlagen sowie die Vermarktung des erzeugten Stroms. Enerparc ist außerdem im Aufbau von Batteriespeichern und Umspannwerken aktiv.
Milliarden-Finanzierung war kein Sicherheitsnetz
Das Ausmaß der Krise überrascht – auch wegen des Zeitpunkts. Am 12. März 2026 hatte Enerparc noch ein Finanzierungspaket von bis zu einer Milliarde Euro angekündigt und eine Expansionsstrategie für 2026 und die Folgejahre skizziert.
Das Paket bestand nach Unternehmensangaben aus einer Junior-Finanzierung über 500 Millionen Euro sowie einem langfristigen Projektfinanzierungsrahmen von zunächst 425 Millionen Euro, der auf bis zu 500 Millionen Euro erweitert werden konnte.
Geldgeber waren drei globale Vermögensverwalter – EIG, Schroders Capital und Eiffel Investment Group – sowie die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Mit dem Kapital wollte Enerparc den weiteren Ausbau von Solarparks und Batteriespeichern in Deutschland, Frankreich und Spanien finanzieren. Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben 2025 rund 1,2 Gigawatt neue Solarleistung installiert und plante für 2026 ein nochmals steigendes Ausbauvolumen.
Entscheidend für das Verständnis der Krise: Bei dem angekündigten Betrag handelte es sich um einen Finanzierungsrahmen für konkrete Projekte, nicht um frei verfügbare Liquidität. Welche Teile davon bis zum Insolvenzantrag tatsächlich abgerufen wurden, ist nicht bekannt. Auch welche wirtschaftlichen Gründe zur Insolvenz geführt haben, hat weder das Unternehmen noch der vorläufige Insolvenzverwalter bislang öffentlich erklärt.
Tochter Sunnic Lighthouse führt Geschäft fort
Unberührt von der Insolvenz der Konzernmutter will vorerst die Enerparc-Tochter Sunnic Lighthouse bleiben. Das Unternehmen ist in der Direktvermarktung, der Stromversorgung und dem Energiehandel tätig.
"Sunnic Lighthouse setzt seine Geschäftstätigkeit in allen Bereichen fort", bestätigt Geschäftsführer Arved von Harpe. Das Unternehmen bezeichnete sich als eigenständig und wirtschaftlich erfolgreich. Auch die Solarparks selbst speisten nach diesen Angaben weiterhin Strom ein. Ob und in welchem Umfang sich das Insolvenzverfahren auf einzelne Projekte, Finanzierungen oder weitere Konzerngesellschaften auswirkt, ist noch offen.
Krise in der Branche spitzt sich zu
Der Fall Enerparc trifft eine Branche, die ohnehin unter Druck steht. Fallende Zuschlagswerte in den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur, steigende Projektkosten und ein verschärfter Wettbewerb um Investoren und Netzanschlüsse setzen Entwicklern und Betreibern zu. Der auf Erneuerbare-Energien-Projekte spezialisierte Entwickler Juwi aus Wörrstadt (Rheinland-Pfalz) etwa hatte im Juni den Abbau von 280 Stellen und eine umfassende Neuausrichtung angekündigt.
Mit Enerparc gerät nun ein Unternehmen in die Insolvenz, das noch Anfang des Jahres auf Expansionskurs war. Ob das Verfahren auf strukturelle Schwächen im Geschäftsmodell, auf die konkrete Finanzierungsstruktur oder auf andere Faktoren zurückgeht, müssen die weiteren Verfahrensschritte zeigen. Die Frage, wie es einem der größten Solarpark-Betreiber Europas innerhalb weniger Monate so schlecht gehen konnte, bleibt vorerst offen.

