Der Aufbau einer Wasserstoffproduktion verläuft schleppend.

Der Aufbau einer Wasserstoffproduktion verläuft schleppend.

Bild: © Adobe Stock/scharfsinn86

Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland kommt weiterhin nur schleppend voran. Das zeigt der aktuelle "Wasserstoffmonitor" des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), den das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) erstellt hat.

Zwar wächst demnach die Zahl geplanter Projekte, doch zwischen Ankündigung und tatsächlicher Umsetzung klafft weiterhin eine große Lücke. Dabei gilt grüner Wasserstoff als zentraler Baustein für die Defossilisierung der Industrie – etwa in der Stahl-, Chemie- oder Zementbranche. Gerade dort sind direktelektrische Lösungen oft kaum möglich oder wirtschaftlich nur eingeschränkt darstellbar.

Umso problematischer ist aus Sicht vieler Marktakteure, dass der dringend benötigte Markthochlauf bislang deutlich langsamer verläuft als politisch angekündigt. Der BDEW lässt quartalsweise Daten zum Wasserstoff-Hochlauf erheben.

Viele Projekte in der Warteschleife

Nach Angaben des EWI sind aktuell lediglich rund 181 Megawatt Elektrolyseleistung in Deutschland installiert. Weitere 1,3 Gigawatt hätten zwar bereits eine finale Investitionsentscheidung erreicht oder befänden sich in Bau. Viele ursprünglich für 2025 angekündigte Projekte verzögerten sich jedoch erheblich oder seien inzwischen ganz gestrichen worden.

Als Gründe werden in der Analyse unter anderem hohe Wasserstoffgestehungskosten, regulatorische Unsicherheiten sowie eine geringe Zahlungsbereitschaft potenzieller Abnehmer genannt. Hinzu komme das bekannte "Henne-Ei-Problem": Produktion, Infrastruktur und Nachfrage müssten parallel entstehen – bislang fehle dafür jedoch ein belastbarer Marktmechanismus.

Hohe Kosten bremsen Investitionen

Der BDEW warnt seit längerem vor einem stockenden Hochlauf. Der Verband verweist darauf, dass Wasserstoff und seine Derivate für ein klimaneutrales Energiesystem unverzichtbar seien – insbesondere für schwer elektrifizierbare Industrieprozesse. Gleichzeitig fehle es weiterhin an verlässlichen politischen Rahmenbedingungen und ausreichender Förderung.

Auch eine frühere Studie von BDEW und Capgemini hatte bereits auf erhebliche Risiken entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette hingewiesen. Demnach bremsen regulatorische Unsicherheiten, fehlende Nachfrage, hohe Investitionsrisiken sowie Infrastrukturengpässe viele Projekte aus. Besonders kritisch sei das sogenannte Abnahmerisiko: Viele Investoren scheuten derzeit langfristige Engagements, weil belastbare Absatzmärkte fehlen.

Hinzu kommt ein grundsätzliches Kostenproblem. Grüner Wasserstoff ist derzeit deutlich teurer als fossile Alternativen und häufig nicht wettbewerbsfähig. Der BDEW spricht deshalb von einer "Zahlungslücke" zwischen Angebot und Nachfrage, die ohne politische Unterstützung kaum geschlossen werden könne.

Industrie wartet auf verlässliche Rahmenbedingungen

Gleichzeitig wächst der Druck auf die Industrie. Viele Unternehmen warten auf verlässliche Signale für Infrastruktur, Förderkulissen und künftige Energiepreise. Beim Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes gibt es trotzdem erste positive Zeichen: Die Nachfrage nach Transportkapazitäten übertrifft laut Netzbetreibern bereits die Erwartungen.

Ob daraus jedoch kurzfristig ein tragfähiger Markt entsteht, bleibt offen. Für die Energiewende ist die Entwicklung von zentraler Bedeutung. Denn ohne ausreichende Mengen an klimaneutralem Wasserstoff dürften zentrale Industrieprozesse kaum vollständig defossilisiert werden können.

Der aktuelle Wasserstoffmonitor macht deshalb vor allem eines deutlich: Zwischen politischen Zielbildern und realem Markthochlauf liegt weiterhin eine erhebliche Lücke. Das 26-seitige Papier ist online als PDf verfügbar.

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