"Wenn wir das Thema ernst nehmen, können wir einen Riesenschritt nach vorne kommen", so das klare Fazit von Agnes Janda, als die Vorständin bei Gelsenwasser die kreislaufwirtschaftlichen Projekte ihres Unternehmens vorstellte. Diese waren auf den ersten Blick vergleichsweise technisch – es ging um Bodenmanagement und Phosphorrecycling –, unterstrichen aber deutlich, wie kommunale Akteure Synergien schaffen und richtungsweisende Lösungen erzielen können.
Phosphorrecycling in der Abwasserwirtschaft
Am Beispiel des Phosphorrecyclings in der Abwasserwirtschaft ging die Expertin ins Detail: Phosphor spielt als Dünger eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft, ist jedoch ein finiter Rohstoff, der aus anderen Ländern importiert wird.
Gleichwohl ist Abwasser ein großer Träger von Phosphor, denn dieser bleibt im Klärschlamm erhalten, könnte diesen theoretisch also zu einem wertvollen Nebenprodukt machen. Herkömmliche Aufbereitungsverfahren bereinigen Schadstoffe wie etwa Schwermetalle aber nicht zufriedenstellend und grenzen die weitere Verwertung ein, erklärte Janda. Trotz allem fielen jedoch Kosten von etwa 200 bis 250 Euro pro Tonne an.
"Bei den hochwertigen Verfahren sind wir ehrlicherweise eher beim doppelten Preis", so Janda. "Wenn jetzt aber in ganz Deutschland Klärschlamm auf diese saubere Art und Weise verarbeitet würde, dann kostet das eine Tasse Kaffee pro Bürger."
Man kann sich mit anderen zusammentun und man kann teilhaben, indem man beiträgt. Das hat auch etwas mit kommunalem Engagement zu tun.
Die Unterstützung neuer Technologien, etwa für Phosphorrecycling, bringe die Branche insgesamt voran und trage zum Prinzip der Kreislaufwirtschaft bei. Deshalb hat der Gesetzgeber bereits 2017 auf Basis einer zwölfjährigen Umsetzungsfrist entsprechende Vorschriften verankert.
"Er hat im Prinzip zwei Dinge erkannt: Er hat zum einen gesehen, dass Phosphor eine natürliche Ressource ist, auf die wir keinen Zugriff haben und die auch eine endliche Ressource ist. Und er hat gesehen, dass wir mit unserem bisherigen Verhalten nicht unerheblich zu Boden- und Gewässerverunreinigungen beitragen", erklärte Janda. "Deswegen ist das eben so nicht mehr erlaubt."
Möglichkeit zur Positionierung und Wettbewerbsfähigkeit
Anfänglich habe jedoch kein Verfahren existiert, das den neuen Ansprüchen gerecht geworden wäre.
"Für uns war als Unternehmen schon immer klar, wenn wir ein Verfahren für uns suchen, dann muss es ein sauberes Verfahren sein", so Janda. "Wir wollen dann eben sicherstellen, dass wir sauberen Phosphor zurückgewinnen, ohne all diese Dinge, vor allem Schwermetalle, die sich im Klärschlamm befinden."
Ebenso habe sich der neue Prozess als wirtschaftlich erweisen müssen, um zur Positionierung und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland beizutragen. Unternehmensintern sei es zudem Neuland gewesen, plötzlich nicht nur Abwasserentsorger, sondern auch Produzent zu sein, der Volumenströme und Produktqualität gewährleisten, gleichwohl aber auch Abnehmer finden müsse.
Nach umfangreichen Recherchen und Analysen baute das Unternehmen 2024 die sogenannte Ash2Phos-Anlage, die Klärschlammasche verarbeitet und Phosphor abspaltet. Insgesamt sei der Prozess so hochwertig, das zuletzt nur zwei Prozent Abfall übrigblieben.
Genau hier setze das Prinzip der Kreislaufwirtschaft hervorragend an, denn trotz des aufwendigen Prozesses und vergleichsweise höherer Kosten seien die Vorteile gravierend. "Wir werden so gut wie abfallfrei. Wir geben Phosphor in Form von Calciumphosphat ab. Wir gewinnen eine Sandfraktion, die in die Baustoffindustrie zurückgehen kann. Wir gewinnen Felder", erörterte die Vorständin.
Kreislaufwirtschaft als maßgeblicher Wirtschaftsfaktor
Insgesamt seien Recycling und Kreislaufwirtschaft daher nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz, sondern auch ein maßgeblicher Wirtschaftsfaktor.

"Wenn ihr euch in der Welt mal so umguckt, wer diese Gesetzgebung hat, sind wir in Deutschland am weitesten an der Stelle. Das heißt, wir könnten auch mal wieder Technologieführer werden, wenn wir den Ehrgeiz hätten, einfach auch eine exzellente Lösung nach vorne zu stellen", so Janda.
Insbesondere appellierte sie damit an andere kommunale Unternehmen, sich frühzeitig und breitflächig an etwaigen Projekten zu beteiligen. Ab Inkrafttreten der neuen gesetzlichen Bestimmungen im Jahr 2029 sei die Anlage "ungefähr zehnmal überbucht", erklärte Janda, zuvor wolle jedoch niemand einsteigen.
"Das ist zum Beispiel eine Möglichkeit, die man hat, auch wenn man nicht das Know-how hat, nicht das Geld und vielleicht auch nicht die Mannschaft, um selber so ein Projekt in der Größenordnung auf die Beine zu stellen", verdeutlichte sie. "Aber man kann sich mit anderen zusammentun und man kann teilhaben, indem man beiträgt. Das hat auch etwas mit kommunalem Engagement zu tun, dass man sich mal traut – vielleicht auch in kleinen Teilen mit anderen Partnern."
