Gute Nachrichten für Stadtwerke-Mitarbeitende, die nach dem Tarifvertrag für Versorgungsbetriebe (TV-V) bezahlt werden. Ihre Gehälter steigen ab 1. Juni um weitere 1,25 Prozent.
Im Vergleich zum letzten Mal fällt das Plus aber deutlich niedriger aus. Im Juni 2025 stiegen die Gehälter um bis zu 7,8 Prozent.
Das neue Gehaltsniveau gilt bis einschließlich März 2027. Dann verhandeln Arbeitgeber und -nehmer über einen neuen Vertrag. Ein Überblick:
Was ist der Hintergrund für die Gehaltserhöhung?
Grundlage ist das Tarifergebnis vom Frühjahr 2025. Nach harten Verhandlungen einigten sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter damals auf ein Gehaltspaket mit einer Laufzeit bis März 2027.
Anders als zuvor wurden die Gehälter im Juni 2025 nicht für jede Entgeltgruppe und -stufe prozentual gleichmäßig erhöht. Neu aus der Ausbildung übernommene Kolleg:innen und Quereinsteigende profitierten stärker.
Die Gewerkschaft Verdi argumentierte, dass die Startgehälter seit Einführung des TV-V im Jahr 2000 zu niedrig gewesen seien. Insofern sei den neuen jungen Kollegen ein Vierteljahrhundert lang das gerechte Entgelt vorenthalten worden. Diese Startabsenkung sei nun "weitgehend beseitigt".
Die Vergleichsberechnung zeige, dass alle Kollegen mit dem Abschluss besser dastünden, "schon im ersten Jahr, aber auch über die gesamte Laufzeit". Nun werden die Gehälter durch die Bank um den gleichen Prozentsatz erhöht.
Was ist sonst noch neu seit dem Tarifabschluss – Stichwort Arbeitszeit?
- Ab 2027 haben TV-V-Beschäftigte einen Tag mehr Urlaub, also insgesamt 31 Tage.
- Die Sonderzahlung beziehungsweise Teile davon (13. Monatsgehalt) können in bis zu drei freie Tage umgewandelt werden.
- Arbeitnehmer können freiwillig bis zu 42 Stunden pro Woche arbeiten, sofern Arbeitgeber auch zustimmen.
- Arbeitgeber können Zuschüsse für Fitnessstudios, die Kita oder den öffentlichen Nahverkehr geben (viele Betriebe bieten das bereits an).
Wie hoch fällt die TV-V-Erhöhung im Vergleich zu anderen Tariferhöhungen in der Energiewirtschaft aus?
- TV-V (viele Stadtwerke und andere kommunale Versorgungsbetriebe in ganz Deutschland): 1,25 Prozent (ab 1. Juni, Laufzeit neun Monate) (Quelle)
- AVEU (u. a. große ostdeutsche Stadtwerke): 3,5 Prozent (seit 1. April, zwölf Monate) (Quelle)
- TG Energie (u. a. Eon und Tennet): 4 Prozent (seit 1. Februar, 20 Monate) (Quelle)
Zum Vergleich: Die Inflationsrate liegt laut dem Statistischen Bundesamt im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat voraussichtlich bei 2,6 Prozent.
Wie geht es jetzt weiter?
Eigentlich wollten Arbeitnehmervertreter bessere Eingruppierungen erreichen. Sonja Detmer, Betriebsratsvorsitzende der Wuppertaler Stadtwerke, erklärte dies in einem ZFK-Interview vor einem Jahr so:
"Konkret wollen wir uns (...) die einzelnen Stellen und Berufe in der sogenannten Entgeltordnung ansehen. Weil der TV-V mittlerweile mehr als 20 Jahre alt ist, sind dort manche Berufe, die für Stadtwerke von immer größerer Bedeutung sind, gar nicht erfasst. Der ganze IT-Bereich fehlt zum Beispiel. Das fängt aber auch schon bei Meistern, Technikern und Ingenieuren mit Bachelorabschluss an. In der alten Eingruppierungsrichtlinie werden sie noch viel zu niedrig bewertet."
Nach ergebnislosen Gesprächen brach die Gewerkschaft Verdi die Verhandlungen aber im März ab. "Ab sofort bereiten wir uns auf eine kraftvolle Tarifrunde 2027 vor", teilte Verdi mit.
Und nun die TV-V-Gehaltserhöhungen für vergangenes und dieses Jahr im Überblick …



