Die Karriere-Treppe ist nicht für alle gleich gebaut, die Zeppelin-Universität Friedrichshafen hat die Repräsentanz von Frauen in Führung untersucht. (Sybolbild)

Die Karriere-Treppe ist nicht für alle gleich gebaut, die Zeppelin-Universität Friedrichshafen hat die Repräsentanz von Frauen in Führung untersucht. (Sybolbild)

Bild: © Zamrznuti tonovi/AdobeStock

Im vergangenen Jahr haben öffentliche Unternehmen weniger Frauen in Top-Positionen befördert, außerdem bleiben die Stadtwerke im Branchenvergleich Schlusslicht beim Frauenanteil, das geht aus der "FIT-Public Management-Studie 2026" der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen hervor. Die Forschenden untersuchen langfristig, wie Frauen in Top-Managementorganen bei rund 1500 öffentlichen Unternehmen repräsentiert sind (Stand April).

Einen massiven Rückgang sieht die Studie in der Neubesetzung von Stellen: Diese fiel von 31 auf 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die höchsten Werte bei den Neuberufungen weisen Städte aus Sachsen (41 Prozent) und Rheinland-Pfalz (37 Prozent) auf, die Schlusslichter bilden Niedersachsen (13 Prozent) und Hessen (10 Prozent).

Angesichts der Vorbildfunktion öffentlicher Unternehmen und der von Politik und Gesellschaft formulierten Zielsetzungen verdient das Thema besondere Diskussion.

Ulf Papenfuß

"Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen erneut die besondere Relevanz und Dringlichkeit dieses Themas im Kontext öffentlicher Unternehmen", resümiert Ulf Papenfuß, Studienautor und Professor für Public Management und Public Policy an der Zeppelin-Universität. Der "massive" Rückgang bei weiblichen Neubesetzungen im Vergleich zum Vorjahr sei besonders bemerkenswert in der aktuellen Debatte und verdiene angesichts der Vorbildfunktion öffentlicher Unternehmen und von Politik und Gesellschaft formulierter Zielsetzungen besondere Diskussion. Führungskräfteentwicklung und Richtlinien wie Public-Corporate-Governance-Kodizes könnten Papenfuß zufolge die Situation verbessern.

Es gibt erhebliche Unterschiede bei den Branchen. Laut den Studienergebnissen sind Frauen besonders stark in der Leitung im Gesundheits- und Sozialwesen vertreten, deutlich seltener hingegen in technischen Bereichen wie IT, der Energie- und Wasserversorgung und anderen Stadtwerke-typischen Feldern.

Weniger dramatisch klingt hingegen der Fakt, dass der Anteil weiblicher Führungskräfte in öffentlichen Firmen bei 23,4 Prozent lag, und damit um 0,4 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor ist. Im Fünf-Jahres-Vergleich ist der Wert um 3,9 Punkte gestiegen. Laut den Autoren sei dies allerdings ein zu langsames Wachstum, um in absehbarer Zeit Parität zu erreichen.

Mehr Frauen bei Mehr-Personen-Gremien, aber weniger in Führung dieser

Alleingeschäftsführungen sind laut der Studie nur zu einem Viertel mit Frauen besetzt. In Zwei-Personen-Organen ist bei 40 Prozent eine Frau vertreten; in größeren Organen bei 57 Prozent. Die Vorsitzfunktion in Mehrpersonenorganen wird allerdings nur in 5 Prozent der Unternehmen von einer Frau übernommen.

Gesetzliche Vorgaben

Börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen sollen laut Aktiengesetz, wenn das Top-Managementorgan mehr als drei Mitglieder hat, mindestens ein weibliches und ein männliches Mitglied im Top-Management haben. Bei Unternehmen mit Mehrheitsbeteiligung des Bundes soll in Top-Managementorganen mit mehr als zwei Mitgliedern mindestens eine Frau und mindestens ein Mann vertreten sein.

Diversität als harter Faktor für Einstellungen

"Wir liegen weiterhin unterhalb der gesetzlichen Zielvorgaben und schneiden im Vergleich zu den DAX-Unternehmen im öffentlichen Sektor noch schlechter ab", wird Stephanie Boeker, Leiterin Geschäftsbereich Führungskräfteentwicklung und Partnerin beim Zentrum für Management- und Personalberatung im Vorwort der Studie zitiert. "Sollten wir uns in den nächsten Jahren im gleichen Tempo weiterentwickeln, werden wir mindestens weitere 15 Jahre benötigen, um annähernd die gesetzlichen Vorgaben zu erreichen", warnt sie.

Wir dürfen nicht müde werden, auch wenn die Zahlen stagnieren.

Stephanie Boeker

Für den Erfolg in den Organisationen brauche es zudem diverse Top-Management-Teams, um insbesondere moderne Führungskulturen zu entwickeln und Innovationen voranzutreiben. Diese weichen Faktoren würden nicht nur bei der Auswahl von Top-Führungskräften zu harten Faktoren, sondern auch bei der Entwicklung moderner Führungskulturen berücksichtigt. "Wir dürfen nicht müde werden, auch wenn die Zahlen stagnieren, das Thema der Repräsentation von Frauen in Top-Managementpositionen mit voller Kraft zu bearbeiten", appelliert Boeker.

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