Azubis erwarten vor allem eins: einen schnellen und einfachen Prozess ohne lange Formulare oder Wartezeiten, davon sind die Stadtwerke Düsseldorf überzeugt.

Azubis erwarten vor allem eins: einen schnellen und einfachen Prozess ohne lange Formulare oder Wartezeiten, davon sind die Stadtwerke Düsseldorf überzeugt.

Bild: © Claudia_Paulussen/Adobe_Stock

Im ZfK-Interview erklärt Carsten Pitschke, Leiter Personal bei den Stadtwerken Düsseldorf, warum Bewerbungsgespräche beim Joggen, Tretbootfahren, Tischtennis oder Darts nicht nur Spaß machen, sondern auch Bewegung in den Auswahlprozess bringen. Vor allem aber helfen sie dabei, das echte Potenzial der Bewerberinnen und Bewerber besser zu erkennen.

Carsten Pitschke ist Leiter Personal bei den Stadtwerken Düsseldorf.Bild: © Sabrina Weniger

Herr Pitschke, was macht gerade eine Taxifahrt zu einem guten Bewerbungsgesprächs-Setting?

Mit unseren Kampagnen wollen wir vor allem eins: raus aus der klassischen Bewerbungs-Situation und rein in eine entspannte und damit auch authentischere Atmosphäre. Uns ist es wichtig, Menschen auf Augenhöhe kennenzulernen – und dafür braucht es manchmal eben kreative Ideen. Die Taxifahrt war für uns eine ideale Möglichkeit, genau das umzusetzen. Man sitzt nicht steif am Tisch, sondern erlebt gemeinsam etwas – das macht das Gespräch oft natürlicher und offener.

Wie genau lief das ab?

Wir haben die Bewerber:innen direkt zu Hause abgeholt und sind mit ihnen durch  Düsseldorf gefahren – vorbei an Orten, die auch für uns als Unternehmen wichtig sind, wie zum Beispiel unserem Kraftwerk Lausward oder einem unserer Wasserwerke. So konnten wir direkt über unsere Arbeit und unseren Alltag berichten. Gleichzeitig hatten wir viel Zeit für persönliche Gespräche, um die Kandidat:innen besser kennenzulernen.

Am Ende der Tour haben wir unser modernes Ausbildungszentrum besucht, was für viele nochmal ein echtes Highlight war. Dort konnten wir konkret zeigen, wo die Ausbildung bei uns stattfindet und auch mit einigen Azubis und Ausbilder:innen ins Gespräch kommen. Danach ging es für die Teilnehmenden bequem zurück nach Hause – ein Service, den wir dann im Arbeitsalltag auf diesem Level trotz zahlreicher Benefits natürlich nicht bieten können … 

Sie sagen, junge Menschen wollen heute anders angesprochen werden?

Klassische Bewerbungsgespräche sind für viele junge Menschen oft sehr stressig. Die Nervosität und der Druck, sich perfekt zu präsentieren, verhindern häufig, dass sie ihre Persönlichkeit und damit auch ihr Potenzial zeigen können. Deshalb setzen wir auf unkomplizierte und niedrigschwellige Formate, die den Einstieg erleichtern.

Heutzutage erwarten Bewerber:innen vor allem eins: einen schnellen und einfachen Prozess ohne lange Formulare oder Wartezeiten. Sonst springen viele wieder ab. Darum verzichten wir bei unseren Kampagnen im ersten Schritt auf Lebensläufe und Zeugnisse. Uns interessiert vor allem der Mensch: Was motiviert ihn? Warum will er zu uns? Ein kurzer Text mit Kontaktdaten reicht uns dafür. Den Rest kann man dann immer noch nachreichen, wenn "der Funke übergesprungen ist". So wird der Prozess persönlicher, schneller und angenehmer – und kommt einfach sehr gut an.

Welche weiteren Aktionen gab es bereits? Wie entstanden die Ideen?

In den vergangenen Jahren haben wir eine ganze Reihe kreativer Recruiting-Kampagnen umgesetzt – immer mit dem Ziel, junge Menschen dort abzuholen, wo sie stehen (oder besser: sich bewegen), und sie in einem authentischen Rahmen kennenzulernen. Ob Joggen, Tretbootfahren, Tischtennis oder Darts – wir setzen bewusst auf Formate, die Spaß machen, Bewegung reinbringen und den klassischen Bewerbungsprozess auflockern. Selbst während der Corona-Zeit sind wir flexibel geblieben und haben eine Gaming-Kampagne aufgesetzt, die komplett online beziehungsweise per Video lief.

Die Ideen dafür entstehen in einem interdisziplinären Team aus HR, Unternehmenskommunikation und (Online-)Marketing. Hier bringen alle ihre Perspektiven ein – immer mit Blick auf unsere Zielgruppe und die Frage: Wie erreichen wir junge Talente heute wirklich? So entwickeln wir Formate, die auffallen, neugierig machen und dabei gleichzeitig zeigen, wer wir als Arbeitgeber sind.

Waren zum Beispiel beim Joggen vertiefte Bewerbungsgespräche tatsächlich möglich?

Absolut – Bewerbungsgespräche beim Joggen funktionieren überraschend gut. Schon die erste Begegnung ist ganz ungezwungen: Man trifft sich in Sportkleidung, es entsteht schnell ein lockerer Smalltalk, und die erste Nervosität fällt von allein ab, noch bevor man überhaupt losläuft.

Beim Joggen selbst geht es natürlich nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern darum, sich in Bewegung kennenzulernen – ganz ohne Druck. Das gemeinsame Laufen schafft eine entspannte Atmosphäre, in der Kennenlernen oft viel authentischer möglich ist als im klassischen Bewerbungsgespräch.

Im Anschluss an die Runde hatten wir einen kleinen Stand mit Getränken und Snacks aufgebaut. Dort blieb genug Zeit für vertiefende Gespräche – zum Beispiel mit unseren Ausbilder:innen oder auch mit aktuellen Azubis, die bei den Aktionen immer dabei sind und wertvolle Einblicke geben. So entsteht ein runder, offener Austausch auf Augenhöhe.

Welche Rückmeldungen haben Sie von den Bewerbenden erhalten?

Die Rückmeldungen, die wir bekommen, sind durchweg positiv. Viele der Teilnehmenden erzählen, dass sie sich schnell wohlgefühlt haben und vor allem Spaß an der Aktion hatten – was bei einem Bewerbungsgespräch ja nicht selbstverständlich ist.

Oft hören wir, dass sie anfangs gar nicht genau wussten, was auf sie zukommt, weil sie so ein Format noch von keinem anderen Unternehmen kannten. Umso größer ist dann die Überraschung – im besten Sinne. Viele sind richtig begeistert davon, wie locker und menschlich der Austausch bei uns abläuft.

Was im Feedback besonders häufig hervorgehoben wird, ist die angenehme Atmosphäre und das Gefühl, einfach man selbst sein zu dürfen. Dass bei uns nicht die Schulnoten oder perfekte Bewerbungsunterlagen im Vordergrund stehen, sondern der Mensch, seine Interessen und seine Motivation, wird sehr geschätzt – das merken wir in jeder Rückmeldung. Und: Das Kennenlernen ist bei diesen Aktionen keine Einbahnstraße, sondern beruht auf Gegenseitigkeit, was schon direkt zu Beginn Vertrauen schafft.

Gab es eine messbare Erfolgsquote?

Ja, unsere Kampagnen zeigen definitiv Wirkung. Mit jeder Aktion konnten wir neue Auszubildende gewinnen und auch einstellen – das ist für uns ein klarer Erfolg. Aber nicht nur das: Auch die Zahl der Bewerbungen über den klassischen Weg steigt während der Kampagnenphasen deutlich an.

Wir glauben, das liegt daran, dass wir durch die Kampagnen als Arbeitgeber sichtbarer werden. Viele junge Menschen werden neugierig – und auch wenn sie sich dann doch lieber ganz klassisch bewerben, ist das für uns absolut in Ordnung.

Unser Ziel ist es nicht, einen einzigen "richtigen" Bewerbungsweg vorzugeben, sondern möglichst viele Zugänge zu schaffen. Denn am Ende geht es uns darum, junge Talente dort zu erreichen, wo sie stehen oder laufen – und ihnen den Einstieg bei uns so einfach wie möglich zu machen.

Planen Sie, im nächsten Jahr erneut auf diese Weise zu rekrutieren?

Auf jeden Fall! Unser Projektteam arbeitet bereits an der nächsten Kampagne für 2026. Die ersten Ideen werden gerade entwickelt. Wie genau das Ganze am Ende aussehen wird, verraten wir dann im Spätsommer oder Herbst.

Das Interview führte Boris Schlizio

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