Die Stadtwerke Ahrensburg in der Metropolregion Hamburg bekommen eine neue Geschäftsführung. Die Entscheidung muss sehr kurzfristig gefallen sein, die Überraschung in der Belegschaft war laut ZFK-Informationen groß. Gestern (30. Juni) teilte der Kommunalversorger in einer Pressemitteilung mit, dass sich der Aufsichtsrat der Stadtwerke und die langjährige Geschäftsführerin Julia Fest einvernehmlich entschieden haben, die Zusammenarbeit per sofort zu beenden.
Als ihr Nachfolger soll am 1. Juli Elmar Burgard vorgestellt werden. Die ausgebildete Bankkaufrau und Steuerberaterin Julia Fest war seit Juli 2018 für die Stadtwerke Ahrensburg tätig, im Mai 2019 übernahm sie die Geschäftsführung. Nach Übernahme des Betriebs für das defizitäre Freizeitbad Badlantic von der Stadt im Sommer 2020 leitet sie auch den Bäderbetrieb. Ihr Vertrag war erst vor einiger Zeit verlängert worden und wäre noch rund drei Jahre gelaufen.
Vollständig ausgebautes Glasfasernetz auf dem Prüfstand
Gründe für die Trennung wurden offiziell von Seiten der Stadtwerke Ahrensburg nicht genannt. Das Hamburger Abendblatt hatte vor einigen Wochen über "ernsthafte Liquiditätsprobleme" der Stadtwerke Ahrensburg berichtet. Die Stadt wird deshalb das zu 100 Prozent kommunale Unternehmen mit einer Bürgschaft in Höhe rund 5,8 Millionen Euro unterstützen.
Mehrere Banken hätten Kreditzusagen zurückgenommen und neue Kredite an konkrete Bedingungen geknüpft. Unter anderem wird von den Banken und dem Aufsichtsrat ein Konzept gefordert, wie das flächendeckend ausgebaute Glasfasernetz künftig wirtschaftlich betrieben werden kann, auch ein Verkauf oder eine Verpachtung wird diskutiert. Die Geschäftsführung hatte zudem in den vergangenen Monaten gefordert, dass die Stadt wieder den Verlustausgleich für das Freizeitbad übernimmt.
Das Glasfasernetz ist laut den Stadtwerken bei 70 Prozent der rund 12000 Wohneinheiten verlegt (Homes passed), 24 Prozent der Haushalte sind aktiviert, die Anschlussquote ist mit sechs Prozent aber noch relativ niedrig. Die Sparte schreibt deshalb offenbar immer noch Verluste.
Unternehmen schreibt offenbar rote Zahlen in 2025
Die Stadtwerke Ahrensburg haben in der Amtszeit von Julia Fest rund 31 Millionen Euro investiert und stehen vor einer 30 Millionen Euro teuren Investition in ein großes Wärmewendeprojekt in Reeshop. Die Jahresbilanz der Stadtwerke für 2025 ist noch nicht veröffentlicht, die Lokalpresse geht aber von einem Defizit aus.
Seit Mai 2024 errichten die Stadtwerke in Reeshop ein neues Fernwärmenetz mit rund drei Kilometer Hauptleitungstrasse. Ab Ende nächsten Jahres sollen über das Netz 18 Gigawattstunden klimaneutrale Wärme bereitgestellt werden. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll bei mindestens 90 Prozent liegen. Wärmequellen sind unter anderem Abwasserwärme aus einer Kläranlage sowie ergänzende Luftwärmepumpen für die Spitzenlast.
Deutliches Wachstum, Übernahme des defizitären Freizeitbades
Ungewöhnlich an der Personalie ist der abrupte Abgang der Geschäftsführerin und die nahtlose Neubestellung eines Nachfolgers. Der Leistungsnachweis bis 2024 liest sich oberflächlich sehr erfolgreich. Für die Banken wichtige Finanzkennziffern wurden deutlich verbessert, in den Jahren 2022 bis 2024 gab es Rekordergebnisse - vor allem durch Erfolge in der Energiebeschaffung.
Der Umsatz belief sich 2025 auf 41,3 Millionen Euro (2019: 24,8 Millionen), die Bilanzsumme auf 58 Millionen Euro (2019: 39 Mio.), die Mitarbeiterzahl hat sich mehr als verdoppelt auf 73 (2019: 33). Bei all diesen Kennziffern dürfte auch die Übernahme des Freizeitbades Badlantic von der Stadt in 2020 eine Rolle gespielt haben. Die Kundenzahl des reinen Gasgrundversorgers liegt mittlerweile bei 20000 (2019: 15000). Die Eigenkapitalquote war bis 2025 von 28 auf 43 Prozent gestiegen und der Verschuldungsgrad hat sich mehr als halbiert auf mittlerweile 26 Prozent.
Reiner Gas-Grundversorger, Stromnetzübernahme als Ziel
Die Stadtwerke Ahrensburg sind als reiner Gas-Grundversorger und Gasnetzbetreiber besonders stark vom Gasgeschäft abhängig. Stabile regulierte Erträge aus dem Stromnetzbetrieb fallen nicht an. Perspektivisch soll das Stromnetz übernommen werden, nachdem man hier den Zuschlag erhalten hatte. Der geplante Um- und Ausbau der Fernwärmeversorgung spielt für die künftige strategische Ausrichtung und als Kompensation für das perspektivisch kleiner werdende Gasgeschäft eine zentrale Rolle.
Im Rahmen der Strategie "Vision 2040" hat das kommunale Unternehmen für sich zentrale Ziele festgelegt. Neben der Dekarbonisierung sind dies die Transformation der Gasinfrastruktur-Kompetenzen, die operative Effizienz, die Rentabilität durch Marktführerschaft in Fokussegmenten sowie die Erweiterung des Produktportfolios mit Fokus Wärme/Energiedienstleistungen. Das klingt eigentlich nach einem strategisch klaren Fokus. Es wird sich zeigen müssen, ob die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens und die finanziellen Möglichkeiten der Stadt ausreichen werden, um diese Transformation und die damit verbundenen Investitionen aus eigener Kraft zu stemmen.