Blick zurück (von links): Interimsgeschäftsführer Falk-Wilhelm Schulz, der damals künftige Geschäftsführer Peter Oswald, Oberbürgermeister Marcus Ehm und Ortsvorsteher Anton Fetscher

Blick zurück (von links): Interimsgeschäftsführer Falk-Wilhelm Schulz, der damals künftige Geschäftsführer Peter Oswald, Oberbürgermeister Marcus Ehm und Ortsvorsteher Anton Fetscher

Bild: © Stadtwerke Sigmaringen

Nach nur zwei Monaten hatte sich das baden-württembergische Sigmaringen von seinem neuen Stadtwerkechef, Peter Oswald, getrennt. Nach anfänglichem Schweigen äußerte sich der Bürgermeister der Stadt Sigmaringen Marcus Ehm in der "Schwäbischen Zeitung". Die ZFK hat die Beteiligten nach weiteren Details gefragt; denn der Konflikt, der beschrieben wird, ist einer, vor dem viele Stadtwerke-Chefs stehen: Eine angespannte finanzielle Lage trifft auf hohe Investitionskosten für die Energiewende.

Wärmewende mit klammem Geldbeutel

Für Sigmaringen ist das erste große Energiewendethema die Wärmewende. "Die landesrechtliche Vorschrift zur Abkehr von den fossilen Brennstoffen bis 2040 hat die Stadt umzusetzen", erklärt Ehm. "Daher sind wir in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken bereits seit 2018 unterwegs mit der Heizzentrale "Energiequartier Sigmaringen" sowie dem sukzessiven Ausbau der Wärmenetze im Stadtgebiet, um diese Zielvorgabe umzusetzen", sagt der CDU-Politiker.

Ein Problem sei allerdings in der verzögerten Wirtschaftlichkeit der Nahwärmenetze zu sehen, gibt er zu. "Ohne Drittmittel beziehungsweise Förderung durch den Staat müssen die Kommunen hier in Vorleistung gehen." Dies sei im Lichte der Unterdeckung der kommunalen Haushalte eine Herausforderung, die auch Sigmaringen zukünftig treffen werde.

In der Umsetzung wurde diese Hilfestellung zur nahtlosen Überleitung nicht angenommen.

Marcus Ehm, Bürgermeister

"Die vom Interimsgeschäftsführer Falk-Wilhelm Schulz auf den Weg gebrachten Projekte sollten nahtlos fortgeführt werden", berichtet Ehm. Es sei ein Volumen von rund 70 Millionen Euro umzusetzen. "Herr Oswald hat diese Vorgaben zu zaghaft und in niedriger Priorität bearbeitet." Aufgrund des bekannten (vertrieblichen) Profils von Herrn Oswald hatte das Stadtwerk ein intensives Einarbeitungsprogramm vorbereitet, um ihn in die neuen Bereiche vertieft einzuarbeiten. "In der Umsetzung wurde diese Hilfestellung zur nahtlosen Überleitung nicht angenommen", urteilt Ehm. Neben Differenzen zwischen Geschäftsführer und Aufsichtsrat über die strategische Ausrichtung der Stadtwerke klingt hier durch, dass es auch persönlich nicht gepasst hat.

"Wir haben ein ambitioniertes Programm: Wir schalten vom Krisenmodus in die Energiewende", erklärt auch Interimsgeschäftsführer Schulz. "Wir haben eben ein Klimaschutzgesetz und an das müssen wir uns halten." Er ist von der Wärmewende mit dem Nahwärmenetz überzeugt: "In den ersten Ausbaugebieten haben wir eine Anschlussquote von 80 Prozent."

Ich habe meine Aufgaben als Geschäftsführer stets ordnungsgemäß wahrgenommen.

Peter Oswald, Manager

Auf Anfrage der ZFK erklärte Oswald, er habe gegen die Kündigung Klage auf Feststellung ihrer Unwirksamkeit eingereicht. "Aufgrund des laufenden Verfahrens äußere ich mich nicht zu Einzelheiten und bitte dafür um Verständnis", so der Manager. "Folgendes möchte ich aber klarstellen: Ich habe meine Aufgaben als Geschäftsführer stets ordnungsgemäß wahrgenommen und keine Pflichtverletzungen zu verantworten." Dies habe Ehm auch gegenüber der "Schwäbischen Zeitung" ausdrücklich bestätigt. "Nach seiner eigenen Darstellung beruht die Trennung auf unterschiedlichen Auffassungen über die strategische Ausrichtung des Unternehmens."

In demselben Artikel werden laut Oswald jedoch auch Inhalte aus einem vertraulichen Gespräch zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden und ihm wiedergegeben, die verkürzt und aus dem Zusammenhang gelöst sind. "Ich selbst werde vertrauliche Gespräche nicht öffentlich kommentieren. Schlussfolgerungen, die daraus auf meine Person oder meine Eignung gezogen werden, weise ich entschieden zurück." Auch wenn es wenig von Oswald selbst zu seiner Ehrenrettung zu hören gibt, spricht für den Manager, dass er für die neue Aufgabe mit seiner Familie nach Sigmaringen gezogen war wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren war.

Schwierige Historie in Sigmaringen

Falk-Wilhelm Schulz hatte die Leitung der Stadtwerke Sigmaringen vor knapp zwei Jahren in einer schwierigen Phase übernommen und wieder in ein ruhigeres Fahrwasser geführt. Der Kommunalversorger hatte infolge der jüngsten Energiekrise hohe Verluste im Vertrieb gemacht und rote Zahlen geschrieben. Da Schulz aber nur als Interimsmanager zur Verfügung steht, hatten die Stadtwerke sich auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht.

Derzeit verhandeln die beiden Parteien, Stadtwerke und Oswald, über einen Aufhebungsvertrag. Sollte es zu keiner Einigung und so zu einem Gerichtsprozess kommen, wäre es der zweite Geschäftsführer, mit dem es derzeit eine gerichtliche Auseinandersetzung gibt. Aktuell läuft gegen Schulz' Vorgänger Markus Seeger ein zivilrechtliches Schadensersatzverfahren. Die Stadtwerke verlangen von Seeger knapp 16 Millionen Euro wegen angeblicher Pflichtverletzungen im Energiehandel während der Energiekrise.

Schulz hat seinen Vertrag mit den Stadtwerken als Interimsgeschäftsführer derweil um ein Jahr verlängert, sei aber bereit, früher zu gehen, sofern sich ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin findet. Er ist zuversichtlich: "An den Aufgaben mangelt es nicht, es ist total spannend und wir haben eine ganz hervorragende Zusammenarbeit mit der Stadt."

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