Die Leadership-Studie, die aktuell im Rahmen der Initiative "CEO der Zukunft" erstellt wird, versteht sich als ganzheitlichen Blick auf die Branche und garantiert eine enge Verzahnung von Praxis und Wissenschaft.
"Wir stehen an einem besonderen Punkt, an dem das Thema Leadership in der Stadtwerke-Welt eine völlig neue Bedeutung angenommen hat", erklärt Jens Meier, CEO der Stadtwerke-Lübeck-Gruppe und Gründer von "CEO der Zukunft". Transformationsaufgaben und ein grundlegender Generationenwechsel kreieren ein besonderes Momentum, sagt er: "Einerseits merkt die Branche, wie viel wir eigentlich bewirken können, wenn wir zusammenarbeiten – kollegial und ohne Scheuklappen. Zum anderen zeigt sich, dass Leadership und strategische Personalarbeit zur echten Schlüsselfrage für die Zukunftsfähigkeit von Stadtwerken werden."
Die enorme Nachfrage beim Cross-Mentoring-Programm habe demonstriert, dass man Akzente setzen und innerhalb sowie auch außerhalb der Branche viel Aufmerksamkeit generieren könne, erklärt Meier. "Der nächste Schritt ist, eine gewisse Strukturierung und Systematisierung in das Thema zu bringen", um einen Leitfaden zu schaffen, mit dessen Hilfe sich die kommunale Welt bei der Führungskräfteentwicklung professionalisieren könne.
Enge Verzahnung von Wissenschaft und Praxis
Geschehen soll dies evidenzbasiert, um ein belastbares Instrumentarium zu schaffen, das allen in der Branche zugutekommt.
Die wissenschaftliche Leitung und Methodik des Projekts obliegt Heike Bruch, Direktorin des Instituts für Leadership und Personalmanagement der Universität St. Gallen, gemeinsam mit Mara Jordan und Julius Wilke. Unter dem Vorsitz von Charlotte Beissel, Personalvorständin bei Energie Baden-Württemberg (EnBW), wird das Projekt von einem Lenkungskreis aus sieben Stadtwerken begleitet, um Praxisnähe und somit Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten.

Letztere sagt: "Der Praxisbezug stellt sicher, dass wir die unterschiedlichen Anforderungen und Größenordnungen der Unternehmen berücksichtigen können. Gleichzeitig eint uns, dass wir alle den gleichen Unternehmenszweck haben und uns mit denselben Branchenherausforderungen auseinandersetzen. Geschäftsführungen von Stadtwerken agieren in einem Umfeld volatiler Rahmenbedingungen und müssen ständig den Ausgleich zwischen Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit finden. Gutes Leadership ist dafür entscheidend."
Vergleichswerte zu anderen Branchen
Als praxiserfahrene Leadership-Professorin kann Bruch auch Vergleiche zu anderen Branchen ziehen. Ein wichtiger Punkt.
"Was Erkenntnisse zu moderner Führung besonders wertvoll macht, ist, dass man nicht nur den Branchenfokus hat. Denn bezogen auf Leadership-Nachwuchs und andere Talente konkurriert man mit anderen Branchen", betont Bruch. Gleichzeitig erlaube es der Fokus auf Kommunalversorger, Synergien zu schaffen.
"Wenn sich eine ganze Branche auf den Weg macht, und das sehr früh, dann kann man Pioniervorteile realisieren. Eine große Chance liegt darin, dass man sich früher austauscht, sich den gemeinsamen Herausforderungen stellt und frühzeitig in Leadershipentwicklung, künftige Skills und die Attraktivität der Brache investiert. Die Studie soll dies beschleunigen und Evidenz bereitstellen, damit die Führung der Zukunft wirksam gefördert wird", sagt sie.

Der Zauber liegt darin, dass die Studie uns als Branche Tempo verschafft. Wenn jede Geschäftsführung einzeln auf die Idee kommt, dass man etwas tun muss, dann dauert es viel zu lange.
Charlotte Beissel
Personalvorständin bei Energie Baden-Württemberg (EnBW)
Die Gemeinsamkeiten von öffentlichen Organisationen oder Kommunalwirtschaft im Vergleich zur Privatwirtschaft seien insgesamt aber viel größer als die Unterschiede.
Umso wichtiger ist der Kooperationsgedanke. Denn, so betont Beissel, bei rund 1500 kommunalen Energieversorgern in Deutschland herrschen Unterschiede in der Größe und im Handlungsspielraum. Einige Unternehmen hätten mehr Ressourcen, in Leadership-Programme zu investieren, könnten Ungewissheiten somit perspektivisch besser managen. Aus diesem Umstand ergäben sich zudem unterschiedliche Standards bei der Ausbildung von Führungskräften.
"Da ist es natürlich ein großer Mehrwert, wenn vorhandenes Wissen geteilt werden kann", sagt Beissel. "Der Zauber liegt darin, dass die Studie uns als Branche Tempo verschafft. Wenn jede Geschäftsführung einzeln auf die Idee kommt, dass man etwas tun muss, dann dauert es viel zu lange."
Aufbau der Studie
Die Studie selbst ist in drei Schritte unterteilt.
In der qualitativen Phase wurden zunächst drei unterschiedliche Personengruppen zu den Besonderheiten der Branche befragt: Das Topmanagement zu Herausforderungen, strategischer Führung, Zukunftsthemen wie KI oder entscheidende Transformationen; Personalverantwortliche zu bestehenden Förderungsinitiativen, Challenges und ihre Sicht auf Leadership-Nachwuchs sowie Nachwuchskräfte zu ihrer Wahrnehmung des Topmanagements, zur erlebten Förderung von Führung und dem Interesse an Führungspositionen.

Auf Basis dieser Bestandsanalyse wurden drei Fragebögen erstellt.
In der quantitativen Erhebungsphase geht es dann um die großläufige Befragung deutscher Stadtwerke, bei der man sich nachdrücklich eine breite Beteiligung wünscht.
Breitflächige Beteiligung der Branche wichtig
Ab dem 21. Juli sind kommunale Unternehmen aller Größenordnungen eingeladen, sich für die Umfrage zu registrieren. Ab August erhalten Sie dann die Unterlagen für die Teilnahme. Damit die Umfrage realistisch und zeitlich machbar bleibt, wurden Fragebögen erstellt, die in 10-15 Minuten ausgefüllt werden können. Der Link zur Befragung ist hier erreichbar.
Beissel: "Wir möchten ein möglichst repräsentatives Bild aus der Branche generieren, um daraus dann Ableitungen für Best Practice und Status quo in der Branche treffen zu können. Wir ermutigen daher alle Stadtwerke, dabei mitzumachen."
Von der Branche, für die Branche
In der dritten und letzten Phase werden die Ergebnisse und ihre Implikationen für die Praxis ausgewertet. Zentral geht es um die Spezifizierung, was Leadership der Zukunft in der Branche ausmacht und wie sich Leadership Development heute darstellt beziehungsweise sich verändern sollte, um Führung gezielt zu fördern.
Daraus sollen konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet und ein Leitfaden für die Praxis entwickelt werden.
Neben einem Gesamtbericht soll es auch konkrete vertiefende Ergebnisse und Praxisempfehlungen geben, die Anfang des kommenden Jahres vorgestellt werden.
Die strukturierte Aufarbeitung des Führungsthemas erlaube Flexibilität beim Navigieren künftiger Herausforderungen, betont Beissel. "Diese Studie schafft Transparenz und Klarheit."
Insbesondere begrüßt sie, dabei auch das HR-Softwareunternehmen Personio und den Verband kommunaler Unternehmen (VKU) als Partner und "entscheidende Plattform für die Skalierung der Ergebnisse" an Bord zu wissen.
