"Welche Rolle spiele ich eigentlich bei der Neuausrichtung der Stadtwerke?" Aus Sicht von Maik Landwehr, Chef der Stadtwerke Rüsselsheim, ist dies eine Frage von vielen im Transformationsprozess, die sich jeder Mitarbeitende stellen sollte. Der Stadtwerkechef berichtet der ZFK über das wichtigste Learning aus der Transformation des kommunalen Unternehmens: Alle Mitarbeitenden sollten wissen, was im Unternehmen passiert und welche Veränderungen das mit sich bringen wird. Kommunikation sei das A und O: nach innen ins Unternehmen, aber auch nach außen mit den Kunden.
Transformation begann 2024
2024 wurde Landwehr Chef der Stadtwerke Rüsselsheim und begann eine Neuorganisation des ganzen Unternehmens. "Früher waren Mitarbeiter oft in Aufgabenfeldern tätig, die nicht zu ihrer eigentlichen Expertise passten", berichtete Landwehr einmal über das Transformationsprojekt. "Ein Heizungsbauer übernahm nicht nur Installationen, sondern auch IT-Aufgaben wie die Verwaltung von Servern." Das habe zu Überlastung und Unzufriedenheit geführt.
Es hätten sich viele dieser Themen verselbstständigt, ohne dass sie zentral aus unternehmerischer Perspektive betrachtet wurden. "Das war damals sicher sinnvoll, aber in Zukunft müssen wir den Overhead reduzieren und die laufenden Kosten und die zukünftigen Investitionen gezielt steuern", sagte Landwehr. So wurden aus sechs Bereichen acht mit spezifischen Spezialisierungen.
Format zum Austausch geschaffen
Um die Mitarbeitenden auf dem Weg mitzunehmen und die Zukunft der Stadtwerke erfolgreich zu gestalten, setzt die Geschäftsführung aktuell auf Informationsveranstaltungen unter dem Motto: "Transformation gelingt nicht durch Folien, sondern durch Menschen, die sie gemeinsam gestalten." Die Teilnahme ist freiwillig, die Resonanz positiv, wie man auf der Internetplattform Linkedin lesen kann. Teambildung wird groß geschrieben. Dabei geht es nicht nur um die Einstellung "wir sitzen alle in einem Boot", sondern dass jeder weiß, wo sich gerade im Unternehmen etwas ändert, welche Auswirkungen das auf die eigene Abteilung hat und wer von den Kollegen an welcher Stelle Verantwortung übernimmt.
Bereits bei seinem Amtsantritt hatte Landwehr weitreichende Umstrukturierungen im Unternehmen angekündigt und viele schon innerhalb eines Jahres umgesetzt. Aktuell steht die Kommunikation im Mittelpunkt. Wo steht das Unternehmen heute und wohin soll es gehen? Wo liegen die größten Herausforderungen? Und wer ist verantwortlich für was? Die letzte Veranstaltung im Sommer stand deshalb im Zeichen eines interaktiven Kennenlernformats, es sei wichtig, über Bereichsgrenzen hinweg miteinander ins Gespräch zu kommen, sagt Landwehr.
Kommunikation auch nach außen
Kommunikation ist für den Stadtwerke-Chef nicht nur innerhalb des Unternehmens der Schlüssel für Vertrauen, sondern auch im Umgang mit Kunden und der Öffentlichkeit allgemein. Er appelliert an seine Teams, gerade auch in problematischen Situationen offen zu sein. Als Beispiel nannte er den Stromausfall Ende Juni in Rüsselsheim, als rund 2000 Haushalte über Stunden ohne Strom waren. "Ein Stromausfall ist nichts, worüber man als Geschäftsführer eines Netzbetreibers gerne spricht. Aber genau deshalb muss man darüber reden", so Landwehr.
Bei einer Veranstaltung "Stadtwerke im Dialog" hat die Geschäftsführung zwei Monate später ausführlich dargestellt, "was passiert ist, was wir daraus gelernt haben und was wir jetzt verändern". Vor Ort und im Livestream haben Bürgerinnen und Bürger die Veranstaltung verfolgt. Den Mitarbeitenden sagte Landwehr dazu: "Das große Interesse zeigt mir: Menschen erwarten nicht, dass Infrastruktur unfehlbar ist. Sie erwarten, dass wir Verantwortung übernehmen und nachvollziehbar erklären, was wir tun."
