Gibt es viel Praxis? Bevor sie sich bewerben, wollen viele Jugendliche wissen, wie der Ausbildungsalltag aussieht. (Symbolbild)

Gibt es viel Praxis? Bevor sie sich bewerben, wollen viele Jugendliche wissen, wie der Ausbildungsalltag aussieht. (Symbolbild)

Bild: © Atelier 211/AdobeStock

Woran erkennt man eigentlich eine gute Ausbildung? Nicht nur an guten Prüfungsnoten. Sie zeigt sich oft erst Jahre später. "Wenn ehemalige Auszubildende ihrem Unternehmen treu bleiben, sich weiterentwickeln und vielleicht sogar selbst Verantwortung für den Nachwuchs übernehmen, spricht das für eine Ausbildung, die nachhaltig wirkt", sagt Dirk Werner, Leiter Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte des Instituts der Wirtschaft (IW) in Köln.

Unternehmen wollen Bewerber besser ansprechen

Das Institut hat 2019 das "Netzwerk Q" zusammen mit 13 Partnern aus der Wirtschaft gegründet, um Führungskräfte und Personalverantwortliche bei der Ansprache potenzieller Bewerber und deren Ausbildung praxisnah zu unterstützen. Die Nachfrage kommunaler Energieunternehmen nach neuesten Handlungsempfehlungen auf der Grundlage von Wirtschaftsexperten und neuen Studien steige kontinuierlich, berichtet Werner. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Fachkräftemangels und gewaltiger Herausforderungen im Zuge der Energiewende seien Impulse von Experten, die Ausbildungsverantwortliche bei den unterschiedlichen Phasen der Auswahlprozesse und Ausbildung praxisorientiert begleiten, zunehmend wertvoll.

Angeboten werden vom Netzwerk Q – teilweise kostenfreie – Schulungsmaßnahmen: Inhouse-Veranstaltungen, Webinare und Vortragsveranstaltungen. In der Zusammenarbeit mit kommunalen Energieversorgern steht zu Beginn eine Bestandsaufnahme, sozusagen ein Selbst-Check, bei dem sich die Personalverantwortlichen des Unternehmens Fragen stellen wie: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Worauf kommt es bei künftigen Fachkräften an?

Der erste Kontakt entscheidet

Eine der jüngsten Studien der Bertelsmann-Stiftung in Kooperation mit dem Netzwerk Q hat deutlich gemacht, dass bereits oft der erste Kontakt darüber entscheidet, ob sich junge Menschen für eine Ausbildung im kommunalen Unternehmen interessieren. Deshalb sollten Inhalte nicht nur informieren, sondern auch emotional ansprechen und die Vorteile einer Ausbildung in einem Unternehmen, das Daseinsvorsorge betreibt, klar vermitteln.

"Jugendliche wollen wissen, wie die Ausbildung tatsächlich aussieht. Dazu gehört, welche Aufgaben sie erwarten, wie der Arbeitsalltag abläuft und welche Perspektiven sich nach der Ausbildung eröffnen." Wichtige Kriterien seien auch Gehalt und Entwicklungsmöglichkeiten. "Vier von zehn Unternehmen geben die Ausbildungsvergütung nicht vor einem Bewerbungsgespräch an", heißt es in der Studie. Und auch, dass nur knapp die Hälfte der Betriebe darüber informiert, wie das Bewerbungsverfahren konkret abläuft.

Ein wichtiges Attraktivitätsmerkmal einer Ausbildungsstelle ist für knapp 97 Prozent der Jugendlichen ein gutes Betriebsklima. Darüber hinaus wollen junge Menschen vor allem nach der Ausbildung gut verdienen und übernommen werden. Besonders interessant sei, dass obwohl fast alle Unternehmen meinen, einfache Bewerbungsverfahren zu bieten, nur weniger als die Hälfte darüber informiert. "Dabei macht ein einfaches Bewerbungsverfahren für gut 80 Prozent der jungen Menschen einen Ausbildungsplatz attraktiv", heißt es weiter in der Studie.

Handlungsempfehlung: Zielgruppen kennen

Werner hält auf Seiten der Unternehmen angesichts der gestiegenen Vielfalt der Auszubildenden zielgruppenspezifisches Ausbildungsmarketing für wichtig. "Die unterschiedlichen Zielgruppen lassen sich nur dann erschließen, wenn sie passend angesprochen werden." Daneben sei es zunehmend wichtig, Jugendlichen zu verdeutlichen, wie wichtig eine Berufsausbildung für ihren weiteren Lebensweg ist. Zudem sollten sie ermutigt werden, im Vorfeld einer Bewerbung aktiv nachzufragen und sich die Informationen zu holen, die sie benötigen.

Dirk Werner vom IW

Unternehmen werden zunehmend flexibler im Hinblick auf die geforderten Qualifikationen.

Dirk Werner

Leiter Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte des Instituts der Wirtschaft

"Begleiten und binden" sollte der Leitgedanke nach einem gelungenen Onboarding sein. "Dazu zählen eine gute Integration ins Team, feste Ansprechpersonen und regelmäßige Feedbackgespräche. "Wichtig sind dabei Kommunikation auf Augenhöhe und strukturierte Rückmeldungen."

Mit dem Netzwerk Q durch das Ausbildungsjahr

Eventreihe

Das Netzwerk Q (Q steht für Qualität) begleitet interessierte Stadtwerke und andere Unternehmen im Rahmen ihres Bewerbungsmarketings ein Jahr lang bei Events, bei denen künftige Ausbilder und Jugendliche aufeinander treffen und Best-Practice-Einblicke erhalten. In den Workshops arbeiten die Auszubildenden an konkreten Fragen aus dem Ausbildungsalltag. Mehr hier.

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