ZFK-Redakteur Artjom Maksimenko (li.), Liana Weismüller (2.v.li.), Christina Schranner (2.v.re.) und Mandy Hintzsch bei der Panel-Diskussion am 18. Juni in Wuppertal

ZFK-Redakteur Artjom Maksimenko (li.), Liana Weismüller (2.v.li.), Christina Schranner (2.v.re.) und Mandy Hintzsch bei der Panel-Diskussion am 18. Juni in Wuppertal

Bild: © WSW/Kientopp Film

Die Transformation hin zu einer digitalisierten und flexiblen Struktur ist eine besondere Herausforderung in der Daseinsvorsorge: Wenn etwa ein Betriebsablauf im Wasserwerk fehlerhaft automatisiert wird, könnten Wasserhähne stillstehen und Haushalte auf dem Trockenen sitzen. Wie solche Fehler verhindert werden können, aber gleichzeitig die Digitalisierung zügig vorangetrieben werden kann, erörterten drei Expertinnen bei einer Panel-Diskussion des ZFK-Frauennetzwerks in Wuppertal.

Vom Gastgeber Wuppertaler Stadtwerke (WSW) nahm Christina Schranner teil. Sie leitet den Bereich Kundenerlebnismanagement. Mit ihr diskutierten Mandy Hintzsch, Geschäftsführerin der Stadtwerke Potsdam, und Liana Weismüller, Vorständin für Personal und Nachhaltigkeit bei Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV). 

Die aufgezeichnete Diskussion zum Nachschauen: ZFK Live: Die digitale Transformation in kommunalen Unternehmen

Transformation als Querschnittsaufgabe 

IT und digitale Transformation seien kein reines Technologiethema mehr, erklärte Weismüller: "Die Transformation ist zu 20 Prozent ein Technologiethema und zu 80 Prozent ein Organisationsentwicklungs- und Führungsthema."  

Daher habe Emschergenossenschaft und Lippeverband die Verantwortung für IT und digitale Transformation vom technischen Vorstandsbereich gelöst. Sie liegt nun im Ressort Personal und Nachhaltigkeit. Für diesen Bereich ist Weismüller seit 2024 Vorständin.  

Mehr dazu lesen Sie hier: Weismüller wird Vorständin bei den Wasserverbänden an Emscher und Lippe

Auch bei den Stadtwerken Potsdam setzt man auf die strategische Verknüpfung verschiedener Bereiche. Digitalisierung sei eine Querschnittsaufgabe und daher seien immer alle Unternehmensfelder gleichzeitig betroffen. Hintzsch erklärte, dass sie alle Bereiche in die Entscheidungsprozesse einbinden: vom Stromnetzausbau über die Elektrifizierung des Verkehrs bis zur Personalentwicklung. Alle Mitarbeitenden müssten beim Wandel mitbedacht und einbezogen werden. 

Mit einem Strategieboard setze man Jahresziele fest und Führungskräfte kämen regelmäßig zur gemeinsamen Priorisierung der Ziele zusammen. Hintzsch betonte, dass die Ziele bei neuen Entwicklungen dynamisch angepasst werden. 

Mehr dazu lesen Sie hier: Stadtwerke Potsdam mit neuer Chefin

Ihren Ansatz für den Einsatz digitaler Werkzeuge strukturierte sie in drei Säulen: Prozesse erst optimieren, dann digitalisieren. Prozesse, die bereits gut funktionierten, könne man direkt automatisieren. Künstliche Intelligenz ist für Hintzsch eine eigenständige Kategorie. Sie stelle andere Fragen und liefere andere Antworten. "Wir wollen KI in Entscheidungsprozessen intensiver einsetzen" – aber nur in den Fragen, wo sie tatsächliche Stärken habe, erklärte Hintzsch. 

Lehren aus Wuppertaler KI-Plattform 

Ein Vorzeigeprojekt bei der Digitalisierung von Stadtwerken ist das WSW GPT, eine datenschutzkonforme KI-Eigenentwicklung. Sie wurde Anfang 2026 konzernweit ausgerollt, begleitet von einer Pflichtschulung für alle Mitarbeitenden. Schranner berichtete bei dem Panel aber auch davon, dass die Plattform da schon im Rückstand war: Kaum war WSW GPT verfügbar, fragten die Mitarbeitenden nach Claude, Gemini und anderen Modellen.  

Mehr dazu lesen Sie hier: KI-Werkstatt statt Schnellschuss

Für Schranner ergab sich daraus eine klare Erkenntnis: Leuchtturm-Projekte wie WSW GPT erzeugten zwar Aufmerksamkeit, ersetzten aber keine Gesamtvision. Wer nur einzelne KI-Projekte aufsetze, ohne strategischen Überbau, riskiere einen teuren und schwer skalierbaren Flickenteppich. 

Als Konsequenz daraus ziehe WSW inzwischen White-Label-Lösungen in Betracht. Diese bündelten mehrere Sprachmodelle und könnten intern gehostet werden. "Wenn es jetzt neue und bessere Lösungen gibt, dann muss man sagen: Das war ein echt tolles Projekt, aber jetzt brauchen wir 2.0", fasste Schranner das Lernergebnis zusammen.  

Zwischen Perfektion und Tempo 

Auch Weismüller ist überzeugt, dass Unternehmen im Umgang mit KI flexibel und aufgeschlossen sein müssen. Die Veränderung durch diese Technologie komme ohnehin, ob Unternehmen mitmachten oder nicht. Sie müssten ihre Haltung anpassen: "Die Organisation der Zukunft ist eine Organisation geprägt von lebenslangem Lernen."  

Weismüller sieht ein weiteres kulturelles Problem für den Entwicklungsprozess: Ein Unternehmen der kritischen Infrastruktur sei auf Sicherheit, Perfektion und Stabilität ausgerichtet. Genau das mache den Wandel so schwierig – Digitalisierung verlange Mut, Fehlerkultur und Geschwindigkeit. Sie brachte ihre Forderung auf den Punkt: "Der größte Fehler, den man machen kann, ist, dass man aus lauter Angst vor Fehlern gar nicht entscheidet und erst gar nicht losrennt." 

Stärken kommunaler Unternehmen nutzen 

Die historisch gewachsenen Strukturen kommunaler Unternehmen sind aber nicht bloß Ballast – darin sind sich die drei Kommunal-Expertinnen einig. Diese Strukturen seien Fundament und Datenschatz. Mit diesem konnten die WSW 90 000 Kund:innen für ihre WSW App gewinnen, berichtete Schranner. Aus ihrer Sicht könne da kein Start-up und kein amerikanischer Tech-Konzern kurzfristig mithalten.  

Die zentrale Erkenntnis aus der Panel-Diskussion: Das Vertrauen der Bevölkerung in ihr lokales Versorgungsunternehmen ist ein Wettbewerbsvorteil, der in Zeiten von KI immer wertvoller wird – wenn man ihn zu nutzen weiß. Kommunale Unternehmen sollten die Transformation nicht als einmaliges Projekt, sondern als permanenten und iterativen Prozess verstehen.  

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