Unterschiedliche Netzentgelte behindern den Ausbau von Elektromobilität, fürchtet Agora.

Unterschiedliche Netzentgelte behindern den Ausbau von Elektromobilität, fürchtet Agora.

Bild: © Nischapor/stock.adobe.com

Die Denkfabrik Agora sieht in den unterschiedlich hohen Netzentgelten eine Schieflage für den Ausbau der Elektromobilität. Leistungsstarkes Laden werde bei der Abrechnung der Kosten für Stromnetze unverhältnismäßig stark belastet. In den geplanten Ausschreibungen für den Bau von Schnellladesäulen solle der Bund deshalb entweder Netze mit unterschiedlichen Kosten zusammenlegen oder die Netzkosten vorübergehend ganz oder teilweise übernehmen.

„Wenn der Ausbau der Schnellladeinfrastruktur gelingen soll, muss der Bund auch die lange überfällige Reform der Netzentgelte angehen“, sagt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Die derzeitige Verteilung der Kosten über die Netzentgelte passe nicht zu einer Welt, in der Elektrofahrzeuge in kurzer Zeit viel Strom laden. Hinzu komme, dass die Kosten von Netz zu Netz sehr unterschiedlich ausfallen. „Diese überholten Strukturen dürfen nicht darüber bestimmen, ob und wo Schnellladepunkte entstehen“, so Graichen.

Fixkosten für Schnelllader deutlich höher

Die Fixkosten für Aufbau und Betrieb von Schnellladepunkten seien deutlich höher als für Normalladepunkte, heißt es in einem Agora-Diskussionspapier. Außerdem seien sie stark vom Standort abhängig. Die Investoren hätten sich bisher auf die wirtschaftlich attraktivsten Standorte konzentriert, vor allem entlang von Bundesfernstraßen. Im ländlichen Raum gebe es hingegen bisher nur wenig Möglichkeiten zum schnellen Laden.

Problematisch sei insbesondere das Leistungspreissystem bei der Erhebung der Netzentgelte: Der Leistungspreis werde auf die Spitzenleistung an der Ladesäule erhoben, selbst wenn diese Leistung nur ein einziges Mal im Jahr anfällt und das Stromnetz zu diesem Zeitpunkt engpassfrei ist. Die Höhe variiere zudem von Netz zu Netz um über 1200 Prozent.

Bei der Ladeinfrastruktur sei es sinnvoller, die Netzkosten auf den geladenen Strom zu verlagern, mit einem durchschnittlichen Netzarbeitspreis pro Kilowattstunde. „Sonst werden nur wenige in Schnellladepunkte investieren, schon gar nicht an Standorten mit besonders hohen Netzkosten“, sagt Jan Rosenow, Europa-Direktor des am Diskussionspapier beteiligten Regulatory Assistance Project s(RAP). EU-Länder wie Italien, Portugal und Spanien könnten hier als Beispiel dienen. (wa)

Link zum Diskussionspapier

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