Starke Zuwächse gibt es bei batterieelektrisch angetriebenen Autos.

Starke Zuwächse gibt es bei batterieelektrisch angetriebenen Autos.

Bild. © Patrick-P.-Palej/stock.adobe.com

Von Jürgen Walk

Gebrauchte Elektroautos lassen sich häufig nur unter massiven Preisabschlägen verkaufen. Grund dafür ist die weit verbreitete Angst vor Leistungsverlust bei den Antriebsbatterien – als sei ein acht Jahre altes Fahrzeug ein wirtschaftlicher Totalverlust. Doch eine Studie des Beratungsunternehmens P3 anhand von 7000 Fahrzeugen zeigt: Batterien altern in der Realität deutlich besser als erwartet. Dennoch können die Besitzer auch selbst einiges tun, um die Lebensdauer zu erhöhen.

Die Analyse zeigt, dass die Batterien selbst bei hohen Laufleistungen von über 200.000 Kilometern eine bemerkenswerte Lebensdauer aufweisen. Die meisten behalten auch langfristig mehr als 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität. Sie bleiben damit in der Regel weit über den üblichen Garantiezeitraum hinaus zuverlässig einsetzbar. Damit bleibt laut Studie selbst bei stark beanspruchten Fahrzeugen der wirtschaftliche Wert erhalten.

Ein zweites und ein drittes Leben

Hinzu kommt: Nach dem Einsatz im Fahrzeug können die Traktionsbatterien zum Beispiel in einem stationären Speicher weitergenutzt werden. Und wenn sich dann auch das "Second Life" dem Ende zuneigt, lassen sich durch Recycling wertvolle Rohstoffe wie Lithium und Nickel zurückgewinnen, was langfristig einen beständigen Wert sicherstelle.

Doch wie kommen die Studienautoren zu ihren Ergebnissen? Bisherige Abschätzungen der Batteriealterung, so heißt es in der Studie, basieren vorwiegend auf akademischen Daten und Labormessungen. Oft werden nur einzelne Batteriezellen gemessen statt eines ganzen Batteriepacks. Zudem unterstellen viele Untersuchungen eine lineare Degradation, also eine gleichmäßige Alterung der Zellen.

Die eigene Studie basiere auf realen Fahrzeugdaten. Die Batterien seien damit allen in der Praxis auftretenden Einflüssen ausgesetzt. Beispielsweise bilden die Daten verschiedene Batteriemanagementsysteme und die damit einhergehenden Alterungsstrategien der Fahrzeughersteller ab.

Batterien altern nicht gleichmäßig

Die Alterung, auch als Kapazitätsdegradation bezeichnet, verläuft auch nicht gleichmäßig, hat die Studie gezeigt. In den ersten 30.000 Kilometern sinkt die Kapazität schneller. Danach stabilisiert sie sich und setzt sich annähernd gleichmäßig fort. Im späteren Verlauf der Fahrzeugnutzung fällt die Alterung aber deutlich geringer aus als in der Anfangsphase. Ein Großteil der Fahrzeuge mit einem Kilometerstand von mehr als 200.000 besaß noch eine Kapazität von mehr als 80 Prozent im Vergleich zum Neufahrzeug. Mathematische Berechnungen legen nahe, dass dieser Zustand auch im Bereich von 200.000 bis 300.000 Kilometern anhält.

Dennoch kann auch der Nutzer eines Elektroautos einiges dafür tun, dass die Alterung der Batterie verlangsamt wird. Sechs wichtige Einflüsse nennt die Studie:

  • Wenn das Fahrzeug parkt, sollte es nicht in der prallen Sommersonne stehen – Temperaturen über 60 Grad beschleunigen die Alterung der Batterie.
  • Wenn das Auto längere Zeit steht, sollte es bei einem Ladestand von 10-50 Prozent abgestellt werden. Ein hoher Ladestand von über 80 Prozent wirkt sich negativ aus.
  • Im Betrieb, vor allem beim Laden und Entladen, sind Minustemperaturen oder große Hitze über 50 Grad kontraproduktiv für die Batterien.
  • Häufiges Schnellladen lässt die Batterie altern, während gelegentliches Schnellladen keine nennenswerten negativen Auswirkungen hat.
  • Wer sein Fahrzeug regelmäßig auf 100 Prozent volllädt und dann komplett fast auf null herunterfährt, belastet die Batterie. Am besten ist zyklisches Laden von 20 auf 80 Prozent. Gelegentliches Vollladen für eine Langstrecke hat aber keinen nennenswerten Einfluss.
  • Starkes Beschleunigen und lange Fahrten mit hohen Geschwindigkeiten belasten die Batterie.
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