Die Mobilitätswende in die Breite bringen

Die Mobilitätswende in die Breite bringen

Bild: © Andreas Gruhl/Adobe Stock

Der Anteil rein batterieelektrischer Pkw (BEV) an den Neuzulassungen in Europa wächst deutlich schneller als erwartet. Im ersten Halbjahr 2026 erreichte er im Schnitt 22 Prozent – fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum. In absoluten Zahlen legte die Zahl der BEV-Zulassungen um rund 35 Prozent zu. Das geht aus dem aktuellen European Car Market Monitor des International Council on Clean Transportation (ICCT) hervor, der in Zusammenarbeit mit Agora Verkehrswende und weiteren europäischen Denkfabriken erstellt wird.

Im Juni 2026 allein erreichten Elektroautos bereits einen Marktanteil von 24 Prozent. Plug-in-Hybride (PHEV) kamen im ersten Halbjahr auf zehn Prozent Marktanteil, ein Prozentpunkt mehr als ein Jahr zuvor. Klassische Verbrenner hingegen verloren massiv: Ihr Anteil sank um acht Prozentpunkte auf nur noch 30 Prozent.

Nordeuropa vorn, Süden holt auf

Besonders weit ist die Elektrifizierung in Nordeuropa vorangeschritten. Norwegen und Dänemark führen das europäische Feld mit BEV-Anteilen von 98 beziehungsweise 80 Prozent an. Dänemark erzielte dabei den größten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr: plus 16 Prozentpunkte.

Auch die großen Märkte Deutschland und Frankreich holen auf. In Deutschland lag der BEV-Anteil im ersten Halbjahr bei 26 Prozent (plus 8 Punkte), in Frankreich bei 28 Prozent (plus 10 Punkte). In Italien und Spanien, dem dritt- und viertgrößten Markt Europas, blieben die Anteile mit acht und zehn Prozent noch deutlich niedriger, aber auch dort zogen die Zulassungen an.

VW-Konzern kämpft mit CO₂-Zielen

Gleichzeitig zeigt der Monitor, dass viele Hersteller bei den EU-Flottenemissionszielen noch Luft nach oben haben. Von Januar 2025 bis Juni 2026 lagen die durchschnittlichen CO₂-Emissionen der Herstellerpools bei rund 95 Gramm pro Kilometer – knapp über dem Zielwert von 93 Gramm für den Zeitraum 2025 bis 2027. Die EU-Regulierung erlaubt es Herstellern, die Einhaltung der Ziele über drei Jahre hinweg auszugleichen; geprüft wird die Compliance erst Ende 2027.

Weit über dem Ziel liegt der Volkswagen-Pool: Er überschritt seinen Zielwert um sieben Gramm pro Kilometer und hatte mit 26 Prozent zugleich den größten Marktanteil in Europa. Auch Stellantis verfehlte seinen Zielwert, konnte den Rückstand aber im Vergleich zum Vormonat leicht verringern.

Auf der anderen Seite stehen BYD und Tesla: BYD lag 42 Gramm pro Kilometer unter seinem Zielwert, Tesla acht Gramm. BMW hatte unter den sieben größten Herstellergruppen den höchsten BEV-Anteil im ersten Halbjahr mit 28 Prozent. Toyota verdoppelte seinen Elektroanteil von 4 auf 10 Prozent. Die Mercedes-Benz-Gruppe steigerte ihren BEV-Anteil um acht Prozentpunkte.

Ladeinfrastruktur wächst, aber ungleichmäßig

Rund 1,2 Millionen öffentliche Ladepunkte waren Ende Juni 2026 in Europa installiert – gut 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Besonders stark wuchs die Schnellladeinfrastruktur (DC): plus 29 Prozent. Dennoch entfallen noch 79 Prozent der Ladepunkte auf Wechselstrom-Lader (AC), nur 21 Prozent auf Gleichstrom-Schnelllader.

Die durchschnittliche Ladeleistung hat sich seit Januar 2021 von 25 auf 51 Kilowatt verdoppelt – ein Zeichen dafür, dass die Netze zunehmend auf schnelles Laden ausgerichtet werden. Norwegen liegt mit einer durchschnittlichen Ladeleistung von 107 Kilowatt europaweit an der Spitze. Bezogen auf die Fahrzeugdichte führt Dänemark mit rund 47 öffentlichen Ladepunkten je 1000 zugelassener Pkw, gefolgt von Norwegen (41) und Schweden (32). Italien und Spanien liegen mit je vier Ladepunkten pro 1000 Fahrzeugen weit unter dem europäischen Schnitt von knapp zehn.

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