Berufliche Wege machen 41 Prozent des gesamten Personenverkehrs in Deutschland aus – und fast zwei Drittel der Arbeitswege werden mit dem Auto zurückgelegt. Damit hängt mehr als die Hälfte der CO₂-Emissionen im Personenverkehr mit arbeitsbezogener Mobilität zusammen. Für Unternehmen wird das Thema damit zur Pflichtaufgabe – weit über die Frage von Dienstwagen und Parkplatz hinaus. Das zeigt die Studie "Reinventing Corporate Mobility", die PwC Deutschland gemeinsam mit dem Institut für Mobilität (IMO-HSG) der Universität St. Gallen erarbeitet hat.
Bei der Frage, welche Mobilitätslösungen Unternehmen in Deutschland künftig ausbauen wollen, stehen zwei Themen besonders im Vordergrund: die Elektrifizierung der Firmenfahrzeugflotte und die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs. Bereits heute zählen Ladepunkte für Elektroautos zu den am häufigsten genannten Mobilitätsangeboten: 56 Prozent der befragten Unternehmen stellen ihren Mitarbeitenden entsprechende Ladeinfrastruktur zur Verfügung. Damit liegt das Angebot noch vor dem klassischen Job-Ticket für den Nahverkehr, das 39 Prozent anbieten.
Laut Studie planen 77 Prozent der befragten deutschen Unternehmen, das Leasing von (E-)Bikes auszuweiten. Die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte folgt auf Platz zwei mit 55 Prozent. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) will das Deutschlandticket – also das bundesweit gültige Nahverkehrsticket – als subventioniertes Angebot für Beschäftigte einführen oder ausbauen.
Standorte nie isoliert betrachten
Die Studie zeigt aber auch: Wer auf Elektromobilität setzt, braucht mehr als nur Ladesäulen auf dem Firmenparkplatz. Unternehmen mit elektrischen Fuhrparks sind auf zuverlässige Lademöglichkeiten am Arbeitsort angewiesen – oder müssen das Laden zu Hause aktiv unterstützen, etwa durch entsprechende Technik und Kostenerstattung.
Trotz des breiten Angebots an Mobilitätslösungen – von Carsharing über Mobilitätsbudgets bis hin zu digitalen Plattformen – bleibt die Einführung integrierter Konzepte für viele Unternehmen eine Herausforderung. "Ob eine Mobilitätslösung passt, hängt stark vom spezifischen Kontext ab", sagt Andreas Herrmann, Direktor des Instituts für Mobilität an der Universität St. Gallen. "Unternehmen verschenken Potenzial, wenn sie ihre Standorte zu isoliert betrachten oder Mobilität bei strategischen Themen wie Nachhaltigkeit und Arbeitgeberattraktivität nicht ausreichend mitdenken."
Für die Studie wurden 35 Interviews mit Mobilitätsverantwortlichen, Dienstleistern und Beratern in Deutschland und der Schweiz geführt. Ein zentrales Ergebnis: Viele Unternehmen setzen nach wie vor auf Einzelmaßnahmen wie Firmenwagen oder Parkplatzzuschüsse, während umfassende, digital gestützte Konzepte die Ausnahme bleiben. Dabei sind es nicht fehlende Technologien, die das Vorankommen bremsen, sondern es mangelt vor allem an Wissen, welche Lösungen im eigenen Umfeld tatsächlich funktionieren.
Drei Unternehmenstypen, drei Ansätze
Die Studie beschreibt drei typische Unternehmensprofile, die zeigen, wie unterschiedlich betriebliche Mobilitätskonzepte aussehen können. Bei autogeprägten Produktionsstandorten im ländlichen Raum stehen Flottenelektrifizierung, Fahrgemeinschaften und ein gezieltes Parkraummanagement im Vordergrund. Öffentliche Nahverkehrsangebote spielen dort kaum eine Rolle – die Anbindung fehlt schlicht.
Anders sieht es in urbanen Dienstleistungsunternehmen aus: Hier lohnen sich Mobilitätsbudgets, Angebote für den ÖPNV und Mikromobilität – also etwa das Leasing von E-Bikes oder E-Scootern für die letzte Meile. In hubbasierten Strukturen, also Unternehmen mit mehreren dezentralen Standorten, kommen Shuttle-Services und einem zentralisierten Flottenmanagement Schlüsselrollen zu.
Das Fazit der Studie ist eindeutig: Unternehmen, die Mobilität strategisch angehen, können Emissionen senken, Kosten besser steuern und zugleich attraktiv für Fachkräfte bleiben. Der Schlüssel liegt nicht in der Einführung möglichst vieler Einzelmaßnahmen, sondern in ihrer sinnvollen Kombination – passgenau zum eigenen Standort, zur Branche und zu den tatsächlichen Wegen der Belegschaft.