Erstes E-Auto ausgeliefert: Laura Fröhlich (Mitte) erhält die Schlüssel zu ihrem E-Smart von SWG-Vorstand Matthias Funk (rechts). Links: Kim Buttron, Geschäftsführer von Rechtenbach-Buttron.

Erstes E-Auto ausgeliefert: Laura Fröhlich (Mitte) erhält die Schlüssel zu ihrem E-Smart von SWG-Vorstand Matthias Funk (rechts). Links: Kim Buttron, Geschäftsführer von Rechtenbach-Buttron.

Bild: © Stadtwerke Gießen

Der Weg ins E-Auto-Zeitalter begann bei den Stadtwerken Gießen (SWG) recht zaghaft: mit einer Ladesäule, aufgestellt im Jahr 2014, Tankkartenbesitzern kostenlos zugänglich. Sechs Jahre später hat sich einiges getan.

Inzwischen haben die Stadtwerke nicht mehr eine Ladesäule, sondern sieben. Inzwischen bieten sie auch ganz andere Elektro-Optionen an, im Paket oder einzeln, je nach Kundenwunsch. Und mittlerweile hat das Projekt auch einen Namen: E-Revolution. Und ein Gesicht: Uli Boos, Marketing-Leiter bei den SWG. Am Mittwoch stellte Boos das neue Geschäftsmodell auf der VKU-Digitalkonferenz Vertrieb 2020 vor.

SWG leihen E-Autos für vier Jahre aus

"Unser Ziel war es, unseren Kunden einen einfachen Einstieg in die Elektromobilität zu ermöglichen", erklärte Boos. "Und sollte es für sie dann doch nicht das Richtige sein, sollten sie auch wieder leicht aus der E-Mobilität aussteigen können."

Beispiel E-Auto: Die SWG leihen E-Autos des Modells Smart EQ fortwo für insgesamt vier Jahre aus. Statt einmaligem Anschaffungspreis fallen für die Kunden lediglich konstante monatliche Raten (knapp 100 Euro) an. Kfz-Steuern entfallen. Die Versicherung (Haftpflicht plus Vollkasko mit Selbstbeteiligung) ist im Preis inbegriffen.

"Mussten auslosen, wer die Autos bekommt"

Zudem generieren die SWG Einnahmen, indem sie die Autotüren an Werbepartner vermarkten. So wollen sie sich im Preiskampf mit Autohändlern behaupten.

Bislang kam das SWG-Angebot offenbar hervorragend an. "Die Resonanz war so hoch, dass wir am Ende auslosen mussten, wer die Autos bekommt", sagte Boos.

Beispiel E-Box: Kunden können sich speziell für E-Autos konzipierte Ladeboxen und -kabel ausleihen. Damit lassen sich die Wagen sicherer und schneller laden als über eine übliche Haushaltssteckdose. Auch hier gilt: vier Jahre Nutzungsdauer. Statt hoher Erstinvestition fallen konstante monatliche Raten an.

Paket von E-Autos bis Photovoltaik

Beispiel E-Dach und E-Speicher: Auch hier bieten die SWG eine Pachtlösung an, die auf 20 Jahre ausgelegt ist. So könnten Kunden nicht nur 100 Prozent erneuerbaren Strom für den Eigengebrauch erzeugen, führt Boos aus, sondern auch das eigene E-Auto umweltfreundlich aufladen. "Mit unseren Produkten haben wir also die komplette Kette der E-Mobilität geschlossen", sagte Boos.

Auf das Werbeinstrument E-Auto setzt auch das Mannheimer Energieversorgungsunternehmen MVV Energie. 2019 warb es auf dem örtlichen Maimarkt nicht nur mit Stromtarifen, sondern auch mit E-Auto-Probefahrten. Dafür stand ein Modell des MVV-Partners und Wagenherstellers e.Go bereit.

Wer sich überzeugen ließ, der konnte sogleich ein sogenanntes "Maimarkt-Bundle" kaufen: bestehend aus einer Photovoltaik-Anlage für Zuhause, einer Ladestation und einem e.Go. Samt fixem Lieferterm und mit eingebundener VR-Bank.

"Konnten Umsatz nahezu verdreifachen"

Auf der Digitalkonferenz schwärmte Matthias Schöner, Vertriebsleiter bei der MVV. "Wir hatten [2019] mehr als 2000 qualifizierte Gespräche zu den Themen Solar, E-Mobilität und Batteriespeicher", sagte er. "Wir konnten unseren Umsatz nahezu verdreifachen." Am Ende seien 30 e.Gos und 80 Photovoltaik-Anlagen verkauft worden. "Das war für uns ein Zeichen, dass es uns gelungen ist, die Marke der MVV zu emotionalisieren und unseren Markenkern zu erweitern."

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2020 fiel der Maimarkt in Mannheim coronabedingt aus. Auch der Hersteller e.Go geriet in Nöte, musste Insolvenz anmelden, kam aber später mit einem neuen Investor zurück. Zwischenzeitlich habe die MVV die Vermarktung mit dem Autohersteller zurückgenommen, sagte Schöner. "Mittlerweile sind wir aber wieder mit e.Go zurück." (ab)

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