E-Nutzfahrzeuge und Ladesäulen am SRH-Betriebshof Neuländer Kamp.

E-Nutzfahrzeuge und Ladesäulen am SRH-Betriebshof Neuländer Kamp.

Bild: © SRH

Die Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge beginnt nicht mit dem Kauf eines elektrischen Lastwagens. Sie beginnt beim Betriebshof – mit Netzanschluss, Ladeplan und Betriebsablauf.

Nach mehr als drei Jahren ist das Forschungs- und Demonstrationsprojekt "BELLE" abgeschlossen. Die Stadtreinigung Hamburg (SRH) zog auf ihrem Betriebshof am Neuländer Kamp Bilanz. Belle steht für "Betriebshofelektrifizierung: Ladeinfrastruktur und Lastmanagement in der praktischen Erprobung".

Unter Federführung von Hysolutions arbeiteten ABB E-Mobility, Hamburger Energienetze, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, die SRH und weitere Partner zusammen. Im Mittelpunkt standen zwei Anwendungsfälle: Abfallentsorgung, Straßenreinigung und Winterdienst in Hamburg sowie der straßengebundene Güterverkehr der Spedition Dachser. Die Partner wollten klären, wie schwere batterieelektrische Nutzfahrzeuge auch im Ein- und Mehrschichtbetrieb zuverlässig eingesetzt werden können.

Das Fahrzeug ist nur ein Teil des Systems

Die zentrale Erkenntnis: Nicht das Fahrzeug allein entscheidet über den Erfolg. Ebenso wichtig sind verfügbare Netzleistung, Ladepunkte, Standzeiten und die Reihenfolge, in der Fahrzeuge Energie erhalten. Ein Lastmanagement kann Ladevorgänge über die Standzeit verteilen. So muss ein Betriebshof seinen Netzanschluss nicht zwingend auf die Summe aller maximalen Ladeleistungen auslegen.

Die SRH brachte ihre Erfahrungen aus dem kommunalen Betrieb ein. Nach eigenen Angaben gab es im Februar an ihren Standorten rund 440 Ladepunkte. Bis 2035 soll die Zahl auf 1000 steigen. Am Betriebsplatz in Harburg waren 38 Ladepunkte eingerichtet, an denen auch größere Fahrzeuge in ein bis zwei Stunden laden können.

Auch die wissenschaftlichen Arbeiten aus dem Projekt weisen auf ein Spannungsfeld hin. Mehr Ladeleistung erhöht das Flexibilitätspotenzial, verteuert aber die Infrastruktur. Ohne wirtschaftliche Anreize bleibt der Spielraum begrenzt. Simulationen der HAW Hamburg zeigen zudem, dass gesteuerte Ladevorgänge Engpässe in Mittelspannungsnetzen bei hoher Einspeisung erneuerbarer Energien mindern können.

Damit verschiebt Belle die Perspektive: Der Betriebshof wird zum Energie- und Steuerungsstandort. Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur, Stromnetz und Disposition müssen gemeinsam geplant werden. Für kommunale Betriebe und Logistikunternehmen entscheidet sich die Elektrifizierung daher nicht nur auf der Straße, sondern auch hinter dem Werkstor.

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