Bis 2030 soll rund ein Drittel des Güterverkehrs elektrisch oder auf Basis von strombasierten Kraftstoffen unterwegs sein – so zumindest lautet das Ziel der Bundesregierung im Klimapaket. Unter der Koordination des Instituts für angewandte Ökologie hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Zusammenarbeit mit der Hochschule Heilbronn und der Intraplan Consult die Studie „StratON – Bewertung und Einführungsstrategien für oberleitungsgebundene schwere Nutzfahrzeuge” veröffentlicht.
Darin heißt es, dass Oberleitungs-Lkw eine effiziente Möglichkeit der Stromnutzung im Güterfernverkehr darstellen. Auf einem Streckennetz von rund 4000 Kilometern könne in den kommenden 15 Jahren ein leistungsfähiges Oberleitungssystem für Lastwagen aufgebaut werden. Damit könne in zwanzig Jahren ein Drittel des Lkw-Fernverkehrs elektrisch unterwegs sein.
„Bauen wir ein solches Oberleitungsnetz für Lkw auf, können die direkten Treibhausgasemissionen allein des Straßengüterfernverkehrs pro Jahr um bis zu 12 Millionen Tonnen CO2 sinken”, fasst Florian Hacker, Leiter des Projekts zu Potenzialen des Oberleitungsgüterverkehrs, zusammen. Das entspreche mehr als einem Drittel der Emissionen des schweren Straßengüterverkehrs.
17 Strecken wurden ausgewählt
Fast zwei Drittel des Lkw-Fernverkehrs findet auf rund einem Drittel des deutschen Autobahnnetzes statt. Auf diesem etwa 4000 km langen Kernnetz wurden im Projekt 17 Strecken identifiziert, die sich für den Oberleitungsaufbau besonders anbieten. Dabei versprechen beispielsweise Zubringer zum Hamburger Hafen oder Verbindungen zwischen Ballungsräumen besonders große Potenziale für den frühzeitigen Einsatz von Oberleitungs-Lkw. Diese könnten zuerst gebaut werden und über die Zeit zu einem Gesamtnetz zusammenwachsen.
Derzeit entfallen 19 Prozent des Gütertransports auf die Bahn und 75 Prozent auf die Straße. Selbst bei einer ambitionierten Verlagerung des Straßenverkehrs auf die Schiene werde künftig immer noch mehr als die Hälfte der Güter von Lkw transportiert, so das Fraunhofer IAO. Daher seien Alternativen zu treibhausgasintensiven Diesel-Lkw dringend nötig. Auch wenn man die Treibhausgasemissionen bei der Stromerzeugung berücksichtigt, könne ein Oberleitungs-Lkw 2025 die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu einem heutigen Diesel-Lkw nahezu halbieren. Bis 2030 steige der Vorteil unter den Vorgaben des Kohleausstiegs sogar auf 60 Prozent an. (wa)
