Das öffentliche Ladenetz wächst, doch die Nutzung verteilt sich ungleich. Von Juli bis September des laufenden Jahres zählte Chargepoint Radar rund 24,5 Millionen Ladevorgänge. Der Datenanalyse-Dienstleister wertete Statusdaten von mehr als 175.000 öffentlichen Ladepunkten aus.
Besonders deutlich ist der Unterschied zwischen Gleichstrom (DC) und Wechselstrom (AC). DC-Punkte, in der Regel Schnelllader, wickelten 70,9 Prozent der Vorgänge ab, obwohl sie nur rund ein Drittel der erfassten Infrastruktur stellten. Im Quartal kam ein DC-Punkt im Schnitt auf 305,5 Vorgänge, ein AC-Punkt auf 59,9 – rund ein Fünftel. Ein Ladevorgang ist dabei ein Wechsel in den Status "belegt" von mindestens 30 Sekunden.
Schnelllader: Ein Drittel der Säulen, fast drei Viertel der Ladevorgänge
Im DC-Markt führte EnBW mit knapp 4,95 Millionen Vorgängen und 28,6 Prozent Marktanteil. Es folgten Tesla mit 15,2 Prozent und Ionity mit 8,1 Prozent. Die fünf größten Betreiber vereinten 63 Prozent aller Schnellladevorgänge.
Beim langsameren AC-Laden ist der Markt kleinteiliger: Die fünf größten Anbieter kamen zusammen auf 18,2 Prozent. Hamburger Energiewerke Mobil führte mit 4,7 Prozent. EnBW lag bei DC in 15 Bundesländern vorn, nur in Brandenburg führte Tesla. Bei AC dominierten in den Stadtstaaten lokale Anbieter – in Hamburg mit 71,4, in Berlin mit 53,5 Prozent.
Die Rangfolge ändert sich, wenn man die Nutzung je Ladepunkt betrachtet. Ionity führte bei DC mit 894,1 Vorgängen pro aktivem Punkt, vor Tesla (659,5) und Fastned (526,5). EnBW kam trotz des größten Volumens auf 513 und Rang vier. Bei AC lag Kaufland mit 232,9 Vorgängen je Punkt vor Lidl mit 164,9. Der Durchschnitt aller erfassten AC-Punkte betrug 59,9.
Hohe Auslastung bedeutet nicht automatisch viele Ladevorgänge. In den Stadtstaaten und den größeren Städten stehen Fahrzeuge oft stundenlang an AC-Säulen. Umgekehrt sieht es in Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern aus. Dort werden die Ladepunkte häufiger, aber zeitlich kürzer genutzt, getrieben von kurzen Schnellladestopps entlang der Transitachsen.
Lage schlägt Größe
Der Tesla-Standort in Bispingen verzeichnete im Quartal 43.140 DC-Ladevorgänge – den höchsten Gesamtwert. Ionity am Köschinger Forst an der A9 führte bei der Nutzung je Punkt: 1952,2 Vorgänge, rund 22 am Tag. Bei AC lag ein BMW-Standort in München mit 602 Ladepunkten und mehr als 46.000 Vorgängen vorn. In Oberkochen erreichten zwölf Ladepunkte im Schnitt 712 Vorgänge je Punkt.
In Rüsselsheim lagen zwei Angebote desselben Betreibers mit ähnlicher Technik und rund 400 Metern Abstand bei der zeitlichen Auslastung weit auseinander: 0,35 und 13,3 Prozent. Für Betreiber und Kommunen spricht das dafür, Standorte nicht allein nach der Zahl installierter Säulen zu beurteilen.