Intuitiv laden zu können ist der Schlüssel für das Wachstum der Elektromobilität.

Intuitiv laden zu können ist der Schlüssel für das Wachstum der Elektromobilität.

Bild: © Summit Art Creations/Adobe Stock

Von Jürgen Walk

Die Pionierzeiten der Elektromobilität sind längst vorbei. Die "Early Adopter" der E-Auto-Fahrenden vor fünf Jahren mögen froh gewesen sein, überhaupt eine funktionierende Ladesäule zu finden. Kunden von heute erwarten reibungsloses, unproblematisches Laden.

Wie dieses "Ladeerlebnis" in Zukunft aussehen sollte und wie weit es sich schon bislang entwickelt hat, zeigte sich auf dem international besetzten "Fast Lane Summit" des Ladestation-Softwareentwicklers Vaylens. Öffentlich oder privat, schnell oder langsam, Zahlung per Karte oder Vertrag, Soft- oder Hardware als Treiber der Entwicklung – das Podium hielt mit seinen Erwartungen nicht hinter dem Berg. "Take a Swipe", das Motto der Keynote, ist wohl die Zukunft – Laden mit einem Wisch, ohne sich große Gedanken um technische Parameter machen zu müssen.

Intuitive Lösungen gesucht

"In der Anfangszeit der Elektromobilität waren viele Fahrer bereit, Herausforderungen zu akzeptieren", erklärt Christian Hahn, Vorstandschef der Roaming-Plattform Hubject. Mit der Integration der Elektromobilität in den Alltag vieler Menschen hat sich das aber geändert. Neue Nutzer bevorzugen benutzerfreundliche und intuitive Lösungen, die dem gewohnten Erlebnis an einer Tankstelle ähneln. "Wir müssen die gesamte Benutzerreise neu definieren", so Hahn. Aktuelle Systeme böten oft nur eine eingeschränkte Nutzererfahrung. Sein Vorschlag: Bessere Integration beispielsweise von Kundenbewertungen oder Preisinformationen in die Apps. Eine verbesserte Nutzung der vorhandenen Daten könne die Kundenerfahrung erheblich verbessern.

Philipp Graf, Head of Marketing & Sales bei Vaylens, weist darauf hin, dass gerade viele der neuen Besitzer eines Elektroautos keinen Zugang mehr zu einer Heimladestation haben. Damit werde künftig die Bedeutung öffentlicher Ladestationen steigen. Die neuen Nutzer erwarten "eine bessere und einfachere Kundenerfahrung". Damit werden Technologien wie "Plug and Charge", die den höchsten Komfort bieten, eine Schlüsselrolle spielen.

Und wie zahlen die Kunden dann? Hahn betont, dass es wichtig sei, den Nutzern verschiedene Zahlungsmöglichkeiten zu bieten. Die Integration von Kreditkartenlesern sei aber komplex, da sie zusätzliche Partner erfordert und potenzielle Fehlerquellen enthält. Die Zukunft liege in digitalen Lösungen, die die Kosten im Voraus anzeigen, um Preistransparenz zu gewährleisten. Das Thema werde in dieser Schärfe aber insbesondere in Deutschland diskutiert, während es in anderen Märkten weniger problematisch ist.

Einfach die vorhandenen Daten nutzen

Schnell oder langsam? Graf rechnet weiter damit, dass das Laden zu Hause und am Arbeitsplatz die Mehrheit der Ladevorgänge ausmachen wird. Das sei die günstigste Variante für die Nutzer. Öffentliche Ladepunkte sind jedoch auch wichtig, etwa für Supermärkte oder Hotels, da sie einen Wettbewerbsvorteil bieten können. Auch wenn ultraschnelle Ladegeräte nicht die günstigste Art des Ladens darstellen, bestehe in der Öffentlichkeit die Wahrnehmung, dass es nicht genügend öffentliche Ladepunkte gibt. Aber auch allein das Wissen, Zugang zu Schnellladeinfrastruktur zu haben, sei ein großes Komfortmerkmal.

Und künstliche Intelligenz? Die braucht es gar nicht, findet Christian Hahn. Es reicht, die Daten zu nutzen, die täglich an Ladestationen gesammelt werden. Bereits einfache Analysen könnten verbessert werden, um den Nutzern zu zeigen, welche Ladestationen zuverlässiger sind, so Hahn. Diese Analysen könnten auch die Ladegeschwindigkeit vorhersagen, die Nutzer von verschiedenen Stationen erwarten können.

Liegt die Zukunft der Ladestation also eher bei Hard- oder bei der Software? Graf argumentiert, dass beim Aufbau von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge die Flexibilität der Software wichtiger ist als die Kompatibilität der Hardware. Vor zehn Jahren habe es erste Ideen eines verbundenen Ladegeräts gegeben. Heute dagegen müssen Energienetzwerke, Mobilitätslösungen und Bezahlsysteme miteinander integriert und durch Software verbunden werden. Aber auch auf der Hardwareseite habe es erhebliche Fortschritte in Bezug auf Qualität und Standards gegeben. Dies habe den Akteuren im Mobilitätsmarkt ermöglicht, Hardware- und Softwareentscheidungen voneinander zu trennen und mit Spezialisten in jedem Bereich zusammenzuarbeiten.

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