Elektromobilität tritt in Deutschland aus ihrer Nische heraus und in eine exponentielle Wachstumsphase ein. Mittlerweile sind reichweitenstarke, relativ günstige Modelle im Mittelklassesegment erhältlich. Zielgruppe für Hersteller und Dienstleister sind nicht länger die wenigen reinen „Innovators“, heißt es bei der Marketingberatung Simon-Kucher & Partners. Vielmehr können die Unternehmen eine wesentlich größere Gruppe von „Early Adopters“ ansprechen.
Diese gestiegene Nachfrage schlage sich aber in höheren Ladepreisen nieder: Marktpreise für öffentliches Laden haben sich demnach 2020 in allen Leistungssegmenten um 30 bis 70 Prozent erhöht. Die günstigsten Preise ohne Vertragsbindung und Grundgebühr liegen bei den großen Anbietern bei 39 Cent pro Kilowattstunde für Wechselstrom, 49 Cent/kWh für Gleichstrom und 59 Cent/kWh fürs Schnelladen. Im Hochgeschwindigkeitsladenetz Ionity fallen künftig sogar Preise zwischen 0,79 und 1,09 Euro pro kWh an.
Akzeptanz für dynamische Preise wächst
Es bleibe zu hoffen, dass diese Preiserhöhungen den E-Mobility-Höhenflug nicht ausbremsen, heißt es bei den Beratern. Ein Mittel gegen konstant höhere Ladepreise könne Dynamic Pricing sein, eine Preisgestaltung, die an Marktgegebenheiten wie Angebot und Nachfrage gekoppelt ist. Tesla experimentiere damit etwa bereits in Schweden, wo das Auftanken an Superchargern des Unternehmens zwischen 13 und 18 Uhr um bis zu 50 Prozent teurer ist.
Simon-Kucher verweist auf eine Umfrage der E-Auto-Vermietung Nextmove, dass knapp 40 Prozent Dynamic Pricing akzeptieren würden. Elektromobilität sei perfekt geeignet für ein Preissystem, das über eine einfache, pauschale kWh-Bepreisung hinausgeht. Denn dies nütze allen: sowohl den E-Mobil-Nutzern, die bei ausreichendem Stromangebot durch erneuerbare Energien von günstigen Preisen profitieren, als auch der Gesellschaft, wenn Ladepreise dazu führen, dass Elektroautos nicht zu Engpasszeiten beladen werden.
Eine weitere Konsolidierung der Ladepreise könnte das Resultat eines weiteren Trends sein: Schnellladeparks, in denen zahlreiche Ladesäulen unterschiedlicher Anbieter parallel zur Verfügung stehen. Von staatlicher Seite erhalten Lade-Hubs wie dieser große Unterstützung, teilen die Simon-Kucher-Berater mit. Daher sei anzunehmen, dass Schnelllade-Hubs in Zukunft noch häufiger vorhanden sein werden und durch starken Wettbewerb die Ladepreise für E-Auto-Fahrer auf einem akzeptablen Niveau halten. (wa)
