Straßenverkehrslärm ist ein großes Thema für viele Kommunen. Ein wichtiger Baustein, um das Problem zu mildern, kann geräuscharme Logistik sein. Die Umstellung auf alternative Antriebe bei Nutzfahrzeugen schafft dabei weite Spielräume. Nebenbei kann leise Logistik auch ein Anreiz für Unternehmen sein, auf Nutzfahrzeuge mit alternativen Antrieben umzusteigen.
Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (ML) hat Lärmemissionen von Nutzfahrzeugen mit alternativen Antrieben genauer betrachtet. ML-Fachfrau Daniela Kirsch hat die Ergebnisse dieser Untersuchungen auf einer Fachkonferenz des Bundesverkehrsministeriums vorgestellt.
Freie Kapazitäten besser nutzen
Zwischen 50 und 70 Prozent des städtischen Versorgungsverkehrs finden zwischen 8 und 12 Uhr statt. In dieser Zeit ist der Verkehr besonders dicht. Morgens zwischen 4 und 5 Uhr dagegen sind die Durchschnittsgeschwindigkeiten deutlich höher. Geräuscharme Nachtlogistik bietet die Möglichkeit, Läden auch außerhalb der Hauptverkehrszeiten zu beliefern, wodurch die Tourzeiten verkürzt und die freien Kapazitäten der Straße besser genutzt werden können.
Technologisch jedenfalls ist es möglich, Filialen beispielsweise mit E-Lastwagen geräuscharm in den frühen Morgenstunden zu beliefern. Doch ein großes Problem stellt die Genehmigung dar. Es müssen für jede Filiale eigene Anträge gestellt werden, und es gibt bisher keine einheitlichen Emissionswerte für alternativ betriebene Nutzfahrzeuge. Um diese Lücke zu schließen, wurde ein Handbuch zur geräuscharmen Logistik entwickelt. Darin werden einheitliche Messverfahren und Emissionsansätze definiert.
Halb so laut
Die Messergebnisse des Handbuchs wurden durch eine einheitliche Vorgehensweise erhoben: Auf einer 20 Meter langen Strecke wurden 29 verschiedene Fahrzeuge vermessen, darunter batterieelektrisch, gas- und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge. Die Messungen zeigen, dass elektrisch betriebene Lkw bis zu 9 Dezibel in der gleichmäßigen Vorbeifahrt und 10 Dezibel in der beschleunigten Anfahrt leiser sind als Dieselfahrzeuge. In der Wahrnehmung bedeuten 9 Dezibel eine Halbierung des Lärms. Dies ermöglicht eine geräuscharme Belieferung von Filialen im urbanen Raum – möglicherweise auch in den frühen Morgenstunden.
Um den Einsatz alternativ betriebener Nutzfahrzeuge zu fördern, können Anreize wie die Ausweitung von Zustellzeiten geschaffen werden. Dies macht für Spediteure die Investition in solche Fahrzeuge attraktiver, da sie flexibler eingesetzt werden können. So könnte ein breiteres Zeitfenster vielleicht drei statt zwei Touren ermöglichen.
Auch das Entladen macht Lärm
Doch die Geräuschkulisse des Fahrzeugs ist ja nicht das einzige Lärmthema des Lieferverkehrs. Laut wird es ja auch, wenn die Waren an der Innenstadtfiliale entladen werden – und das ist unabhängig davon, ob der Lastwagen von Diesel oder einer Batterie angetrieben wird. Doch auch damit beschäftigen sich die Fraunhofer-Forschenden im Projekt. "Es gibt leise Laufrollen, es gibt eine Beschichtung für die Ladebordwand, es gibt genügend Ansätze", verspricht Kirsch. Das müsse dann halt umgesetzt werden. (wa)
