Prognosen zufolge wird der Güterverkehr auf der Straße bis 2040 um 34 Prozent wachsen. Trotz dieser Zunahme sollen die Emissionen von Nutzfahrzeugen um 72 Prozent sinken. Der Weg dahin führt vor allem über die schweren Lastwagen, die künftig batterieelektrisch oder mit Wasserstoff fahren.
Dass die Lastwagen-Hersteller die Ziele im Blick haben, zeigt die zweite Auflage des „Cleanroom“-Berichts für das Bundesverkehrsministerium (BMDV). In diesem Bericht nennen die Hersteller ihre Ziele, Absatzprognosen und Strategien für umweltfreundliche Nutzfahrzeuge. Bis zum Jahr 2030 werden laut Bericht voraussichtlich knapp 70 Prozent der Neuzulassungen bei schweren Lkw mit Batterie oder Wasserstoff fahren. Präsentiert wurde der Bericht von Staatssekretär Hartmut Höppner und Dagmar Fehler, Chefin der bundeseigenen Now GmbH, auf der „Fachkonferenz Klimafreundliche Nutzfahrzeuge“ des Ministeriums.
Wer bestellt, muss auch zahlen
Höppner betonte, die Transformation der Branche sei politisch und gesellschaftlich getrieben, nicht wirtschaftlich. Der Wandel sei aus ökologischen Gründen notwendig, basiere jedoch nicht auf unternehmerischen Entscheidungen. „Dort, wo die Politik einen Wandel einfordert, steht sie auch in der Pflicht, diesen zu ermöglichen und zu erleichtern“, so Höppner. Das Ministerium habe diese Verantwortung stets ernst genommen und entsprechend gehandelt.
Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz habe das Verkehrsministerium gezwungen, massive Einsparungen vorzunehmen. Dies erschwere die Unterstützung der Transformation in Richtung klimafreundlicher Mobilität und Logistik in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Dennoch habe das Förderprogramm für klimaschonende Nutzfahrzeuge und Infrastruktur einen soliden Grundstein gelegt. Laut Höppner werden 6600 klimafreundliche Nutzfahrzeuge gefördert, davon über 2600 schwere Lkw. In den beiden Förderaufrufen wurden 940 Millionen Euro bewilligt, davon 93 Prozent für batterieelektrische Fahrzeuge, aber auch Mittel für 400 Brennstoffzellen-Nutzfahrzeuge.
Hersteller wollen sich Optionen freihalten
Now-Chefin Dagmar Fehler berichtete aus den Cleanroom-Gesprächen über die weitgehende Einigkeit unter den Lastwagen-Herstellern, dass die Ziele für das Jahr 2030 herausfordernd sind. Deswegen wollen sich die Unternehmen unterschiedliche Technologieoptionen offenhalten. Der Schwerpunkt liege weiterhin auf batterieelektrischen Antrieben. Aber auch Wasserstoff-Brennstoffzellen und Wasserstoff-Verbrenner gewinnen an Bedeutung. „Die Wasserstoff-Brennstoffzelle ist keine Nischentechnologie“, betonte Fehler. Gerade für schwere Nutzfahrzeuge auf Langstrecke biete sich diese Technologie an.
Doch die Lkw-Bauer scheinen auch etwas zurückhaltender in ihren Prognosen geworden zu sein. In den Cleanroom-Gesprächen vor zwei Jahren peilten sie noch eine Quote von 75 Prozent emissionsfreier Nutzfahrzeuge bei Neuzulassungen für 2030 an. Dieser Wert ist um fünf Prozentpunkte auf 70 Prozent gesunken. (wa)
