Von Jürgen Walk
Durch die Absicht der konservativen EVP-Fraktion des EU-Parlaments, das für 2035 geplante "Verbrennerverbot" aufzuweichen, sind Biokraftstoffe und synthetische Fuels wieder stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Mit dem Biokraftstoff HVO beispielsweise kann Dieselersatz aus altem Frittenfett in den Tank der Autos kommen. Das soll umweltfreundlich sein. Aber stimmt das wirklich? Kommt drauf an, sagt der Thinktank Agora Verkehrswende. Jedenfalls gebe es bessere Einsatzmöglichkeiten für den Kraftstoff als den Autoverkehr.
Der Kraftstoff HVO wird aus Fetten und Ölen produziert. Das können beispielsweise Abfallstoffe wie gebrauchtes Speiseöl oder tierische Fette sein, Fischtran, aber auch Palmöl. Diese werden mit Wasserstoff zu einem Dieselersatz raffiniert. Weitgehend treibhausgasneutral ist HVO aber nur, wenn als Grundstoff tatsächlich Abfall- und Reststoffe eingesetzt werden.
Verdacht falscher Deklaration
Die Umweltvorteile sinken jedoch deutlich, wenn Pflanzenöle wie Palmöl verwendet werden, für die Wälder abgeholzt oder Pflanzen extra angebaut werden. Tatsächlich gibt es Vermutungen, dass in China frische Pflanzenöle importiert und zu Abfall umdeklariert wurden, um dann in der HVO-Produktion eingesetzt zu werden und dabei Förderung über die Treibhausgasquote zu kassieren.
Weil bei der Hydrierung der Öle Schadstoffe ausgefiltert werden, ist die Verwendung von HVO bei älteren Fahrzeugen weniger umweltschädlich als von fossilem Diesel. Bei Neufahrzeugen mit Dieselmotor erledigt die Abgasreinigung diesen Job aber ebenso gut.
Der Markt ist leergefegt
Insgesamt bescheinigt Agora HVO also schon positive Umweltauswirkungen. Dass seit Mai dieses Jahres HVO "pur" getankt werden darf, helfe dem Naturschutz aber nichts. Bislang wurde HVO dem fossilen Diesel mit bis zu zwei Prozent zugemischt. Aber bereits dieser Anteil hat die am Markt verfügbaren HVO-Mengen komplett ausgenutzt.
Eine massive Steigerung der Produktion von HVO ist derzeit nicht zu erwarten. Im vergangenen Jahr hat Europa acht Mal so viel Altöle verarbeitet, wie innerhalb Europas eingesammelt wurde. Sprich: Europa fegt durch seine Importe bereits den kompletten Weltmarkt leer.
Falls eine Produktionssteigerung dennoch gelinge, so heißt es bei Agora Verkehrswende, gibt es aber deutlich sinnvollere Möglichkeiten für HVO als den Straßenverkehr. Dort lässt sich Emissionsfreiheit inzwischen relativ einfach und sehr effizient mit batterieelektrischen Autos erreichen. Aber auch im Luftverkehr treten immer strengere Umweltauflagen in Kraft. Und dort ist der Einsatz von schweren Batterien nicht das Mittel der Wahl. Flugzeuge sind künftig und auf absehbare Zeit deutlich stärker auf umweltfreundliche Kraftstoffe wie HVO angewiesen.
