Eichrechtskonformes Laden ist eigentlich schon lange vorgeschrieben, aber technisch noch nicht durchgängig umsetzbar. Warum?
Das stimmt, aber die Branche ist hier kurz vor dem Ziel. Dazu trägt der Verein S.A.F.E. Software Alliance for E-Mobility bei, den wir mit mehreren Partnern gegründet haben. Ziel des Vereins ist es, Unternehmen, die im Feld der Elektromobilität aktiv sind, und den Verbrauchern eine Transparenz-Software zur Verfügung zu stellen. Damit können die Beteiligten räumlich unabhängig die Korrektheit von erfassten Werten bei einem Ladevorgang zweifelsfrei zu prüfen.
Wie ist der Stand der Dinge beim eichrechtskonformen Laden derzeit?
Die zentrale Komponente dabei ist eine IT-Lösung: Sie ist fertig und kann jederzeit eingesetzt werden. Was die Hardware-Seite betrifft, gibt es AC-Ladesäulen, die die Anforderungen an das eichrechtskonforme Laden erfüllen. Bei DC-Ladesäulen fehlt noch eine Lösung für das DC Metering, also für Messgeräte für DC-Laden, die eichrechtskonform messen können. Wir rechnen bis Mitte des Jahres bis maximal bis zum dritten Quartal, dass entsprechende Produkte auf den Markt kommen. Wir als Komplettanbieter rund um die Elektromobilität werden dann unsere Vertriebsoffensive bei Stadtwerken verstärken.
Was sind Ihre Ziele?
Auf dem Erfolg mit den Stadtwerken Uelzen aufbauend, ist unser Ziel etwa 25 Kunden im Stadtwerke-Bereich bis Ende des Jahres.
Dabei wird es sich vermutlich um kleinere bis mittelgroße Stadtwerke handeln, weil die Großen das selbst machen?
Wir bieten den Stadtwerken ein White-Label-Paket mit den technischen Lösungen. Der Kundenkontakt bleibt bei den Stadtwerken. Die Elektromobiltät ist ein sehr umfangreicher und facettenreicher Bereich. Momentan werden noch keine hohen Umsätze erzielt und grundsätzlich ist das Geschäft relativ magenschwach. Ein eigener Aufbau dieses Geschäftsfeldes wäre für viele Stadtwerke zu teuer. Wir dagegen setzen auf Skalierung und können damit vernünftige Kostenstrukturen bieten.
Apropos magenschwaches Geschäft: Man liest gelegentlich, dass Versorger mit dem Stromvertrieb für die Elektromobilität im öffentlichen Bereich wenn überhaupt nur wenig verdienen können?
Bei dieser Frage kommt es auf zwei Komponenten an: einmal den Strompreis und dann die abgegebene Menge. Wir betreiben in Österreich öffentliche Ladeinfrastruktur, mit der wir Geld verdienen. Wenn etwa 20 Menschen am Tag dort laden, dann ist das rentabel.
Wo liegt das untere Limit?
Bei acht bis zehn Transaktionen pro Tag an einer DC-Ladesäule beginnt der Bereich, wo wir schwarze Zahlen schreiben.
Wie wird sich die E-Mobilität entwickeln?
Mit den neuen, massentauglichen E-Fahrzeugen zu relativ niedrigen Preisen wie der Audi e-tron oder der Tesla Model S bin ich sehr zuversichtlich, dass die Entwicklung nun rasch Fahrt aufnimmt. Dazu kommt die Ultra-Schnelllade-Technologie, die in absehbarer Zeit – wenn dann auch die Autos am Markt sind – dazu führen wird, dass man Strom für 100 Kilometer binnen fünf Minuten laden kann. Dann steht einer alltagstauglichen E-Mobilität nichts mehr im Weg.
Das Interview führte Elwine Happ-Frank auf der E-world.
