Auch wenn das Free-Foating-Prinzip bequemer ist, die Umwelt verkraftet stationsgebundenes Carsharing deutlich besser.

Auch wenn das Free-Foating-Prinzip bequemer ist, die Umwelt verkraftet stationsgebundenes Carsharing deutlich besser.

Bild: © Daimler

In einer mehrjährigen Untersuchung "share" gingen das Öko-Institut und das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt dem sogenannten free-floating Carsharing am Beispiel von Car2Go in Stuttgart, Köln und Frankfurt auf den Grund. Die Ergebnisse in punkto Umwelt- und Verkehrsentlastung sind eher ernüchternd. "Veränderungen bei der Verkehrsmittelwahl durch die Nutzung von Car2Go allein bewirken – insgesamt gesehen – keine Treibhausgasminderungen", bilanzieren die Autoren der Studie, die vom Bundesumweltministerium gefördert wurde.

Zwar schafften bis zu 2,6 Prozent der Nutzer ihr eigenes Auto ab und auch die Nutzung von Bahn und Bus litten nicht unter dem Angebot. Doch waren auf den Straßen insgesamt mehr Car2Go-Autos unterwegs als abgeschafft wurden. Zum anderen kauften viele der meist jüngeren und gut gebildeten Carsharing-Nutzer im Laufe der Zeit zusätzlich ein eigenes Auto. "In dem zweijährigen Untersuchungszeitraum ist sowohl in der Pilot- als auch in der Kontrollgruppe ein signifikanter Anstieg des Pkw-Besitzes von drei bis 15 Prozent je nach Untersuchungsregion zu beobachten – ausgehend von einem alterstypisch niedrigen Niveau", konstatieren die Forscher.

Beispiel Bremen: Weniger Autos mit stationsbasiertem Carsharing

Dagegen zeigt eine aktuelle Studie der Stadt Bremen, dass das dortige stationsbasierte Carsharing stark verkehrsentlastend wirkt. Die 14.000 Nutzer des Carsharing in der Hansestadt haben mehr als 5.000 Pkw abgeschafft oder gar nicht erst angeschafft. Nur knapp 21 Prozent verfügen noch über einen privaten Pkw. Die Studie stellt ausdrücklich fest, "dass das vorhandene Carsharing-Angebot den öffentlichen Verkehr stärkt. Eine Abwanderung von Fahrten von öffentlichen Verkehrsmitteln zum motorisierten Individualverkehr ist nicht zu beobachten." Untersucht wurde das sogenannte stationsbasierte Carsharing der Anbieter Cambio und Move About.

Gunnar Nehrke, Geschäftsführer des Bundesverband Carsharing (BCS) erklärt: "Carsharing ist nicht gleich Carsharing. Eine Diskussion, welche Carsharing-Varianten uns verkehrspolitisch weiterbringen und welche nicht, ist schon seit längerem überfällig. Die Studie share ist dazu sicherlich ein Ansatzpunkt Städte und Kommunen müssen für sich klären, welche Formen des Carsharing sie auf welche Weise fördern wollen."

Meisten Kommunen setzen auf stationsbasiertes Carsharing

Nehrke verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Ergebnisse einer noch unveröffentlichten, von der Europäischen Union geförderten Vergleichsstudie: Diese zeigt auf, dass die kombinierte Nutzung des free-floating Carsharing in Verbindung mit einer Nutzung des stationsbasierten Carsharing ebenfalls zu einer Verkehrsentlastung führt. Zudem verweisen die Autoren der "share"-Studie auf die Vorteile des E-Carsharing durch dessen größeren Beitrag zur Luftreinhaltung und zum Klimaschutz.

In Deutschland gibt es rund 680 Orte mit einem Carsharing-Angebot. Nur in acht Städten wird unter anderem auch Free-floating angeboten. An allen anderen Orten ist das Carsharing stationsbasiert. Auch die Mehrzahl der Carsharing-Fahrzeuge in Deutschland - nämlich rund 11.000 von 18.000 Fahrzeugen – wird nach Angaben des BCS von stationsbasierten Carsharing-Anbietern zur Verfügung gestellt. "Damit ist Deutschland weltweit ein Leitmarkt für das stationsbasierte Carsharing", unterstreicht Nehrke. (hcn)

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