Von Jürgen Walk
Bidirektionales Laden hat Potenzial – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Doch ein Selbstläufer werden die Varianten Vehicle-to-Home (V2H), Vehicle-to-Grid (V2G) oder Vehicle-to-Business (V2B) nicht. Das zeigt eine Umfrage der Stuttgarter E-Mobilitätsberatung U-Scale.
Demnach ist ein knappes Drittel der Besitzer von Elektroautos prinzipiell bereit, ihr Fahrzeug auch als Energiespeicher zu nutzen. Das Interesse der Kunden ist also da – doch für den Marktdurchbruch braucht es überzeugende Angebote und belastbares Vertrauen.
Eine Zahl unter idealisierten Annahmen
30 Prozent der Befragten können sich also grundsätzlich vorstellen, bidirektionales Laden zu nutzen. Aus Sicht von U-Scale ist das ein starkes Signal. Aber: Die Befragten haben eine Technologie bewertet, ohne dass ihnen alle technischen, regulatorischen oder finanziellen Rahmenbedingungen bekannt waren. Damit gelte die Zahl also unter idealisierten Annahmen.
In der Realität dürfte der Anteil geringer ausfallen, heißt es bei U-Scale. "Wenn wir vorsichtig kalkulieren und diesen Wert halbieren, bliebe ein Potenzial von etwa 15 Prozent". Genau hier verlaufe die kritische Schwelle zwischen den Early Adoptern und der Early Majority – also jener Phase, in der sich entscheidet, ob sich eine Innovation langfristig im Markt etabliert.
Anbieter dürften nicht darauf vertrauen, dass sich bidirektionales Laden von allein in großem Stil durchsetzen wird. "Vielmehr müssen sie sehr genau analysieren, welches Angebot funktioniert und welches nicht, wer es nutzt, wer warum nach dem Honeymoon wieder aussteigt und wie der Sprung in den Massenmarkt gelingt", so die Empfehlung der Berater.
Bei V2G liegen die Vorteile vor allem bei Netzbetreibern und Energieversorgern. Damit Fahrer tatsächlich einsteigen, müssen die erwarteten finanziellen Vorteile nennenswert sein. Die Befragten erwarten eine Vergütung, die deutlich über dem Einkaufspreis liegt, lautet die Empfehlung.
Bei V2H profitieren dagegen vor allem die Nutzer selbst. Die Mehrheit ist laut Studie bereit, bis zu 1500 Euro in eine passende Wallbox und die Fahrzeugtechnik zu investieren, um V2H nutzen zu können. Sind die Kosten dafür zu hoch, lohnt sich V2H für die Kunden nicht.
