Die Verfügbarkeit öffentlicher Ladeinfrastruktur wird häufig zum wichtigsten Indikator für Erfolg oder Misserfolg der Elektromobilität erkoren. Doch tatsächlich sind in Deutschland rund drei Viertel aller Ladevorgänge „privat“, finden also entweder an der heimischen Wallbox oder beim Arbeitgeber statt. Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur hat daher Ergebnisse einer umfangreichen Studie zum privaten Laden vorgestellt.
Die Untersuchung gibt Aufschluss über die Kaufgründe, Kosten und Herausforderungen privater Ladeinfrastruktur. Mehr als 50.000 Teilnehmer haben den Fragebogen vollständig ausgefüllt.
Das Revier der Wallbox ist die private Garage
Angefragt wurden Käufer einer Wallbox, die dafür eine Förderung beantragt hatten. Grundvoraussetzung für den Aufbau privater Ladeinfrastruktur ist die Verfügbarkeit privater Stellplätze. Das trifft vor allem für Einparteienhäuser zu – 84 Prozent der Teilnehmer haben die Wallbox an einem Einparteienhaus installiert. Da wiederum wird mehr als die Hälfte der Wallboxen in der privaten Garage eingebaut, es folgen Installationen an Carports und nicht überdachten Stellplätze.
Doch wie viel Zeit nimmt die Einrichtung von privater Ladeinfrastruktur in Anspruch? Mehr als der Hälfte der Befragten gelang die Errichtung der privaten Ladeeinrichtung in ein bis zwei Monaten. Ein knappes Drittel benötigte drei bis fünf Monate. Bei den übrigen rund 20 Prozent dauerte die Errichtung der privaten Ladeinfrastruktur ein halbes Jahr oder länger – Ursachen waren dann meist ein Problem bei der Beschaffung, fehlende Elektriker oder technische Schwierigkeiten bei der Installation.
Wie in Mehrparteienhäusern abgerechnet wird
Auch wenn bislang das Einfamilien- oder Reihenhaus dominiert: Künftig bietet auch das Mehrparteienhaus großes Potenzial, insbesondere in Ballungsgebieten. Bezüglich der Zuständigkeiten, der Koordinierung und Genehmigung entsteht dort jedoch zusätzlicher Aufwand, vor allem bei der Abrechnung. Ein knappes Drittel in Mehrparteienhäusern nutzt kWh-genaue Abrechnung direkt am Ladepunkt. Gängige Alternative ist die Abrechnung über den Gemeinschaftsstrom (20 Prozent) oer die Verwendung einer PV-Anlage mit Eigenstrom. (12 Prozent). In geringerem Umfang wird ebenfalls über Differenzzähler abgerechnet, der Strom kostenfrei überlassen, eine Abrechnung je Pkw durchgeführt oder ein sonstiges Abrechnungsmodell angewandt.
Wer über eine private Wallbox verfügt, nutzt öffentliche Ladeinfrastruktur nur noch selten. Nur 8 Prozent geben an, mehr als ein Mal pro Woche öffentlich zu laden. Rund ein Drittel der Befragten verfügt aber auch über die Möglichkeit, beim Arbeitgeber zu laden. Die Hälfte derjenigen, die diese Möglichkeit haben, nutzt sie auch mehrmals wöchentlich oder gar täglich.
Unterschiedliche Lade-Typen
Die Zeiten, in denen geladen wird, variieren deutlich je nach Nutzergruppe. Wer beim Arbeitgeber lädt, tut dies am Vormittag, vor allem zwischen 10 und 12 Uhr. Besitzer einer Solaranlage nutzen den eigenen Sonnenstrom vor allem am Nachmittag. Wer öffentlich lädt, nutzt vor allem die Zeit zwischen 15 und 18 Uhr. Und die übrigen laden meist nach Feierabend ab 18 Uhr bis in die Nacht hinein. (wa)
