In Folge des weiteren Ausbaus der Erneuerbaren, der Sektorenkopplung sowie dem Markthochlauf von Elektromobilität und Wasserstoff wird es umso wichtiger die Energieinfrastruktur integriert zu planen und hierbei das gesamte Energiesystem im Blick zu haben.
Ein Systementwicklungsplan sollte beispielsweise neben Strom, Gas und Wärme auch Flexibilitätspotentiale und Lasten im Blick haben, um Netzausbaupläne und den Infrastrukturausbau möglichst effizient zu gestalten. Hieran arbeitet die Deutsche Energie-Agentur im Rahmen ihrer Netzstudie III.
Rückendeckung für integrierte Netzplanung – Treiber Wasserstoff
Dass eine solche integrierte Betrachtung und eine verstärkte Abstimmung der Netzplanung sinnvoll sind, darüber waren sich Vertreter der Bundesnetz-Agentur (BNetzA), der Fernleitungsnetzbetreiber Gas (FNB Gas) sowie des Verband kommunaler Unternehmen (VKU) bei einem Panel des Dena Energiewende-Kongresses am Montag weitgehend einig.
"Ich glaube einer der wesentlichen Treiber für die Integration der Planung ist das Thema Wasserstoff", unterstrich Achim Zerres, Abteilungsleiter Energieregulierung bei der BNetzA. Denn Wasserstoff sei ein Energieträger, der sowohl die Gasnetzplanung und Stromnetzplanung tangiere. Denn einerseits sei Wasserstoff ein sehr großer Bedarfsträger sein, vor allem dann, wenn er in Süddeutschland produziert werde.
Sinnvolle vorgeschaltete Systementwicklungsplanung
Andererseits könne Wasserstoff auch Nachfrage für Strom schaffen und damit Stromnetze vor allem im Norden Deutschlands entlasten, wenn entsprechend viel erneuerbarer Strom zur Verfügung stehe. Gerade dies seien ja wichtige Aspekte für ein integriertes Planungskonzept, wie sie ein Systementwicklungsplan auf einer vorgelagerten Ebene der Netzplanung anstrebe, so Zerres.
Insbesonders im Hinblick auf den geplanten Markthochlauf von Wasserstoff sieht auch Inga Posch, Geschäftsführerin der FNB Gas einen verstärkten Abstimmungsbedarf mit den Stromnetzbetreibern, so beispielsweise bei der Lokalisierung geeigneter Standorte für Power2Gas-Anlagen. Hierbei könnten "Leitplanken" aus einem vorgeschalteten Systementwicklungsplan sinnvoll für die konkrete Netzplanung sein, so Posch.
Klimaschutzziele in die Gasnetzplanung integrieren
Gerade bei der Integration von Wasserstoff in die Infrastruktur sei es wichtig, nicht nur wie bisher bei Gasnetzen über einen Zeitraum von fünf Jahren vom Bedarf her zu planen, sondern wie bei der Stromnetzplanung einen zehnjährigen Szenariorahmen anzulegen, sagte Posch. Wichtig sei zudem auch bei der Gasnetzplanung Klimaschutzziele und -aspekte zu integrieren.
Trotzdem müssten kurzfristige Nachfrageaspekte weiterhin mit in die Planung einfließen, um die Versorgungssicherheit gewährleisten, unterstrich Posch. Zudem schreibe ja derzeit auch der europäische Rechtsrahmen eine Kapazitätsplanung bei Gasnetzen vor, ergänzte Zerres.
Verteilnetze und Sektorkopplung bisher zu wenig berücksichtigt
Zudem sei es wichtig, dass die BNetzA als ausführende Behörde über eine künftige Systementwicklungsplanung konkretere politische Vorgaben für weitere Planungsprozesse erhalte. Damit werde auch die konkrete Netzplanung entpolitisiert, so Zerres.
Eine Lanze dafür, die Verteilnetze verstärkt in Planungsprozesse aufzunehmen, brach Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des VKU. Hierbei müsse es gerade darum gehen, auch verstärkt qualitative Aspekte des Ausbaus zu berücksichtigen und intelligente Verteilnetze voranzubringen. Zudem sei die Sektorkopplung, also das Zusammenwachsen von Strom, Wärme und Mobilität, derzeit in den Planungsprozessen für Netze noch nicht abgebildet sei.
Politische Grundsatzentscheidungen nötig
Deshalb sei es sinnvoll, hier zu einer gemeinsamen vorgelagerten Betrachtung im Sinne einer Systementwicklungsplanung zu kommen, bei welcher auch die Verteilnetzebene gebührend berücksichtigt werde, so Liebing. Die Stadtwerke und kommunalen Unternehmen seien dafür jedenfalls bereit.
Wichtig seien jedoch politische Grundsatzentscheidungen, unterstrich Liebing: so beispielsweise bei einer eher dezentralen oder eher großindustriellen und importorientierten Nutzung von Wasserstoff. Denn dies habe ja wichtige Auswirkungen auf die Infrastrukturplanung. Dies könne ein wesentlicher Aspekt einer Systementwicklungsplanung sein.
Vorhandene Infrastruktur für Wasserstoff nutzbar machen
Doch braucht es künftig auch eine eigene Wasserstoffinfrastruktur oder sollten hierfür im Wesentlichen die bisherige Gasinfrastruktur genutzt werden? "Unsere Mitgliedsunternehmen haben vor allem ein Interesse daran, dass die bisherigen Gasnetze nicht entwertet werden", unterstrich Liebing. Es müsse vor allem darum gehen, die vorhandene Infrastruktur für Wasserstoff nutzbar zu machen. (hcn)



