Auf dem Stadtwerkekongress des VKU sprach die Branche davon, was sie bewegt. Ein Topthema ist Corona: "Die Versorgung in Deutschland konnte auch während Corona durchweg aufrecht gehalten werden", sprach Harald Jahnke, Geschäftsführer der Stadtwerke Prenzlau, positiv von der Leistung der Kommunalwirtschaft.
Gerade während der Pandemie wird die gewichtige Rolle der Digitalisierung deutlich: "Wir dürfen die Digitalisierung nicht unterschätzen. Digitale Kanäle müssen genauso bedient werden wie der persönliche Kontakt zu den Bürgern", ergänzte Alireza Assadi, Geschäftsführer der Stadtwerke Oranienburg.
Digitalisierung geht nicht ohne IT-Sicherheit
Besonders die Digitalisierungs-Skeptiker seien stärker von deren Notwendigkeit überzeugt worden, so der Oranienburger Geschäftsführer. Er fuhr mit seinen Beobachtungen fort: "Während Corona waren sie dankbar, dass es parallel digitale Angebote gab, um beispielsweise arbeitsfähig zu bleiben oder seitens der Kunden weiterhin versorgt zu werden."
Aber mit zunehmender Digitalisierung geht auch die Herausforderung der IT-Sicherheit einher. "Cyberkriminalität ist ein schwieriges Thema. Wir setzen hierbei besonders auf gut geschulte Mitarbeiter, die Prozesse steuern können und Produkte einkaufen, die unsere Technik schützen", so der Prenzlauer-Stadtwerkechef Jahnke.
Mitarbeiter müssen geschult werden
Assadi ergänzt dabei: "Über Cybersecurity darf man nicht groß sprechen, sondern man muss es machen. Der größte Schwachpunkt ist der Faktor Mensch. Wir schulen deshalb unsere Mitarbeiter, worauf sie im täglichen Arbeiten achten müssen. Damit eben nicht die falsche E-Mail angeklickt wird oder wie danach reagiert werden sollte."
Aber auch wenn die Versorgung aktuell weiterhin gesichert ist, sah Dirk Sasson, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwedt, kritische Auswirkungen der Energie- und Wärmewende in Kombination mit Corona. Viele Menschen gerieten durch die Pandemie in eine wirtschaftlich schwierige Situation. Der Bund suggeriere aber aktuell, dass die Preise sinken sollen.
Macht die Preissteigerung Stadtwerke zu Buhmännern?
Jedoch stünden vor dem Hintergrund der CO2-Bepreisung eher Preissteigerungen bei den fossilen Brennstoffen vor der Tür, die sich vor allem auf die Wärmepreise auswirken würden. "Ich denke, die Preise werden durchaus um sieben bis zu neun Prozent ansteigen. Es sind letztendlich gewollte Effekte der Politik, um ein Umdenken voranzutreiben. Aber Stadtwerke stehen dann bei der Preissteigerung als die Buhmänner dar", kritisierte Sasson und Jahnke stimmte dem zu.
Gunter Haase, Geschäftsführer der Stadtwerke Brandenburg, ergänzte: "Wir müssen ehrlich mit dem Thema Energiewende umgehen. Es wird nicht preiswerter, sondern die Preise steigen. Wichtig ist, dass die Politik die gerechte Verteilung der Kosten im Blick behält."
Ruhe in die rechtliche Situation kommen lassen
Darüber hinaus, so Jahnke, wäre es wünschenswert, wenn die Kommunalwirtschaft nicht mehr "so stark von Veränderungen getrieben" werde. "Jedes Jahr kommen neue Gesetzesfassungen, die wir beachten müssen. Unsere Systeme müssen gar darauf umgestellt werden." Es könne ruhiger zugehen. Wichtiger seien Vereinfachungen bei den Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien. (gun)
