Wissenschaftler des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien treffen sich zur Jahrestagung im Umweltforum Berlin.

Wissenschaftler des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien treffen sich zur Jahrestagung im Umweltforum Berlin.

Bild: © FVEE

Um das Ziel eines klimaneutralen Energiesystems bis spätestens 2050 zu erreichen, habe die Bundesregierung einen ersten Schritt in die richtige Richtung gesetzt, es seien die passenden Themen adressiert worden, sagte Hans-Martin Henning, Institutsleiter des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, am Dienstag in Berlin zum Auftakt der FVEE-Jahrestagung. Henning nannte vor allem die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung, die Pläne für die E-Ladeinfrastruktur oder die Bemühungen um weitgehend CO2-freie Produktionsprozesse in der Industrie. Auch über die Möglichkeiten einer CO2-Einspeicherung müsse in Deutschland wieder nachgedacht werden. 

Bei dem gewählten Modell zur CO2-Bepreisung sei zwar der generelle Einstieg in ein solches System als „extrem wichtig“ zu bewerten, sagte der Instituts-Chef weiter. Doch werde das „Preissignal bei weitem nicht ausreichen“. Um etwa den Einbau von Wärmepumpen in einem Einfamilienhaus anzureizen, seien CO2-Zertifikatepreise von 20 bis 30 Euro je Tonne notwendig. Im Verkehrssektor müsse der CO2-Preis noch „deutlich höher“ liegen, erklärte Henning. Zudem seien dort weitere Maßnahmen geboten, etwa für die Verkehrsvermeidung und -verlagerung. Der Personennahverkehr müsse attraktiver werden, im Güter- und Luftverkehr stellten künftig mit regenerativer Energie erzeugte synthetische Kraftstoffe einen wichtigen Baustein dar.

Deutschlands Importbedarf an grünem Strom

Vor allem angesichts der Umstellung auf eine CO2-ärmere Produktion in der Industrie werde künftig die Frage nach dem Importbedarf Deutschlands von grünem Strom und grünem Wasserstoff aufgeworfen, sagte FVEE-Sprecher Harald Bolt, Vorstand des Forschungszentrums Jülich. „Diese Diskussion muss von der Politik geführt werden“, erklärte Bolt. Im Mittelpunkt stehe dabei auch die Frage, „welche Technologien an welchem Standort am wettbewerbsfähigsten sind“. Den Stromverbrauch Deutschlands in einem weitgehend klimaneutralen Energiesystem bezifferte Bolt auf rund 1.000 Terawattstunden (TWh).

Die effiziente Elektrizitätsübertragung über sehr lange Strecken mit HGÜ-Leitungen habe in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht, sagte Joachim Knebel vom Karlsruher Institut für Technologie KIT. Vor Jahren gescheiterte Projekte wie das Vorhaben „Desertec“ zur Stromproduktion in großem Maßstab in Nordafrika könnten dadurch heute eine weitaus größere Akzeptanz bekommen. Die exportfähige Stromproduktion in sonnenreichen Regionen rücke dadurch in greifbarere Nähe. (hil)          

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