Schon lange in Brüssel tätig: Klaus-Dieter Borchardt ist stellv. Generaldirektor der EU-Kommission und Koordinator der Energiepolitik.

Schon lange in Brüssel tätig: Klaus-Dieter Borchardt ist stellv. Generaldirektor der EU-Kommission und Koordinator der Energiepolitik.

Bild: © Europäische Kommission

Klaus-Dieter Borchardt, stellvertretender Generaldirektor Energie der EU-Kommission, hat auf dem 14. Deutschen Energiekongress davor gewarnt, zu glauben, dass man die Klimaziele allein durch eine Elektrifizierung der Wirtschaft erreichen könne. "Wir haben Industrieprozesse für Temperaturen, die Sie über elektrische Prozesse nicht erreichen können". Die Speicherkapazitäten würden hierzu ebenfalls nicht ausreichen, auch sei das Ganze zu kostspielig.

Vielmehr sollte die Energeiwirtschaft weiter mit Gas rechnen. Die EU-Kommission rechne über einen sehr langen Zeitraum mit Gas. "Die nächsten zehn bis 15 Jahre gebe es keine Alternative zum Gas. Dort wo aus der Kohle ausgestiegen werde, erwartet Borchardt den Umstieg auf Gas.

Wasserstoff noch in den Kinderschuhen

Wasserstoff zu produzieren sei richtig und wichtig. Aber dies werde in den nächsten 15 Jahren nicht die Mengen liefern, "die wir für unser System zum Decken brauchen", sagte Borchardt. Allerdings werde auch irgendwann der Überschussstrom in Deutschland nicht mehr ausreichen. Daher müsse man die Skalierung hinbekommen, man brauche mehr Kapazitäten beim Wasserstoff.

Probleme bereite auch der regulatorische Rahmen: So lange die Elektrolyse selbst als Verbraucher angesehen werde, werde man bei der Wasserstoffproduktion niemals auf schwarze Zahlen kommen, so Borchardt.

Wasserstoff nicht die Lösung aller Probleme

Die EU-Komission plane zudem, Demo-Projekte in einen "Sandkasten" zu stecken, wo wesentliche regulatorische Zwänge nicht gelten sollen, um zu zeigen, dass bestimmte Technologien funktionieren.

Allerdings: "Was ich im Moment erlebe auf Konferenzen ist so eine Art Wasserstoffhype. Alle Welt glaubt, wir können mit Wasserstoff unsere Energiewende unter Dach und Fach bringen. Ich warne davor", so Borchardt. Er erwarte nicht, dass man wie mit Erdgas ein ebenso weitverzweigtes Wasserstoffnetz bekomme. Zudem müsse man Märkte entwickeln, wo Wasserstoff direkt eingesetzt werde.

Import von Wasserstoff

Ja, Wasserstoff werde ein wichtiger Faktor, "aber das wird eine Zeitlang dauern, bis wir vernünftige Mengen des grünen Wasserstoffs erzeugen können", bilanziert Borchardt. Im nächsten Schritt gehe es dann darum, den Stromsektor mit dem Gassektor zu koppeln.

Wenn man aber auf Wasserstoff umstelle, müsse man sich über ausländische Importe unterhalten. "Wir werden nach wie vor in unserem System von Importen abhängig sein." (sg)

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