Hauseigentümer Jan Erichsen (3. v. r.) zusammen mit dem Mieterstrom-Team auf dem Dach des Hauses Methfesselstraße 10 in Hamburg.

Hauseigentümer Jan Erichsen (3. v. r.) zusammen mit dem Mieterstrom-Team auf dem Dach des Hauses Methfesselstraße 10 in Hamburg.

Bild: © Christine Lutz / Greenpeace Energy

Ein neues Mieterstromprojekt hat Greenpeace Energy in Hamburg in Betrieb genommen, wie der Ökoenergieversorger mitteilte. In dem Altbau im Stadtteil Eimsbüttel können Mieterinnen nun direkt Sonnenstrom vom Hausdach beziehen. Möglich macht das eine eigens errichtete Solaranlage.

"Wir freuen uns, dass wir dieses Projekt hier erfolgreich umsetzen konnten", wird Nils Müller, Vorstand von Greenpeace Energy in der Pressemitteilung zitiert. "Wenn es bald eine höhere Förderung für Mieterstrommodelle gibt, hoffen wir auf eine größere Zahl solcher Projekte. Dies ist dringend notwendig, denn gerade in älteren Gebäuden ist Mieterstrom eine komplexe Herausforderung."

Zusätzlich benötigter Ökostrom für Mieter zehn Prozent günstiger

So musste in dem Haus in der Methfesselstraße 10 der etwa 100 Jahre alte Dachstuhl verstärkt werden, damit dieser die Solaranlage und nötiges Zubehör sicher tragen kann. Die 18,6 Kilowatt  Photovoltaik-Anlage kann mehr als 13.000 Kilowattstunden Strom im Jahr liefern – die eine Hälfte davon wird direkt im Gebäude verbraucht, die andere Hälfte ins öffentliche Netz eingespeist.

Zusätzliche Ökostrom-Mengen, die die Mieter nachts oder zu anderen Zeiten mit geringer Solarstromproduktion benötigen, liefert Greenpeace Energy günstig als Teil eines speziell zugeschnittenen Mischtarifs. Darin ist für die teilnehmenden Mietparteien der Arbeitspreis pro Kilowattstunde zehn Prozent günstiger als der Basistarif "Ökostrom aktiv" der Energiegenossenschaft.

Hohes Potenzial an Dachflächen bei Bestandsbauten

Durch die Teilnahme am Mieterstrommodell kann die Hausgemeinschaft hier im Vergleich zum konventionellen Strombezug jährlich fast sechs Tonnen klimaschädliches CO2 einsparen. "Die Mieter können selbst zu Akteuren einer dezentralen und klimafreundlichen Energiewende werden", so Jan Erichsen, der Eigentümer des Hauses. "Wir hoffen, dass unser Beispiel Schule macht", sagt er.

In Bestandsbauten ist das Potenzial an nutzbaren Dachflächen für den Klimaschutz um ein Vielfaches größer als bei Neubauten. Mieterstrommodelle in Altbauhäusern sind in Deutschland bisher die Ausnahme, denn entsprechende Anlagen lassen sich leichter in Neubauprojekten umsetzen.

Oftmals höhere Kosten und Aufwand - Hoffnung auf das neue EEG

Die oftmals höheren Kosten bei Bestandsbauten sowie eine derzeit nur geringe staatliche Förderung haben bisher viele Eigentümer von einer solchen Investition abgehalten. Seit der Einführung der Mieterstromförderung im Jahr 2017 wurde im Rahmen von Mieterstromvorhaben bisher nur ein Bruchteil der von der Politik anvisierten 500 Megawatt installiert.

In der aktuell anstehenden Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) stellt die Bundesregierung nun höhere Zuschüsse für Mieterstrommodelle sowie den Abbau bürokratischer Hürden in Aussicht. "Dieser Schritt ist absolut notwendig, um auch Mieterstromprojekte in Bestands- und Altbauten endlich wirtschaftlicher zu machen", so Müller.

Am Freitag erste Lesung EEG 2021 im Bundestag

Am Freitag, 30. Oktober, debattiert der Deutsche Bundestag in erster Lesung über vom Bundeskabinett verabschiedeten Entwurf für ein EEG 2021. (hcn)

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