Der prognostizierte Finanzierungsbedarf im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) fällt für das kommende Jahr höher aus als bislang eingeplant. Die Übertragungsnetzbetreiber, die das EEG-Konto verwalten, melden insgesamt 17,5 Milliarden Euro an. Das ist rund eine Milliarde Euro mehr als im Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2027 vorgesehen und fast eineinhalb Milliarden Euro mehr, als im Vorjahr für das Jahr 2026 prognostiziert wurde. Das geht aus der neuen EEG-Kostenprognose hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Seit 2023 werden die EEG-Kosten aus dem Bundeshaushalt beglichen.
Laut Gutachten entfällt der Großteil der Kosten auf die Solarenergie (9,6 Milliarden Euro). Es folgen die Biomasse (3,4 Milliarden Euro), Windenergie auf See und Windenergie an Land (jeweils 1,3 Milliarden Euro). Bei den Zahlen handelt es sich nicht um reine Förderzahlungen, sondern um die Differenz aus Vergütungszahlungen und Erlösen bei der Vermarktung von erneuerbaren Energien.
Teil des Finanzierungsbedarfs ist zudem eine Liquiditätsreserve. Diese beträgt 1,6 Milliarden Euro.
EEG-Kosten zuletzt gesunken
Die laut Prognose steigenden EEG-Kosten würden eine Trendwende bedeuten. Nach einem unerwarteten Hoch im Jahr 2024 sind die EEG-Kosten zuletzt gesunken. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Kosten auf 16,5 Milliarden Euro. In diesem Jahr könnte der Betrag noch kleiner ausfallen. Bis einschließlich September betrugen die Kosten in diesem Jahr 11,8 Milliarden Euro.
Entlastend wirkten dabei vor allem gestiegene Stromgroßhandelspreise. Prinzipiell gilt: Je höher die Strompreise auf den Strommärkten sind, desto wirtschaftlicher sind erneuerbare Energien. Desto weniger müssen sie staatlich bezuschusst werden.
Etwas Spielraum gibt dem Bund das EEG-Konto. Das Guthaben stieg seit Anfang des Jahres um 800 Millionen Euro auf zuletzt 2,3 Milliarden Euro.
Wichtige Begriffe
Zur Erklärung
Förderzahlungen: Geld, das an Betreiber von EEG-Anlagen ausgezahlt wird — etwa als Einspeisevergütung, Marktprämie oder Flexibilitätsprämie. In der FfE-Prognose werden diese Zahlungen bereits abzüglich vermiedener Netzentgelte ausgewiesen.
EEG-Finanzierungsbedarf: Der Betrag, der nach Gegenrechnung der Vermarktungserlöse und sonstiger Einnahmen tatsächlich finanziert werden muss. Zusätzlich werden weitere Systemkosten und die Liquiditätsreserve berücksichtigt.
EEG-Kosten: Die Differenz aus Gesamteinnahmen und -ausgaben auf dem EEG-Konto, abzüglich des Bundeszuschusses.
Strompreisprognose für 2027: 96 Euro pro MWh
Für die 2027-Prognose haben die Autoren einen durchschnittlichen Strompreis von 96 Euro pro Megawattstunde (MWh) angesetzt. Die Prognose wurde auf Basis von Terminmarktnotierungen an der Energiebörse EEX von Anfang Mai bis Ende Juli 2026 ermittelt.
Bei einer späteren Ermittlung für den Zeitraum Juli bis Oktober 2026 hätte der Durchschnittspreis für Grundlaststrom im Jahr 2027 laut Gutachten bei etwa 113 Euro pro MWh gelegen. Sollte das höhere Preisniveau tatsächlich eintreten, könnten die EEG-Förderzahlungen und damit auch der Finanzierungsbedarf niedriger ausfallen.
Die EEG-Kosten bestimmen auch die Verhandlungen zwischen Union und SPD zur EEG-Reform. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will beispielsweise die Einspeisevergütung für kleine Solaranlagen streichen. Die SPD um Verhandlerin und Bundestagsabgeordnete Nina Scheer stemmt sich dagegen.
Im Regierungsentwurf steht zudem ein Pachtdeckel, der für neue Windenergie-an-Land-Flächen gelten soll. Der Widerstand dagegen ist sowohl in Teilen der Energiebranche als auch bei Kommunen und im Bundesrat groß. Einen Pachtdeckel befürworten der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB).
Reiche warnt vor Entschärfung der EEG-Reform
Nach Beschluss des EEG-Gesetzentwurfs im Kabinett warnte Reiche vor einer Abschwächung der EEG-Reform. "Im parlamentarischen Verfahren wird es sicherlich darauf ankommen, die Kosten nicht aus dem Blick zu verlieren und das politisch Wünschenswerte mit dem Kern der Novelle zu verbinden: den Ausbau der erneuerbaren Energien kosten- und systemeffizient auszugestalten", sagte sie.
Wie gesetzlich vorgesehen, veröffentlichten die Übertragungsnetzbetreiber am Montag auch die Mittelfristprognose zur deutschlandweiten Stromerzeugung aus EEG-Anlagen sowie zu damit verbundenen Förderzahlungen. Verfasst wurde der Bericht diesmal von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) in München.
Förderzahlungen steigen bis 2029
Demnach steigen die Förderzahlungen im sogenannten Trendszenario bis 2029 – auf dann 22,3 Milliarden Euro. Danach gehen sie zurück. Für das Jahr 2031 werden 20,6 Milliarden Euro prognostiziert. Nicht berücksichtigt sind etwaige Auswirkungen der EEG-Reform, die 2027 in Kraft treten soll.
Grundlage für die Mittelfristprognose sind Strompreisprognosen bis 2031. Demnach sinken die Preise nach 2027 (96 Euro pro MWh) weiter. Für 2030 wurde ein durchschnittlicher Strompreis von 70 Euro pro MWh angenommen.