Der Finanzvorstand von Enercity, Marc Hansmann (SPD), hat bei der OB-Wahl in Hannover nur 23,5 Prozent der Wähler für sich gewinnen können. Im ersten Wahlgang am Sonntag setzten sich gleichauf der Grünen-Kandidat Belit Onay und der CDU-Bewerber Eckhard Scholz mit jeweils 32,2 Prozent für die Stichwahl in zwei Wochen durch, nur 49 Stimmen liegen die beiden auseinander. Auslöser der vorzeitigen Wahl in Hannover war die "Rathausaffäre".
Im Zuge dessen war der bisherige Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) Ende April wegen seiner Verstrickung in die Affäre um unzulässige Gehaltszuschläge und einer Untreueanklage zurückgetreten. "In den letzten Monaten ist das Vertrauen vieler Bürger in die Führung der Stadt durch die SPD verloren gegangen", reagierte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der bis 2013 selber Oberbürgermeister der Landeshauptstadt war.
SPD stellten OB seit 1946
Die Sozialdemokraten hatten seit 1946 durchgängig den Oberbürgermeister in Hannover gestellt. "Vorhin war ich fast kurz am Weinen", sagte Hansmann (49), der ehemalige Stadtkämmerer und Vorstand von Enerciy am Sonntag. Sicher habe die Rathausäffare eine große Rolle gespielt "Vielleicht habe ich auch als Person nicht die Stimmen gezogen, wie meine Partei und ich mir das erhofft haben." Er sei enttäuscht und traurig, erklärte Hansmann.
Auf Anfrage der ZfK teilte ein Sprecher von Enercity mit, dass Hansmann nun wie vor der OB-Kandidatur weiterhin im Vorstand des Energieversorgers verbleibe und seine Arbeit am kommenden Freitag aufnehmen wird. Hansmann ist seit April 2017 im Vorstand des Hannoveraner Regionalversorgers.
Stichwahl in Mainz am 10. November
In Rheinland-Pfalz wird die Entscheidung im Rennen um den Chefsessel im Mainzer Rathaus erst in zwei Wochen fallen. Der Amtsinhaber und VKU-Präsident Michael Ebling (SPD) trifft dabei auf den von der CDU unterstützten parteilosen Herausforderer Nino Haase. Keiner der insgesamt fünf Bewerber hatte es in der ersten Runde geschafft, die erforderliche absolute Mehrheit von mehr als 50 Prozent der Stimmen zu erreichen. Ebling erhielt nach dem vorläufigen Endergebnis 41,0 Prozent der Stimmen. Der 35-jährige Haase kam auf 32,4 Prozent.
Am Wahlabend sagte Ebling, er werde in den nächsten zwei Wochen alles tun und "den letzten Mainzer und die letzte Mainzerin davon überzeugen, dass es gut ist, wenn es dann am 10. November so ausschaut, dass ich meine zweite Halbzeit antreten kann." Als wichtigste Themen nannte Ebling den Ausbau des ÖPNV, eine engagierte Klimapolitik und den sozialen Zusammenhalt in der Stadt. (pm/dpa)
