„Deutschland ist extrem erfolgreich bei der Energieeffizienz und bei den CO2-Einsparungen“, stellt BDEW-Chef Stefan Kapferer zur Stromerzeugung fest.

„Deutschland ist extrem erfolgreich bei der Energieeffizienz und bei den CO2-Einsparungen“, stellt BDEW-Chef Stefan Kapferer zur Stromerzeugung fest.

Bild: © BDEW

Der Ausbau der Netze hat für Kapferer oberste Priorität, um die Integration von Strom aus erneuerbaren Energien in die Wirtschaft zu ermöglichen. Doch zugleich sieht er deutlichen Bedarf beim Ausbau der regenerativen Energieerzeugung und fordert hier die Bundesregierung auf, besonders Windkraft offshore voran zu bringen. Um die schon heute erkennbare Lücke bei der Stromerzeugung zu schließen, führe kein Weg am Zubau von Gaskapazitäten vorbei.

Aus Sicht des Hauptgeschäftsführers des BDEW würde dies besonders durch Gasmotoren und die Umrüstung von KWK-Kohlekraftwerken auf Erdgas erfolgen – sofern die Rahmenbedingungen für Gaskraftwerke verbessert würden.

Er sieht im Markt jedoch aktuell keine Anreize für den Neubau von Gaskraftwerken. „Derzeit sind deutschlandweit nur vier Gaskraftwerke in Bau. Das ist bei weitem zu wenig“, hob Kapferer hervor. Wenn sich bis 2022 an den Rahmenbedingungen nichts ändere, werde es zu Schwierigkeiten in der zweiten Hälfte der nächsten Dekade kommen. Der BDEW hält besonders verstärkte Anreize für die Umrüstung von Kohle-KWK auf Gas für sinnvoll.
Energiewirtschaft klimapolitisch auf dem Pfad.

Deutscher Primärenergieverbrauch liegt auf Niveau Anfang der 1970er Jahre

„Deutschland ist extrem erfolgreich bei der Energieeffizienz und bei den CO2-Einsparungen“, stellt Kapferer zur Stromerzeugung fest. Der Primärenergieverbauch liege auf dem Niveau Anfang der 1970er Jahre. Und das obwohl seit dem die Wirtschaftsleistung und auch die Bevölkerung stark gestiegen sei. Die Energiewirtschaft habe dieses Wachstum durch große Effizienzsteigerungen kompensiert.

Durch den Umbau der Energieerzeugung hin zu erneuerbaren Energieträgern habe die Minderung der CO2-Emissionen gegenüber 1990 rund 33 Prozent betragen. Die deutsche Energiewirtschaft sei damit auf dem zielführenden Weg und werde 2030 die im Klimaschutzplan erwarteten 61 bis 62 Prozent schaffen.

Allerdings sei eine entscheidende Frage, wie die zurückgehenden Kapazitäten durch das Abschalten von Atomkraftwerken und Kohlemeilern ersetzt würden. Die Bruttostromerzeugung pendle seit vielen Jahren um 650 TWh. Davon lieferten Atom- und Kohlekraftwerke aktuell 47 Prozent. „Diese müssen in den nächsten 19 Jahren ersetzt werden oder die entsprechende Energiemenge muss eingespart werden“, so Kapferer.

"Die Hoffnung massiver Einsparungen ist keine realistische Perspektive"

Die Chancen, durch Energieeinsparungen große Erfolge zu erzielen, sieht der BDEW-Chef jedoch als gering an. Der Stromverbrauch in Deutschland sei bestenfalls gleichbleibend. Schließlich kämen energieintensive Anwendungen wie Heizen, Fahren und Blockchain in den nächsten Jahren hinzu. „Die Hoffnung massiver Einsparungen ist keine realistische Perspektive“, stellt Kapferer klar.

Ab 2023 werde es nach der Einschätzung des BDEW zu einer Unterdeckung bei der gesicherten Kraftwerkskapazität kommen. Für dieses Jahr sei das noch vertretbar, da es große fast grundlastartige Kapazitäten bei den Erneuerbaren gäbe und auch der europäische Binnenmarkt Lücken ausgleichen könne. Jedoch dürfe nicht ausgeblendet werden, dass auch die Nachbarländer Deutschlands ihre Energiesysteme umbauen und daher langfristig dort ähnliche Probleme auftreten wie in Deutschland. (vo)

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