ZfK: Was bringt der Einsatz von E-Bussen? Können Sie wirklich einen wesentlichen Beitrag zur Luftreinhaltung in den Städten leisten?
Flasbarth: E-Busse werden die Umweltsituation in den Städten verbessern: Sie sind sauberer und leiser. Wie stark das wirkt, hängt immer von der konkreten Situation vor Ort ab. Wir wissen aus den Luftreinhalteplänen der Städte, dass es in Straßen, wo viele Busse fahren, rasch signifikante Effekte geben kann. Zum Beispiel in Wiesbaden. So oder so reduziert jeder Elektrobus aber die Stickoxid-Belastung insgesamt und hilft damit, die Luft in den Städten sauberer zu machen.
Können hierdurch auch Fahrverbote in den Städten vermieden werden?
Eine Maßnahme alleine reicht meistens nicht. Aber in vielen Städten spielt die Umstellung der ÖPNV-Busse auf Elektroantrieb eine wichtige Rolle im Maßnahmen-Mix, etwa in Wiesbaden, Mainz, Hamburg oder Berlin. Zusammen mit anderen Aktivitäten können also auch Elektrobusse helfen, Fahrverbote zu vermeiden.
Sind denn die Fahrzeuge genügend praxistauglich, beispielsweise was die Reichweite betrifft?
In vielen Städten, gerade außerhalb von Deutschland und Europa sind Elektrobusse inzwischen im Dauereinsatz. Und Verkehrsunternehmen hierzulande, die als erste Elektrobusse regulär im Fahrplan eingesetzt haben, berichten, dass die Busse inzwischen annähernd so zuverlässig sind wie Dieselbusse. Wenn sie ausfallen, dann meistens nicht, weil der Elektroantrieb streikt, sondern weil ganz normale Teile am Bus kaputtgehen – die Fenster oder die Türen. Dinge also, die auch bei Dieselbussen mal zu Problemen führen. Bei den Reichweiten hat es schon enorme Fortschritte gegeben, aber da muss sich aus meiner Sicht noch mehr tun. Mit Lademöglichkeiten an Endhaltepunkten kann man zudem in vielen Fällen die Abläufe optimieren. Immer mehr Verkehrsunternehmen setzen sich ernsthaft mit dem Thema auseinander.
Gibt es mittlerweile auch E-Busse deutscher Hersteller?
Ich habe mich gefreut als ich gehört habe, dass jetzt auch der Marktführer bei den ÖPNV-Bussen hier aus Deutschland in die Serienfertigung eingestiegen ist. Das ist ein gutes Zeichen für den gesamten Markt. Allerdings muss sich das Angebot noch weiter verbessern. Wir brauchen nicht nur Solo- sondern auch Gelenkbusse mit ausreichender Reichweite. Und es müssen die Produktionskapazitäten ausgeweitet werden. Nur zwei bis drei Busse pro Jahr zu produzieren reicht bei weitem nicht mehr aus.
In welchem Umfang fördern Sie die Beschaffung von E-Bussen durch Kommunen bzw. kommunale Unternehmen?
Bei uns im Bundesumweltministerium können Verkehrsunternehmen eine Förderung von bis zu 80 Prozent der Investitionsmehrkosten für reine Elektrobusse, also Batteriebusse, bekommen. Die Ladeinfrastruktur und weitere Aufwendungen, wie in der Werkstatt oder für Schulungen fördern wir mit 40 Prozent. Das ist auch der Fördersatz für Plug-In-Hybridbusse. Wenn die EU-Kommission zustimmt, werden wir die Fördersumme noch einmal um 180 Mio. Euro erhöhen – über das Sofortprogramm Saubere Luft gezielt für die Städte, die den Stickoxid-Grenzwert überschreiten. Hinzu kommen noch weitere Mittel, so dass auch in Städten ohne Grenzwertüberschreitung eine Förderung möglich ist.
Deckt dies den Bedarf?
Das wird sich zeigen. Voraussichtlich wird es eine neue Förderrunde geben, bei der bis zum 30. April 2019 Projektskizzen eingereicht werden können. Danach wissen wir mehr. Ich gehe davon aus, dass wir am Ende rund 850 Elektrobusse fördern können. Das ist auf jeden Fall ein großer Teil dessen, was in den Kommunen geplant wird und deutlich mehr als bisher auf den Straßen unterwegs ist.
Bis wann rechnen Sie damit, dass sich der Einsatz von E-Bussen in Kommunen auch förderfrei rechnet?
Ich halte die Differenzkosten zu einer absehbar nicht zukunftsfähigen Technologie nicht für den richtigen Maßstab. Die Kommunen müssen ihre Flotten so umstellen, dass sie einen sauberen, modernen, bequemen und klimaverträglichen ÖPNV ermöglichen. Dabei helfen wir jetzt, um einerseits schnell in den belasteten Städten für Entlastung zu sorgen und andererseits den Markthochlauf von Elektrobussen zu unterstützen. Ich bin zudem zuversichtlich, dass sich über die reinen Anschaffungskosten hinaus geringere Energie- und Betriebskosten zunehmend positiv auf die Wirtschaftlichkeit auswirken.
Das Interview führte Hans-Christoph Neidlein
