Die Biogasanlagen von Mitnetz kommen jetzt ohne die Beimengung von fossilem Gas aus.

Die Biogasanlagen von Mitnetz kommen jetzt ohne die Beimengung von fossilem Gas aus.

Bild: © Mitnetz

Einigkeit bestand bei einer Online-Konferenz des Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) am Mittwoch darüber, dass grüner Wasserstoff eine tragende Säule der Energiewende ist und dass Gasverteilnetze hierfür der Backbone sind.

Doch vor allem Ingrid Nestle, energiepolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion, warnte vor aus ihrer Sicht überzogenen Erwartungen für eine Anwendung im Bereich der Raumwärme innerhalb der kommenden Dekade.

14 TWh heimischer grüner Wasserstoff bis 2030 längst nicht genug

Denn der in den nächsten Jahren noch absehbar knappe grüne Wasserstoff werde vor allem zur notwendigen Dekarbonisierung der Grundstoffindustrie in Deutschland benötigt, argumentierte Nestle.

Sie verwies darauf, dass laut der Nationalen Wasserstoffstrategie bis zum Jahr 2030 der Aufbau von heimischen Erzeugungskapazitäten für 14 Terrawattstunden (TWh) grünem Wasserstoff vorgesehen seien. "Doch wir brauchen allein 50 bis 60 Terrawattstunden, um die Stahl- und Chemieindustrie in Deutschland zu halten", so Nestle.

EE-Ausbaumengen und H2-Erzeugungskapazitäten zu knapp angesetzt

Die im derzeitigen EEG-Entwurf der Bundesregierung vorgesehenen Zubaumengen der erneuerbaren Energien reichten nicht einmal für den Kohleausstieg und „geschweige denn für Wasserstoff“. „Ich habe ja nichts dagegen, dass jemand mit Wasserstoff heizt. Aber ich sehe nicht, wo wir in den nächsten 10 Jahren die Mengen dafür herbekommen“, unterstrich Nestle.

Zudem gebe es ja auch ein Stromverteilnetz und moderne Wärmepumpen, welche im Effizienzvergleich mit wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen zur Wärmeversorgung deutlich besser abschnitten, so die grüne Energiepolitikerin.

Wann Wasserstoff in welche Anwendung bringen

Aus ihrer Sicht stelle sich vor allem die Frage, "in welchem Zeitraum gehen wir mit dem Wasserstoff wo in die Anwendung rein". Jedenfalls sollte die Frage des Wasserstoffhochlaufs nicht getrennt von einem stärkeren Ausbau der Erneuerbaren diskutiert und geplant werden, so Nestle.

Auch Karl Holmeier, Bundestagsabgeordneter der CDU/CSU Fraktion, wies auf die zentrale Bedeutung der Vergrößerung der heimischen Erzeugungskapazitäten für grünen Wasserstoff hin – im Mix mit Importen.

Zentrale Rolle von Wasserstoff bei der saisonalen Speicherung

Doch Holmeier stellte sich hinter den Ansatz des DVGW, Wasserstoff auch schon innerhalb der kommenden Dekade über die Gasverteilnetze verstärkt für die Wärmeversorgung zu nutzen. Ähnlich äußerten sich Andreas Rimkus für die SPD und Martin Neumann für die FDP.

Einig waren sich Nestle und die Vertreter der anderen Bundestagsfraktionen jedoch darin, dass Wasserstoff eine zentrale Rolle bei der saisonalen Speicherung erneuerbarer Energien und damit für die Versorgungssicherheit spielt. Und einhelliges Lob gab es dafür, dass die Gasverteilnetzbetreiber Konzepte für eine regionale und sichere Versorgung mit Wasserstoff und anderen klimaneutralen Gasen entwickeln und hierfür verstärkt zusammenarbeiten.

"H2vorOrt" möchte Fahrplan aufzeigen

Das Grundsatzpapier "H2vorOrt", das der DVGW anlässlich der Konferenz präsentierte, hat den Anspruch, hierfür einen Fahrplan aufzuzeigen. Dabei bekennen sich 30 Gasverteilnetzbetreiber dazu ,sich ab sofort verstärkt auf den Einbau von H2-ready Komponenten zu fokussieren und über die DGVW in 2021 die technischen Voraussetzungen für die notwendige Infrastruktur-Transformation zu schaffen.

Zudem soll im DVGW ein "Gasnetzgebiets-Transformationsplan" initiiert werden, welcher auch einen aktiven Planungsdialog mit den Ferngasnetzbetreibern beinhaltet. Bis 2030 sollen erste mit Wasserstoff betriebene regionale Pilotanwendungen in Verteilnetzen umgesetzt worden sein.

Pro gesetzliche Quote für klimaneutrale Gase und EEG-Umlagenbefreiung

Von der Politik erwarten die Projektpartner von "H2vorOrt" unter anderem die gesetzliche Festlegung einer Quote für klimaneutrale Gase am Gasmix, die EEG-Umlagenbefreiung von Elektrolysestrom ab kommendem Jahr, die Förderung von hocheffizienten Brennstoffzellenheizgeräten und die Prüfung der Förderung von H2-ready KWK-Anlagen.

Zudem sollte zeitnah ein regulatorischer Rahmen für die Nutzung von Wasserstoffnetzen geschaffen und ein Klimabonus für den Einsatz klimaneutraler Gase geschaffen werden. Desweiteren wird ein H2-Umstellungsbonus für Kundenanlagens sowie die Prüfung einer Fondsfinanzierung für die Ertüchtigung der Gasverteilnetze empfohlen. (hcn)

Die 22-seitige Broschüre H2vorOrt gibt es hier als Download.

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