Das Bundeskartellamt nimmt Energieversorger unter die Lupe und prüft Ermittlungen wegen der Preisgestaltung. "Es ist alles andere als trivial, unter tausenden Versorgern mit verschiedensten Tarifen die schwarzen Schafe ausfindig zu machen. Aber wir kommen sehr gut voran", sagte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Samstag). Hintergrund ist die Missbrauchsaufsicht bei den Preisbremsen zur Entlastung der Verbraucher.
Laut Kartellamt ist seit Ende 2022 eine deutlich vierstellige Zahl an Beschwerden von Bürgern zu den Energiepreisen eingegangen. "Wir haben bereits mit der Umsetzung der Missbrauchsverbote begonnen. Insbesondere die Planung von konkreten Ermittlungsmaßnahmen ist bereits weit fortgeschritten", betonte Mundt.
Viele Tarife über der Preisgrenze
Für Strom liegt der Preisdeckel bei 40 Cent, für Gas bei zwölf Cent pro Kilowattstunde. Darüber hinaus gehende Preise bekommen Energiekunden für 80 Prozent des Verbrauchs erstattet. Viele Tarife liegen nach Angaben von Verbraucherportalen über der Preisgrenze. Es steht der Verdacht im Raum, dass Anbieter ihre Preise künstlich erhöht haben, um möglichst stark von der staatliche Erstattung zu profitieren. Kritiker hatten auch moniert, Verbrauchern fehle der Anreiz zum Wechsel des Versorgers bei einem Quasi-Einheitspreis.
Nach einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox gibt es bei den Strompreisen eine große Ost-West-Lücke. Demnach liegen die Strompreise der örtlichen Versorger in Ostdeutschland 15 Prozent höher als im Westen. Ostdeutsche Haushalte profitierten entsprechend stärker von der staatlichen Strompreisbremse.
Preislücke so hoch wie nie zuvor
Die Strompreisbremse verringere die Kosten im Osten um durchschnittlich 331 Euro, in Westdeutschland im Schnitt um 160 Euro, wie Verivox der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Demnach liegen die Strompreise für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden in der Grundversorgung in Ostdeutschland ohne Berücksichtigung der Preisbremse aktuell bei jährlich 2154 Euro - in Westdeutschland bei 1878 Euro. Die Preislücke zulasten des Ostens sei damit so hoch wie nie zuvor.
Verivox-Energieexperte Thorsten Storck sagte: "Die großen Strompreisunterschiede zwischen Ost und West lassen sich zum Teil durch den Anstieg bei den Stromnetzgebühren erklären." Zum Jahreswechsel seien die Kosten für Betrieb, Unterhaltung und Ausbau des Stromnetzes in Westdeutschland um durchschnittlich 14 Prozent, in Ostdeutschland um 25 Prozent gestiegen. Ursache für die regional unterschiedlich hohen Netzentgelte seien Faktoren wie Industrie- und Bevölkerungsdichte, aber auch die Kosten für den Ausbau erneuerbarer Energien.
Mecklenburg-Vorpommern am teuersten
Laut Auswertung des Portals sind derzeit die höchsten Strompreise in der Grundversorgung in Mecklenburg-Vorpommern fällig - die jährliche Stromrechnung für einen Verbrauch von 4000 Kilowattstunden liege bei 2350 Euro. Das seien knapp 56 Prozent mehr als im günstigsten Bundesland Bremen.
Ausgewertet wurden laut Portal die im April gültigen Strompreise in der Grundversorgung für die jeweiligen Bundesländer. Grundversorger ist der Energieversorger, der in einem Netzgebiet die meisten Haushalte mit Strom beliefert. Laut Bundesnetzagentur befand sich 2021 mit 24 Prozent fast jeder vierte Haushaltskunde sowohl bei Gas als auch bei Strom in der Grundversorgung. (dpa/hil)
