Beim "Waldgipfel" will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein Maßnahmenpaket vorstellen. Bild: © Carsten Koall/dpa

Beim "Waldgipfel" will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein Maßnahmenpaket vorstellen. Bild: © Carsten Koall/dpa

Die deutschen Wälder sollen angesichts drastischer Schäden durch Trockenheit und Schädlinge Nothilfen bekommen. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) stellt bei einem «Nationalen Waldgipfel» am Mittwoch Pläne für koordinierte Maßnahmen vor, die den Wald auch besser gegen den Klimawandel wappnen sollen. Dabei geht es unter anderem um Aufforstungen. Klöckner hatte bereits eine halbe Milliarde Euro zusätzliche Bundesmittel in Aussicht gestellt, dazu sollen Beiträge der Länder kommen. Zu der Konferenz mit Reden und Fachforen werden Vertreter von rund 170 Organisationen erwartet.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) forderte deutlich mehr Fachkräfte. «Der klimagerechte Umbau des Forstes ist eine Mammutaufgabe, die sich nur mit zusätzlichem Personal stemmen lässt», sagte der Vize-Vorsitzende Harald Schaum der Deutschen Presse-Agentur. Dabei gehe es darum, Monokulturen durch Mischwälder zu ersetzen. Gebraucht werde hierfür ein zusätzlicher Forstbeschäftigter pro 1000 Hektar, was bei elf Millionen Hektar Wald in Deutschland einen Mehrbedarf von 11 000 Beschäftigten bedeute - jeweils zur Hälfte für den privaten und den öffentlichen Forst.

Chance auf „Selbsterneuerung“

Der Grünen-Agrarpolitiker Harald Ebner sagte der dpa, mehr Geld sei wichtig und richtig, es müsse aber vernünftig eingesetzt werden. «Die Millionen jetzt einfach wie Herbstlaub in der Fläche zu verstreuen für Pflanzungen mit fragwürdigen Erfolgsaussichten und unklarer Zielrichtung, wäre herausgeworfenes Geld.» Der Wald müsse außerdem auch eine Chance bekommen, sich selbst zu erneuern.

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze warnte davor, die Hilfen falsch einzusetzen. «Fördermittel aus Steuergeldern soll es für die Waldbesitzer geben, die ihre Flächen vor allem am Nutzen für Natur und Klimaschutz ausrichten und nicht an der Produktion», sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch).

Schadensfläche wird immer größer

Stürme, Schädlinge und die extreme Dürre des vergangenen Jahres haben in deutschen Wäldern massive Schäden angerichtet. Auch in diesem Jahr ist es vielerorts zu trocken gewesen. Klöckner und mehrere Verbände haben sich für ein großes Wiederaufforstungsprogramm mit Millionen Bäumen stark gemacht. Der Schaden ist wohl noch größer, als zunächst geschätzt: Wie die Funke-Mediengruppe und das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Mittwoch) berichten, nennt das Landwirtschaftsministerium nun eine aufzuforstende Fläche von 180.000 Hektar. Zuvor war von 110.000 Hektar die Rede gewesen.

Beschädigtes Holz muss rasch aus den Wäldern herausgebracht werden. Daher fordert die Forstwirtschaft einen umfassenden «Pakt für den Wald». Insgesamt sei von Kosten von rund zwei Milliarden Euro auszugehen, hatte der Verband der privaten Waldeigentümer erläutert. Klöckner will beim «Waldgipfel» ein Eckpunktepapier mit Maßnahmen vorstellen, wie es vorab hieß. Diese zielten darauf, akuten Schäden zu begegnen, zerstörte Flächen wieder zu bepflanzen und die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel zu stärken. Dabei sollten auch die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und eine effiziente Holzverwendung ausgebaut werden.

SWM Wald ist "vorbildlich"

Mit welchen Maßnahmen es funktionieren kann, den Wald "in dem sich wandelnden Umfeld  gesund, lebendig und widerstandsfähig" zu halten, erläutern die Stadtwerke München (SWM). Die Städtische Forstverwaltung der Landeshauptstadt München bewirtschaftet seit Jahrzehnten den Wasserschutzwald der SWM. Der mehr als 1800 Hektar umfassende Wasserschutzwald ist im Besitz der Stadtwerke. Die Forstverwaltung betreibt im Auftrag der SWM naturgemäße Waldpflege. Der SWM Wald gilt als Kommunalwald und muss laut Bayerischem Waldgesetz deshalb vorbildlich bewirtschaftet werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Im Laufe der Zeit wurde im SWM Wald die Fichten-Monokultur in einen Mischwald umgebaut. Dafür wurden die Bestände sukzessive mit heimischen Laubbäumen wie Eiche und Buche aufgeforstet. Die Wälder sind umgeben von großen Wiesenflächen, die nicht gedüngt und nur ein- bis zweimal im Jahr geschnitten werden. Die Wiesen gedeihen daher als buschfreie und vielfältige Magerwiesen, deren Böden das Grundwasser wirksam gegen Luftschadstoffe schützen.

Die nächste Wald-Generation

Auch beim Holzeinschlag spielen nachhaltige Gesichtspunkte die Hauptrolle. Dazu gehört auch, dass in den vergangenen Jahrzehnten auf rund der Hälfte der Waldfläche unter dem Schirm der Altbäume neue Bäume nachgewachsen sind. Sollte es zu Sturmschäden kommen, ist die nächste Wald-Generation bereits etabliert. (hp/dpa)

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