Der ehemalige finanzschwache Landkreis Rhein-Hunsrück hat sich zu einem finanzstarken entwickelt: dank erneuerbarer Energien.

Der ehemalige finanzschwache Landkreis Rhein-Hunsrück hat sich zu einem finanzstarken entwickelt: dank erneuerbarer Energien.

Bild: © Thomas Max Müller/www.pixelio.de

"Durch das Engagement vieler Akteure wurden viele Mehrwerte in der Region erzielt. So konnten sich unsere Kommunen ziemlich zügig entschulden", erläutert Marlon Bröhr (CDU), Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises auf der Pressekonferenz "Einmal strukturschwach, immer strukturschwach? Erneuerbare Energien als Chance für Kommunen im ländlichen Raum" von der Agentur für Erneuerbare Energien.

Denn etwa die Windkraftanlagen werden auf kommunalem Grund mittels Pachtverträgen aufgestellt. "Der Vorteil an solchen Verträgen: Die Gemeinde behält jeden Euro davon", so Bröhr. Dadurch würden sieben Millionen Euro pro Jahr zusammenkommen. Auf eine Lebensdauer von 20 Jahren gerechnet, haben die Gemeinden 140 Millionen Euro mehr zur Verfügung.

290 Mio. Euro einsparen

Damit hat sich der einst strukturschwache Landkreis zu einer finanzstarken Region entwickelt, die nicht mehr von Abwanderung betroffen ist. Das Gegenteil ist der Fall: Familien und junge Leute ziehen wieder hin, denn von den Einnahmen aus Windenergie und anderen Technologien profitieren die Menschen in den Gemeinden.

"Bis zum Jahr 2050 werden wir 290 Millionen Euro jährliche Energieimportkosten durch Energieeffizienz und erneuerbare Energien Zug um Zug in regionale Arbeitsplätze und Wertschöpfung umwandeln", äußerte sich Bröhr über den ökonomischen Effekt. Es stärkt die heimische Wirtschaft wie Handwerksbetriebe, die die Wartungsarbeiten an den EE-Anlagen durchführen.

Tourismus steigt an

Zudem ist auch der Tourismus gestiegen: "Wir haben mit der Geierlay-Brücke eine Touristenattraktion geschaffen, die rund eine Millionen Menschen jährlich anzieht und damit auch das dahinterliegende Gewerbe stärkt", so Bröhr. Dabei führt die Brücke direkt durch die Windparks. Ihre Unterhaltungskosten werden durch die Einnahmen aus den Windkraftanlagen komplett finanziert.

Fossile Brennstoffe werden ebenso im öffentlichen Raum eingespart. Biomasse, die durch den Schnittabfall der Bürger entsteht, wird im Heizkraftwerk verbrannt und reicht aus, um die Schulen des Landkreises zu heizen. "Wir müssen kein Öl mehr kaufen und schaffen den Abfall, der sonst entsorgt werden müsste, sinnvoll weg", freut sich der Landrat darüber.

Abbau von Hemmnissen gefordert

Mit Blick auf die Übertragbarkeit auf andere Kommunen spielen vor allem politische Bedingungen eine wichtige Rolle: "Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir stabile und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen in erneuerbare Energien von der Bundesregierung. Ich sage es ganz deutlich: Unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen wäre die Erfolgsstory des Rhein-Hunsrück-Kreises nicht wiederholbar. Hier muss sich dringend etwas ändern", so Ulrike Höfken (Büdnis90/Die Grünen), Ministerin für Umwelt und Energie des Landes Rheinland-Pfalz.

Folgende Hemmnisse müssten unter anderem abgebaut werden: Es brauche eine Regionalisierungsquote, damit ein Wettbewerb auf Augenhöhe mit den Offshore-Wind-Parks entstünde. Außerdem müssten die Deckelungen wie beispielsweise der Solardeckel abgeschafft werden. "Auch wäre es hilfreich, wenn die EU-Vorgaben umgesetzt würden", fuhr die Umweltministerin fort. Beispielsweise die Eigenstromnutzungsmöglichkeiten bei kleineren Anlagen auf 30 MW zu erhöhen. Oder Windanlagen, die maximal 18 MW produzieren, von den Ausschreibungen zu befreien. (ab)

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