"Aus Sicht der Bundesregierung ist nur Wasserstoff, der auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt wurde auf Dauer nachhaltig", heißt es in dem 28-seitigen Entwurf der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) vom 4. Juni, welcher der ZfK vorliegt. Daher sei es "Ziel der Bundesregierung, grünen Wasserstoff zu nutzen, für diesen einen zügigen Markthochlauf zu unterstützen sowie entsprechende Wertschöpfungsketten zu etablieren".
Gleichzeitig gehe man davon aus, dass sich in den nächsten zehn Jahren ein globaler und europäischer Wasserstoffmarkt herausbilden werde. Auf diesem Markt werde auch CO2-neutraler blauer (mit CO2-Abscheidung und Speicherung) oder türkiser (Methanpyrolyse) Wasserstoff gehandelt werden. "Aufgrund der engen Einbindung von Deutschland in die europäische Energieversorgungsinfrastruktur wird daher auch in Deutschland CO2-neutraler Wasserstoff eine Rolle spielen und, wenn verfügbar, auch genutzt werden", heißt es in dem aktuellen Entwurf der NWS.
Bedarf von 90 bis 110 TWh bis 2030
Insgesamt soll der Markthochlauf von Wasserstofftechnologien, die Forschung sowie internationale Partnerschaften in den kommenden Jahren mit über elf Milliarden Euro gefördert werden. Hauptziel ist es, die Kostendegressionen bei Wasserstofftechnologien voranzubringen, mit einem starken Heimatmarkt in Deutschland auch als Signal für den Einsatz im Ausland. Bis 2030 sieht die Bundesregierung einen Wasserstoffbedarf von 90 bis 110 Terawattstunden (TWh) vor.
Um einen Teil davon in Deutschland zu decken, sollen bis 2030 hierzulande Erzeugungsanlagen von bis zu 5 GW, bis spätestens 2040 weitere 5 GW, "einschließlich der dafür erforderlichen Offshore- und Onshore-Energiegewinnung entstehen". Dies entspreche einer grünen Wasserstoffproduktion von bis zu 14 TWh und einer benötigten erneuerbaren Energiemenge von bis zu 20 TWh.
Aus- und Zubau von Wasserstoffnetzen
Besondere Bedeutung komme hierbei der Offshore-Windenergienutzung zu. "Die Bundesregierung wird gemeinsam mit den Anrainerstaaten der Nord- und Ostsee die Wasserstoffproduktion mithilfe eines verlässlichen Regulierungsrahmens für Offshore-Windenergie forcieren", so der Entwurf des NWS.
Um die Potenziale von Wasserstoff optimal nutzen zu können, soll die Transport- und Verteilerstruktur weiterentwickelt und die Sicherheit in der Anwendung gewährleistet werden. Hierzu gehört laut der Strategie neben der Ertüchtigung der Gasnetze und einer integrierten Netzplanung auch der Aus- und Zubau von dezidierten Wasserstoffnetzen. Vorangebracht werden sollen auch wissenschaftlich akzeptierte und verankerte Messmethoden und Bewertungskriterien sowie international akzeptierte technische Normen und Standards.
Neuer Staatssekretärsausschuss für Wasserstoff
Stand und Umsetzung sowie Zielerreichung der NWS sollen regelmäßig von einem "neu gegründeten Staatssekretärsausschuss für Wasserstoff der betroffenen Ressorts überwacht werden, der auch über die Weiterentwicklung und Umsetzung der Strategie entscheidet". Begleitet wird dies von einem Nationalen Wasserstoffrat mit "hochrangigen Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft".
Daneben möchte die Bundesregierung eine Leitstelle Wasserstoff und Task Forces einrichten. Zudem ist ein neuer Innovationsbeauftragter Grüner Wasserstoff des Bundesforschungsministeriums ständiger Gast des Staatssekretärsausschusses sowie des Nationalen Wasserstoffrats. Nach drei Jahren soll die Strategie dann erstmals evaluiert und gegebenenfalls weiterentwickelt werden.
Weitergehende Strompreisreform sowie neue Geschäftsmodelle
Als zentral für die Schaffung von Grundlagen für den Betrieb zur Erzeugung grünen Wasserstoffs in Deutschland sieht die NWS Reformen der staatlich induzierten Preisbestandteile beim Strom an, die über die im Klimapaket beschlossenen Maßnahmen hinausgehen. Geprüft werden soll, ob der zur Herstellung von grünem Wasserstoff verwendete Strom "weitgehend von Steuern, Abgaben und Umlagen befreit werden kann“. Auch sollen neue Geschäfts- und Kooperationsmodelle von Betreibern von Elektrolyseuren mit Strom- und Gasnetzbetreibern unter Beachtung der regulatorischen Entflechtung in ein bis zwei Modellprojekten getestet werden.
Daneben finden sich in dem aktuellen Entwurf der NWS weitere geplante Maßnahmen, wie die Einführung von Nachfragequoten für klimafreundliche Grundstoffe in der Industrie, eine Powert-to-Liquid(PtL)-Quote für Flugbenzin sowie die Förderung von Tankinfrastruktur oder von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die „Wasserstoff-ready“ sind. Wie die ZfK aus gut unterrichteten Regíerungskreisen erfuhr, soll die NWS am kommenden Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedet werden. (hcn)
