Die niedersächsischen Kommunen sollen nach Vorstellung von Umweltminister Olaf Lies an den Einnahmen aus Windkraftanlagen beteiligt werden. «Wenn wir wollen, dass wir mehr ausbauen, gerade beim Thema Windenergie, brauchen wir mehr Akzeptanz», sagte der SPD-Politiker nach einem Treffen mit Vertretern der Energiewirtschaft am Mittwoch in Hannover. Ein bis zwei Prozent des Umsatzes mit Windenergie sollten daher direkt an die jeweilige Kommune gehen. «Wer die Erneuerbaren Energien hat, zahlt dafür mit, weil der Strom natürlich um diese ein bis zwei Prozent auch teurer wird.»
Darüber hinaus sollen mehr Windparks entstehen, an denen die Bürger selbst als Betreiber beteiligt sind. «Wir wollen dahinkommen, dass auch wieder Bürgerwindenergie möglich ist», sagte Lies. Auch das könne die Akzeptanz von Windkraftanlagen steigern. Derzeit werde der Artenschutz oft instrumentalisiert, um den Ausbau der Erneuerbaren zu verhindern, kritisierte der Minister.
Im ersten Halbjahr wurden laut Umweltministerium nur 14 neue Windkraftanlagen in Niedersachsen mit einer Gesamtleistung von 47 Megawatt gebaut, bundesweit waren es 86 Anlagen und 287 Megawatt. Das entspreche dem Stand von 1998, sagte Lies.
Nicht Netzausbaugebiet, sondern Energiezukunftsgebiet ist das Ziel
Die Pläne der Bundesnetzagentur, den weiteren Ausbau der Windenergie in Niedersachsen wegen des schleppenden Ausbaus der Stromnetze zu deckeln, verurteilte Lies erneut. "Wir wollen nicht Netzausbaugebiet werden, wir wollen Energiezukunftsgebiet werden", sagte er. Mit den sogenannten Netzausbaugebieten beschränkt die Bundesnetzagentur die Zahl der Ausschreibungen für Windenergie an Land.
Lies warb stattdessen dafür, die Stromnetze anderweitig zu entlasten. So stecke viel Potenzial in der Umwandlung von Strom zu Gas per Elektrolyse sowie in der Nutzung von erneuerbarer Energie in der Wärmeversorgung und in der Mobilität.
Niedersachsen soll Erneuerung unterstützen
Unterstützung erhielt er von der Chefin des Energieversorgers Enercity, Susanna Zapreva. "Allein die abgeregelte Energie von fünf Terawattstunden, die wir in Norddeutschland haben in Summe, würde für die Wärmeversorgung von ganz Niedersachsen und Bremen ausreichen", sagte sie. "Das sind Potenziale, die wir nutzen müssen."
Auch der Bundesverband Windenergie (BWE) sieht in der alternativen Nutzung grünen Stroms einen guten Weg. "Die Initiativen zu Sektorenkopplung und Wasserstoff führen in die richtige Richtung", sagte BWE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm der Deutschen Presse-Agentur. Zudem solle das Land Niedersachsen die Erneuerung bestehender Windkraftanlagen unterstützen, damit sie wirtschaftlich weiterbetrieben werden können, forderte Axthelm. (dpa/geo)



