Derzeit ist nachhaltig produzierter Wasserstoff noch nicht in größeren Mengen verfügbar.

Derzeit ist nachhaltig produzierter Wasserstoff noch nicht in größeren Mengen verfügbar.

Bild: © luchschenF/Adobe Stock

"Wir wollen es Unternehmen in Deutschland ermöglichen, neue Lösungen im geschützten Raum auszuprobieren. Unser Ziel ist es dabei auch, Erkenntnisse zu gewinnen, wie die regulatorischen Rahmenbedingungen allgemein verbessert werden können". Dies unterstrich Ulrich Nussbaum, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi).

Erreicht werden soll dies mit diversen Reallaboren, wie dem 2017 gestarteten Forschungsprogramm "Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende" (SINTEG) mit fünf Modellregionen sowie den "Reallaboren der Energiewende" mit 20 beteiligten Konsortien, die im Juli vom BMWi ausgewählt wurden. SINTEG wird über eine Laufzeit von vier Jahren mit über 200 Mio. Euro gefördert, die Reallabore der Energiewende mit jährlich 100 Mio. Euro plus 200 Mio. Euro zusätzlich für Reallabore in Strukturwandelregionen. SINTEG sieht hier ausdrücklich auch Experimentierklauseln vor. Projektteilnehmer können sich, begrenzt auf die Dauer des Projektzeitraums, wirtschaftliche Nachteile (u.a. höhere Netzentgelte) erstatten lassen, die durch systemdienliches Verhalten aufgrund der Projekttätigkeit entstehen.

Hemmschuh Regulatorik – Gesetzgeber gefordert

Insgesamt gab es für den Ansatz der Reallabore viel Lob für das BMWi bei der gut besuchten Netzwerk-Veranstaltung. Doch klar wurde, dass Insellösungen alleine nicht ausreichen, um Hemmnisse bei den regulatorischen Rahmenbedingungen für die Sektorenkopplung, beispielsweise durch die hohe Abgaben- und Umlagenbelastung des Stroms, abzubauen. "Wir konnten hier in den SINTEG-Projekten viele Erkenntnisse gewinnen, wie beispielsweise grüner Wasserstoff besser auf den Weg gebracht werden kann, nun gilt es, einen Fahrplan zu entwickeln, wie diese in die Gesetzgebung einfließen können", sagte Björn Spiegel, Leiter Strategie und Politik bei der Arge Netz (Husum).

"Die Regulatorik passt noch nicht im Bereich der Energiewende, hier müssen wir die Gesetzgebung beschleunigen, um die Rahmenbedingungen zu verbessern", ergänzte Martin Reuter vom Verband der Chemischen Industrie (VCI). Eine Vertreterin von Dow Chemicals wies darauf hin, dass die Reallabore beispielsweise auch bei der Erzeugung und Vermarktung von grünem Methanol durch EU-Vorgaben an ihre Grenzen stießen, hier müsse das BMWi auch entsprechende europarechtliche Veränderungen auf den Weg bringen.

Neues Handbuch Reallabore sowie Wettbewerb im Herbst

"Ja wir müssen hier noch schneller werden, doch leider können wir auch keine Wunder vollbringen", räumte Philipp Steinberg, Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik im BMWi ein. Doch je mehr ‘gute Ideen’ aus den Reallaboren an den Gesetzgeber getragen würden, umso eher ändere sich etwas, um die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Geschäftsmodelle rund um die Sektorenkopplung leichter ermöglicht würden. "Da muss richtig viel Druck von außen kommen", konstatierte Valerie Mocker von der britischen Innovationsstiftung Nesta (London). Doch brach auch sie eine Lanze für den Ansatz der Reallabore, nur müsse man sich darüber klar sein, wo deren Grenzen lägen und wo die Politik insgesamt nachsteuern muss. Insgesamt brauche es mehr Mut für Neues und eine intensivere Bürgerbeteiligung als integralen Bestandteil der regionalen Modellprojekte.

Vorgestellt wurde bei dem Netzwerktreffen auch ein Handbuch Reallabore mit vielen praktischen Tipps. Zudem soll noch diesen Herbst ein Reallabore-Wettbewerb starten, kündigte Steinberg an. (hcn)

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Mehr zum Thema grüner Wasserstoff und den Reallaboren der Energiewende, beispielsweise in der Lausitz, lesen Sie in der kommenden September-Ausgabe der ZfK.

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