Der künftige RWE-Konzern wird nach der Abgabe des Innogy-Vertriebs an Eon kein eigenes Privatkundengeschäft mit Photovoltaik-Dachanlagen aufbauen. Das stellte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz am Montag auf dem "Führungstreffen Energie" in Essen auf eine Frage des Moderators klar.
"Wir machen Photovoltaik in Utility-Scale (in der Größenordnung eines Versorgers), keine Dachflächen", sagte Schmitz auf einem Diskussionsforum. "Dezentrale Anlagen sollen von dezentralen Unternehmen – Stadtwerken – gemacht werden."
RWE drängt auf Eile, Kohleausstieg umzusetzen
Die meiste Diskussionszeit nahm aber der empfohlene nationale Kohleausstieg ein. Schmitz nannte den Bericht der Kohlekommission "eine ausgewogene Empfehlung, der man folgen sollte". Jetzt müsse man dringend schauen, wie man den Ausstieg umsetze.
Schmitz rief vor allem das Bundeswirtschaftsministerium dazu auf, mit dem Braunkohlekraftwerks- und Tagebaubetreiber RWE eilig Kontakt aufzunehmen, da Änderungen von Betriebsgenehmigungen mehrere Jahre dauern würden: "Wäre ganz gut, wenn mal jemand mit uns reden würde. Es gab noch kein einziges Gespräch mit uns. Auch nicht über Entschädigungen." Deswegen könne er auch noch nichts Genaueres sagen, als dass der Kohleausstieg bei RWE "tausende" Arbeitsplätze koste.
Umsiedlungen gehen weiter
Der RWE-Vorstandsvorsitzende wies den Aufruf von Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer zurück, jetzt "ein Signal zu setzen, keine unumkehrbaren Fakten zu schaffen" und den symbolgeladenen Hambacher Forst zu retten und die Umsiedlung der letzten fünf Dörfer im Rheinischen Braunkohlerevier zu stoppen: "Ich bin zu rational veranlagt, um mich über 200 Hektar Wald zu echauffieren", sagte Schmitz wörtlich. "Richtig sinnvoll ist das nicht, das kostet zig Millionen." Es müsste unter anderem Abraum vom Tagebau hergeschafft werden. Aber der RWE-Chef, ein Maschinenbau-Ingenieur, zitierte Daniel Düsentrieb: "Einem Inschinör ist nichts zu schwör."
"Die Umsiedlung wird komplett weitergehen", sagte Schmitz weiter. Er sehe "keinen Sinn" darin, den laufenden Prozess, der je nach Dorf zu 50 bis 90 Prozent abgeschlossen sei, zu stoppen. Im Übrigen sei in Garzweiler nur Braunkohle-Verstromung möglich mit dem kompletten genehmigten Tagebau. Auch die Kohlekommission empfehle der NRW-Landesregierung nur noch eine "verträgliche" Umsiedlung.
"Braunkohle-Regionen können froh sein"
Beim empfohlenen Ausstiegsdatum 2038 ist Schmitz "völlig emotionslos". Diese Diskussion sei für ihn "am unwichtigsten, sondern ob wir den Weg bis 2030 überleben. Wir hätten Kommissionen gebraucht für den Netzausbau und für den Erneuerbaren-Ausbau."
Grünen-Fraktionsvize Krischer, der aus dem Rheinischen Braunkohlerevier stammt, kritisierte, das sei die Botschaft "Wir machen so weiter" wie bisher. Er rühmte die "Konsensleistung" der Kohlekommission, mit der sich Deutschland stark von politischen Prozessen anderswo in Europa unterscheide. Die betroffenen Braunkohle-Regionen "können ein Stückweit froh sein, dass das jetzt so gekommen ist", meinte der Dürener. Die Braunkohle wäre zehn Jahre später als nun vorgeschlagen ohnehin am Ende gewesen, aber ob der Bund dann noch Geld für den Strukturwandel gegeben hätte, bezweifle er.
"Kohle-Umbruch im Vergleich geringfügig"
RWE stünden jedenfalls nach seiner Lesart eines Bundesverfassungsgerichts-Urteils über den Atomausstieg keine Entschädigungen zu, so Krischer weiter.
Im Übrigen sei "das, was wir jetzt in der Kohle erleben, wahrscheinlich das Geringfügigere" im Vergleich zu den Brüchen, die etwa der Autoindustrie bevorstünden, nicht nur wegen der verschiedenen Abgasprobleme, sondern auch wegen der aufstrebenden Konkurrenz aus Fernost. Wuppertal-Institutsvize Manfred Fischedick pflichtete dem bei: Die Zahl der dort betroffenen Arbeitsplätze sei um den Faktor zehn bis 20 höher. (geo)
