Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

Bild: © Sven Hoppe/dpa

Es ist keine eineinhalb Jahre her, da hielt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf dem Kurznachrichtendienst Twitter selbstbewusst fest, dass sein Freistaat bei fast allen erneuerbaren Energien in Deutschland vorne liege: bei Photovoltaik und Wasserkraft, Biomasse und Geothermie. Eines aber war für ihn da ebenfalls klar: "Bayern ist kein Wind-Land".

Am Freitag klang der CSU-Vorsitzende dann zumindest beim Thema Wind schon wieder anders. Bayern, sagte er in der RTL-Sendung "Frühstart", baue die Windkraft massiv aus und werde "wahrscheinlich" im Onshore-Bereich bis zum Ende des Jahrzehnts zum "führenden [Bundes]Land". Allgemein gelte bei erneuerbaren Energien nun "klotzen, klotzen, klotzen".

10-H-Regel aufgeweicht

Tatsächlich galt Bayern jahrelang als besonders schwieriges Pflaster für Windkraftprojektierer. Vor allem die sogenannte 10-H-Regel, wonach eine Windkraftanlage mindestens das Zehnfache seiner Höhe vom nächsten Wohnort entfernt sein muss, bremste den Ausbau.

Inzwischen wurde die Regel aufgeweicht. In bestimmten Windenergiegebieten muss nur noch ein Mindestabstand von 1000 Metern zum nächsten Wohnort eingehalten werden. Auch entlang etwa von Autobahnen und Eisenbahnstrecken, in Wäldern oder im Umkreis von Gewerbegebieten reichen 1000 Meter.

Bayern in Wind-Rankings im hinteren Feld

Der Ausbau läuft trotzdem weiterhin schleppend. In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden im Freistaat nur fünf neue Windenergieanlagen neu in Betrieb genommen, wie eine vorläufige Auswertung der Fachagentur Windenergie an Land ergab. Zwei weitere wurden demnach genehmigt. (Die ZfK berichtete.)

Im Gesamtjahr 2022 wurden nach Berechnungen derselben Organisation in Bayern 44 MW Wind zugebaut. Nur Baden-Württemberg (38 MW) und das kleine Saarland (zwölf MW) wiesen niedrigere Werte auf. Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen wurden im Ranking nicht aufgeführt.

Bayern will bis 2040 klimaneutral werden

Beim Blick auf alle in Betrieb befindlichen Windkraftanlagen – Offshoreanlagen inklusive – erreichte Bayern, immerhin das größte Flächenland der Republik, Ende 2022 mit einer Leistung von rund 2600 GW Platz acht. Ganz vorne landeten die Küstenländer Niedersachsen (12.000 MW) und Schleswig-Holstein (7400 MW). Bei der installierten Leistung pro Fläche belegte Bayern unter allen Flächenbundesländern den letzten Platz.

Bayern will bis spätestens 2040 klimaneutral wirtschaften. Gemäß einer Kurzstudie, die von der BDEW-Landesorganisation VBEW in Auftrag gegebn wurde, müssen dafür wöchentlich bei der Windkraft zwei Anlagen pro Woche mit einer Nennleistung von jeweils 5,5 MW gebaut werden. (aba/dpa)

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