Nachdem sich Bundesregierung, Kohleländer und Kraftwerksbetreiber einigen konnten, ist der Kohleausstieg beschlossene Sache. Auf Basis der Empfehlungen der Kohlekommission wurde ein Kompromiss gefunden. Der Streit um den richtigen Weg eine klimaneutrale Energieversorgung möglich zu machen, ist deswegen aber noch nicht befriedet. Das zeigte sich auch auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee in Bayern.
Während VKU-Präsident Michael Ebling das "klare Signal" der Politik und auch die Geschwindigkeit, mit der die Entscheidung getroffen wurde, begrüßt, geht es dem 19-jährigen Fridays-for-Future-Aktivisten Jakob Blasel nicht schnell genug. Deutschland Ausstieg aus der Kohleverstromung dürfe nicht erst Ende der 30er Jahre abgeschlossen sein. Man müsse vorbildhaft vorangehen, so dass 2050 nicht nur die Bundesrepublik, sondern kein Staat mehr Treibhausgase emittiert.
"Die Lösungen von der Infrastruktur her denken"
Stadtwerke-Konstanz-Chef Norbert Reuter bringt die Debatte zurück auf die Realität der deutschen Energiewende. Der Netzausbau geht nur schleppend voran, die Windausbauraten sind im Keller. Der Kohleausstieg bis 2038 sei ein schönes Ziel, wenn man es denn halten könne. Er plädiert für eine Diskussion ohne Zieldaten, stattdessen müsse man, und dabei zitiert er den Präsidenten der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, "die Lösungen von der Infrastruktur her denken". Sonst sei die Versorgungssicherheit nicht zu halten.
Versuche man aber mit den Möglichkeiten, die schon jetzt verfügbar und ökonomisch tragbar sind, Emissionen einzusparen, beispielsweise mit hocheffizienten Gas-Blockheizkraftwerken, hagele es trotzdem Kritik, auch von der jüngeren Generation, dass man immer noch emittiere. Das Hauptproblem bleibt folglich weiterhin die Akzeptanz für neue Projekte, aber auch die korrekte Vermittlung der dadurch erzielten Einsparungen. Zu viele Menschen würden ernsthaft glauben, der Verzicht auf Plastiktüten würde das Klima schonen, kritisiert der vierte Panel-Teilnehmer Klaus Peter Sedlbauer vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik.
Ebling: "Im Kommunalen können wir richtig Druck machen"
Bei dieser Aufgabe seien die kommunalen Unternehmen in einer zentralen Position, erklärt Ebling vor dem hochkarätigen Publikum aus Politik und Wirtschaft. Sie hätten die Möglichkeit vor Ort Teilhabe zu ermöglichen, zu vermitteln und Akzeptanz zu schaffen. Im Kommunalen werde die Energiewende maßgeblich vorangetrieben und "richtig Druck gemacht". (pm)



