Was passiert mit den Netzen, wenn Steinkohlekraftwerke wie hier Bergkamen ausgemustert werden?

Was passiert mit den Netzen, wenn Steinkohlekraftwerke wie hier Bergkamen ausgemustert werden?

Bild: © Steag

Die Studie "Stadtwerke – fit für die Zukunft?", die auch für 2019 wieder erstellt wurde, zeigt: Eine Vielzahl gesetzlicher Regelungen und Verordnungen hemmt den Umbau des Bestandsgeschäfts der Stadtwerke hierzulande. Dadurch wird nicht zuletzt das Neugeschäft gebremst – und damit die Zukunftssicherheit vieler Stadtwerke in Deutschland. Durch eine verstärkte Innensicht könnten sie in einem immer schärferen Wettbewerb zunehmend den Anschluss verlieren.

Die Autoren der vom F.A.Z.-Fachverlag, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und der ING-Bank herausgegebenen Studie schreiben: "Die Welt der Versorger wird in ihren Grundfesten erschüttert. Wollen Deutschlands Stadtwerke auch in Zukunft überleben, müssen sie ihre Geschäftsmodelle neu denken." Das gelte längst nicht nur für die Umstellung auf erneuerbare Energien. Vielmehr befände sich das gesamte Verständnis der Daseinsvorsorge im Umbruch. Die Ansprüche der Kunden wüchsen über die reine Energieversorgung hinaus.

Die Stadtwerker blicken durch

Die Digitalisierung des Geschäfts biete neue Möglichkeiten, das haben die Befragten bei den Stadtwerken durchaus bestätigt. Gleichzeitig drängen jedoch neue Wettbewerber auf den Markt. Wie stemmen angesichts dessen die Stadtwerke den Kohleausstieg? Wie beurteilen sie die Umsetzung der Energiewende von politischer Seite? Auf welche Weise betreiben sie Innovationsmanagement? Und in welchen Geschäftsfeldern sehen sie das größte Potential für ihre zukünftige Tätigkeit?

Die Antwort der Autoren ist eindeutig: "Deutschlands Stadtwerker können nach Angaben der Autoren der Studie durchaus konkret benennen, welche Hürden auf dem Weg zu einer echten Energiewende und zu einer echten Neuaufstellung ihrer Unternehmen beiseitegeschafft werden müssen. Die Kritik richtet sich aber vorrangig nach außen. Die eigene Aufstellung scheinen die meisten dagegen bereits heute als zukunftsfest zu betrachten. Dabei legen die Ergebnisse nahe, dass es den meisten Stadtwerken an externen Impulsen mangelt."

Harte Kritik am Kohleausstieg

Große Sorgen macht offensichtlich der Kohlausstieg: 71 Prozent der Stadtwerke-Chefs befürchten hier Preissteigerungen, vor allem für Gewerbekunden. Jeder sechste Stadtwerke-Vorstand – 16 Prozent – hält den Kohleausstieg bis 2030 für gänzlich unrealistisch. Die Konzepte der Energiewende bekommen mit satter Dreiviertelmehrheit ein schlechtes Zeugnis. 89 Prozent der Befragten kritisieren hinderliche Vorschriften, vier Fünftel vermissen passende und effiziente Förderprogramme, knapp drei Viertel die Öffnung der kommunalrechtlich zulässigen Betätigung.

"Die Ergebnisse sind ein dringender Aufruf an die Politik, endlich an einem Gesamtkonzept für die Energiewende zu arbeiten. Es gibt in der Praxis hoffnungsvolle Ansätze, aber bislang nur in Form von Inselaktivitäten", resümiert Michael Spahn von der ING Deutschland. André Horn, BDO, sieht schnellen Handlungsbedarf: "Die heutigen Grenzen des Kommunalrechts sind vielfach zu eng, als dass die Stadtwerke in einem sich wandelnden Umfeld zukunftsgerecht und sicher agieren könnten."

Nicht effektiv, nicht zielgerichtet

Die Bundesregierung bewege viel Geld für die Energiewende, so Horn weiter, jedoch: "Oft erscheint der Einsatz nicht effektiv und zielgerichtet. Ob volkswirtschaftlich wettbewerbsfähige Preise erreicht werden und die hohe Versorgungssicherheit erhalten bleibt, ist derzeit fraglich." Ergänzt wird die Studie um vertiefende Interviews, in denen unter anderem die Politiker Robert Habeck (Grüne), Wolfgang Kubicki (FDP) und der Wissenschaftler Manuel Frondel vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zu Wort kommen. (sig)

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